200 Jahre Karl Marx
Das Leben von Karl Marx: Kapitel 2 – Geschichte

Marx war – wie Hegel – überzeugt, dass es auch in der Geschichte eine Art Gesetz gibt wie in der Natur. Dass sich die Ab- und Aufeinanderfolge von Ereignissen erklären lässt, wenn man das „Bewegungsgesetz“ erkannt hat.

christoph bopp
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Karl Marx (rechts) und Friedrich Engels interpretierten die Geschichte als eine Folge von Klassenkämpfen.

Karl Marx (rechts) und Friedrich Engels interpretierten die Geschichte als eine Folge von Klassenkämpfen.

Keystone

Hegel sah es mehr vom Geist aus (in der „Phänomenologie des Geistes“ erklärt Hegel, wie sich der Geist aus sich immer weiter entwickelt bis zum „absoluten Wissen“ oder zum „Weltgeist“), Marx dachte materialistisch und suchte nach „Motoren“ der Bewegung, welche die Geschichte vorantrieben. Es widerstrebte ihm, allein den Willen und die Motive „grosser Männer“ die Geschichte vorantreiben zu lassen.

Es waren vor allem zwei Triebkräfte, welche Marx identifizierte. Historische Gesellschaften waren immer gespalten – in Klassen. Im Mittelalter gab es Bauern und Adlige und Kleriker. Die Gesellschaft war klar „geschichtet“: unten die Bauern, oben die herrschenden Klassen des Adels und des Klerus. Dann entwickelten sich das Handwerk und der Handel und es bildete sich eine neue Schichte: das Bürgertum (Marx nannte das „die Bourgeoisie“).

Diese reiche und innovative Klasse wollte sich nicht dem Adel unterwerfen. In den bürgerlichen Revolutionen (Amerika 1770er Jahre; Frankreich ab 1789) wurde die Monarchie abgesetzt und wurden neue egalitärere Regierungsformen ausprobiert. In Europa kamen die Napoleonischen Kriege und danach die Restauration, in den USA setzte sich die republikanische Demokratie durch (wenn auch die Sklaverei vorderhand erhalten blieb). Marx und Engels interpretierten deshalb die Geschichte als eine Folge von Klassenkämpfen.

Die andere Triebkraft war die technologische Entwicklung. Nicht nur die Waffentechnik war fortgeschritten, sondern auch die Ingenieur- und Maschinentechnik. Die Bourgeoisie hatte es geschafft, die „Produktivkräfte zu entfesseln“. Marx und Engels staunten über diesen Fortschritt und bewunderten ihn. Heute kann man sagen, dass die moderne (westliche) Technik das Sichtbare der Globalisierung ist. Sie ist das, was überall ist, wo „Fortschritt“ ist.

Diese zwei Kräfte treiben die Geschichte. Und die Geschichte bewegt sich „dialektisch“. Manchmal gibt es Revolutionen bei den „Umschlag“-Situationen, manchmal nicht. Meistens aber schon. Es ist aber immer so, dass der Zustand nach der Revolution im Zustand vor der Revolution schon irgendwie vorhanden war. Die Revolution und das, was aus ihr folgt, muss man ja als *Negation“ und als „Aufhebung der Negation“ verstehen. Die Negation macht das Verborgene sichtbar, das in der Aufhebung der Negation wirklich wird.

Diesen Geschichtsdeterminismus hat man später heftig kritisiert. Karl R. Popper zum Beispiel nannte es „Historizismus“ und schrieb ein Buch mit dem Titel „Das Elend des Historizismus“. Dass Revolutionen oft anders enden als intendiert, ist nur zu bekannt. Marx ist – mit Gründen, die unten erläutert werden - etwas leichtfertig mit dem Problem umgegangen.

Er hat einfach angenommen, dass der Kapitalismus durch eine Revolution (der Proletarier) abgeschafft wird und danach der Sozialismus eintritt. Man hat ihm oft vorgeworfen, er hätte nicht definiert oder nicht gewusst, was „Sozialismus“ ist. Das wusste er aber schon. Aber er sah kein Bedürfnis zu erläutern, was nach der Revolution des Proletariats im Detail passiert.

Immerhin war es mit der Französischen Revolution ja auch schief gelaufen. Was Marx als Heranwachsender und Erwachsener erlebt, ist nicht das, was man sich von der Französischen Revolution erhofft hat.

Hier gelangen Sie zu den weiteren Kapiteln:

Einführung – BiographieKapitel 1 – PhilosophieKapitel 3 – Der Kapitalist und der ArbeiterKapitel 4 – Der SozialismusKapitel 5 – Die ÖkonomieKapitel 6 – Und heute?

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