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Kolumne

Danke, Schweiz

Claudia Lässer
Claudia Lässer, Programmleiterin Teleclub.

Claudia Lässer, Programmleiterin Teleclub.

Aus der Ferne sieht man die Dinge oft klarer. Denn was ausserhalb des Blickfeldes liegt, muss man aus Erinnerungen nachzeichnen. So sieht man, was Wert hat und blendet den Firlefanz aus. Wie Bergspitzen erheben sich die Höhepunkte ferner Momente aus der Seelenlandschaft und lassen uns in einem Panorama schwelgen, das wir hinter uns gelassen haben, während wir weiterziehen, und von der Zukunft nur eines wissen – dass sie uns unbekannt ist. Wir müssen sie noch erleben, diese Zukunft. Glücklich ist, wer diese Zukunft gestalten kann um später, weiter vorne in der Zeit, wiederum auf ein Panorama zurückblicken zu können. Dir, liebe Schweiz, danke ich dafür, dass du es vielen möglich machst, diese Zeit und Zukunft so frei wie selten auf der Welt zu gestalten und mir die Sicherheit gibst, mich aufzufangen, sollte mir dies nicht gelingen.

Ich schreibe diesen Text am 1. August. Im Bewusstsein, dass heimatliche Sentimentalitäten am 5. August, dem Publikationstag dieser Kolumne, wieder in weite Ferne gerückt sind. Sie werden irgendwo zwischen Apps und Termine gerutscht sein, hinten im Tal der Landschaft des Lebens warten, bis wir sie am 1. August wieder besuchen, mit ihnen Bier und Wurst teilen, um danach ohne zurückzublicken mit einem «bis bald, versprochen» zu gehen, weil man in Gedanken schon wieder über alle Berge ist.

Jetzt, nach einer mühsamen Reise ins Ausland, die mich daran erinnert hat, wie gut in der Schweiz alles funktioniert, denke ich wehmütig an dieses Gefühl, das hinten im Tal wohnt und einmal im Jahr, am 1. August, von allen bestürmt wird.

Dieses Gefühl, das die Schweiz ausmacht. Das Gefühl von Heimat. Wie es dir wohl geht? Der Weg zu dir ist weit. Zu unaufmerksam bin ich ihn immer gegangen all die Jahre. Irgendwie stolpere ich durch meine Vorstellungskraft, erfinde Wiesen und Bäume, Wege und Höfe, bis ich endlich zu dir finde. Wie selbstverständlich bist du da. Ich schaue dir in die Augen und hoffe wie immer ein bisschen, in ihnen keinen Argwohn zu finden, weil ich dich nicht öfter besuchen komme. Aber so bist du nicht. Wie jedes Jahr beherbergst du mich, gibst mir zu essen und zu trinken. Nicht immer mit einem Lächeln, aber ich verstehe, dass du Zeit brauchst. Dass du erst sehen willst, wer ich bin, was aus mir geworden ist. Während wir schweigen, sehe ich mich um. Es ist schön ruhig hier hinten im Tal. Dein kleiner Garten ist aufmerksam gepflegt wie immer, das Fell deiner zwei Kühe und drei Geissen glänzt jedes Jahr wie Gletscherfirn.

Ohne darüber nachzudenken, lege ich meinen Kopf auf deine Schulter. Ich will dir Danke sagen für alles, was du mir gibst, für die Verlässlichkeit, die schöne Landschaft, die Möglichkeit, mein Kind in Sicherheit aufzuziehen und ihm eine Zukunft geben zu können. Auf dass ich später in der Zeit auf ein Panorama zurückblicken kann, dessen Landschaft mein Leben war, in der ich mich geborgen und zu Hause fühlte. Für das und noch vieles mehr möchte ich dir am 1. August Danke sagen, aber ich weiss, ich muss nicht. Wir verstehen uns auch so, liebe Schweiz. Und genau dafür möchte ich dir nochmals Danke sagen.

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