Das Handy schaut mit

Kamera Filmen mit dem Handy gehört längst zum Alltag. Wir haben in den ersten Smartphone- Kinofilm hineingeschaut und mit Passanten übers Handyfilmen geredet. Roger Berhalter

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A man films with his smartphone at the event freestyle.ch in Zuerich, Switzerland. Pictured on september 25, 2011. Freestyle.ch is a sport event combined with a festival. There are contests in freeski, snowboard, FMX (motor-bike) and skateboard. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) (Bild: Martin Ruetschi (KEYSTONE))

A man films with his smartphone at the event freestyle.ch in Zuerich, Switzerland. Pictured on september 25, 2011. Freestyle.ch is a sport event combined with a festival. There are contests in freeski, snowboard, FMX (motor-bike) and skateboard. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) (Bild: Martin Ruetschi (KEYSTONE))

Kaum tritt der Star auf die Bühne, erhebt sich vor ihm schon das Lichtermeer. Dutzende, Hunderte Handybildschirme filmen, was auf der Bühne passiert. Längst haben Smartphones an Livekonzerten die Feuerzeuge verdrängt. Im Gegensatz zu echtem Feuer macht ein leuchtendes Handy nicht nur Stimmung, sondern es macht sich auch nützlich und hält den Moment fest.

Filmen per Handy ist zum Alltag geworden. In jedem Smartphone steckt heute eine leistungsstarke Kamera, die bei Bedarf schnell gezückt ist. Wie neulich, als sich eine 25jährige Autofahrerin in St. Gallen mit ihrem Kleinwagen durch den Fussgängerausgang der Parkgarage Burggraben zwängte. Ein Jugendlicher filmte die skurrile Szene, und kurz darauf war die verwirrte Autofahrerin auch auf YouTube zu sehen. Apropos: Es ist kein Zufall, dass zu den meistgesehenen YouTube-Videos neben professionell produzierten Clips auch selbstgedrehte Tierli-, Baby- und andere Alltagsszenen gehören. «Charlie bit my finger – again!» zum Beispiel. Ein Filmchen, das in den aktuellen YouTube-Top-Ten mit knapp 400 Millionen Klicks auf Platz 6 kommt – obwohl es nicht mehr zeigt als ein Baby, das einem Kind in den Finger beisst. Aufgenommen wurde die Szene, natürlich, mit einer Handykamera.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der erste Handyfilm in Spielfilmlänge auf der Leinwand auftaucht. «Olive» behauptet, genau das zu sein: Der erste Film, der ausschliesslich mit Smartphones gedreht wurde. Die fünfminütige Vorschau im Netz zeigt leuchtende Farben und weitwinklige Aufnahmen. Das soll ein Handyfilmchen sein? Tatsächlich hat der Regisseur Hooman Khalili alles mit seinem Nokia N8 mitgeschnitten – allerdings hat er vorher den automatischen Zoom und Fokus ausgeschaltet und dafür eine eigene 35-Millimeter-Linse vor das Handy montiert. Deshalb sieht «Olive» auch aus wie ein «grosser» Kinofilm, nicht wie ein aus dem Handgelenk gefilmter Trash-Clip.

Noch ist offen, ob und wann «Olive» in die Kinos kommt. Die amerikanischen Filmemacher suchen noch Investoren. Die Wartezeit bis zur Premiere muss man sich also mit ein paar Alltagsclips auf YouTube verkürzen.