Covid-19
Covid-Taskforce-Expertin: Mit Impfungen könnte man 40'000 Hospitalisationen vermeiden

Die vierte Welle ist etwas abgeflacht, aber noch nicht vorbei. Wer sich jetzt nicht immunisieren lässt, wird sich gemäss Samia Hurst auf jeden Fall anstecken.

Bruno Knellwolf
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Samia Hurst, Vizepräsidentin der Covid-19 Science Task Force und Bioethikerin an der Uni Genf, spricht am Point de Presse in Bern zu Covid 19.

Samia Hurst, Vizepräsidentin der Covid-19 Science Task Force und Bioethikerin an der Uni Genf, spricht am Point de Presse in Bern zu Covid 19.

Anthony Anex / KEYSTONE

Schon fragen die ersten nach dem Ende der vierten Welle. Tatsächlich ist der Steilflug der Infektionen vorerst gebremst. Patrick Mathys vom BAG spricht in Bern von 1500 bis 2000 Neuinfektionen pro Tag, zu meist unter 10- bis 19-Jährigen.

Auch bei den Hospitalisationen ist mit täglich rund 40 Spitaleinlieferungen ein kleiner Rückgang zu sehen. Doch immer noch sind 250 Covid-Patienten auf einer Intensivstation und bangen um ihr Leben. Deshalb sagt Mathys: «Nein.» Ein Ende der Welle sei jetzt nicht absehbar.

Wahrscheinlicher Anstieg steht bevor

Und Samia Hurst, die Vizepräsidenten der nationalen Covid-19-Taskforce, erinnert an die Entwicklung vor einem Jahr. Damals gab es im September eine kurze Entspannung, bevor die zweite Welle überschwappte. Einige Bedingungen haben sich seither zwar deutlich verbessert. Insbesondere sind nun 62 Prozent der erwachsenen Bevölkerung doppelt geimpft.

Doch nun kommt die nächste Ferienzeit, saisonal wird es kälter, die Menschen ziehen sich wieder mehr in die Innenräume zurück, und die Delta-Variante ist ansteckender und aggressiver als das vor einem Jahr dominierende Sars-CoV-2. «Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Fälle wieder ansteigen werden», sagt Hurst in Bern. Ein genaues Szenario könne man aber unmöglich zeichnen, weil es zu viele Unwägbarkeiten gebe.

Die aktuelle Stagnation führt Hurst zum einen darauf zurück, dass nun die Krankheiten von Ferienrückkehrern überstanden seien. Jetzt sind die Fälle wieder hausgemacht durch unsere Aktivitäten in der Schweiz. «Trotz der fehlenden Reiserückkehrer ist die Zahl der Hospitalisationen aber auf etwa gleich hohem Niveau», bemerkt Hurst.

«Und wer jetzt nicht immunisiert wird, wird sich zweifelsfrei mit Delta anstecken», sagt die Bioethikerin. «Wir könnten 40'000 Hospitalisierungen vermeiden, wenn sich mehr Menschen impfen lassen würden», sagt Hurst. Die Impf-Entscheidung sei nicht nur eine individuelle, sondern eine kollektive, die unser Spitalsystem entlaste.

30'000 Impfungen pro Tag

Die Impfbewegung hat aber an Fahrt aufgenommen, wie Mathys sagt. Pro Tag werden in der Schweiz etwa 30'000 Impfungen vorgenommen. Eine dritte Impfung, eine sogenannte Booster-Impfung, wie sie in einigen Ländern bereits an vulnerable Personen verabreicht wird, empfiehlt das BAG aber noch nicht. Mathys kann auch keinen Zeitpunkt dafür nennen.

Auch noch nichts sagen kann das BAG zur 3-G-Zertifizierung in den Skigebieten, wie das Österreich gestern verkündet hat. «Wir wissen nicht, wie die Situation im Dezember ist, also kann man das nun auch nicht entscheiden», sagt Mathys.

Vage bleibt auch, wann eine Kinderimpfung in Frage kommt, nachdem Biontech/Pfizer eine solche für Kinder ab fünf Jahren angekündigt hat. «Das ist erst eine Ankündigung eines Pharmaunternehmens», sagt Hurst.

Allerdings fügt sie an, habe sie das vor einem Jahr auch gedacht. Und dann seien ihre Erwartungen übertroffen worden und eine sehr effiziente Impfung in kurzer Zeit realisiert worden.

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