Corona-Virus: Dieses Medikament schürt jetzt Hoffnungen

Ein Impfstoff gegen das neue Corona-Virus ist das Ziel der Forschenden rund um den Globus. Hoffnungen liegen beispielsweise auf einem Medikament, das auf der Suche nach einem Mittel gegen Ebola entwickelt wurde.

Patrick Toggweiler/watson.ch
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Schulter an Schulter beklatschen Menschen in Mumbai den Einsatz des medizinischen Personals. Sie erweisen ihm damit einen Bärendienst. (Bild: Keystone)

Schulter an Schulter beklatschen Menschen in Mumbai den Einsatz des medizinischen Personals. Sie erweisen ihm damit einen Bärendienst. (Bild: Keystone)

Weltweit suchen diverse wissenschaftliche Teams nach einem bereits existierenden Medikament, das neben seiner eigentlichen Bestimmung auch gegen die Erkrankung Covid-19 eingesetzt werden könnte. Auch die WHO hat ein Expertenteam zusammengestellt, welches vier mögliche Medikamente identifiziert hat, die zur Linderung des Krankheitsverlaufs bei Covid-19 beitragen könnten.

Die Idee dahinter ist einfach: Noch ist nicht klar, ob gegen das neue Coronavirus ein Impfstoff gefunden werden kann – und wenn, wie lange es dauern wird, bis dieser Impfstoff grossflächig eingesetzt werden kann. Optimisten sprechen von einer Zeitspanne von mindestens ein paar Monaten. Doch die Zeit drängt.

In einem brasilianischen Immunologie-Labor wird ein möglicher Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt. In den kommenden Monaten soll er an Tieren getestet werden. (Bild: Keystone)

In einem brasilianischen Immunologie-Labor wird ein möglicher Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt. In den kommenden Monaten soll er an Tieren getestet werden. (Bild: Keystone)

Deshalb käme es nur zu gelegen, wenn ein bereits existierendes und anerkanntes Medikament auch gegen Covid-19 eingesetzt werden könnte. Damit würde der Ausbruch der Erkrankung zwar nicht verhindert, der Grad des Krankheitsverlaufs könnte aber unter Umständen beeinflusst werden.

Der Ebola-Versager als Hoffnungsträger

Auf der Suche nach möglichen Medikamenten hat sich die Weltgesundheitsorganisation auf vier Kandidaten festgelegt:

  • Die Medikamentenkombination Lopinavir/Ritonavir, die gegen HIV eingesetzt wird.
  • Das Malaria-Medikament Chloroquin.
  • Das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin.
  • Remdesivir: Ein neues virenhemmendes Medikament, das erfolglos gegen Ebola eingesetzt wurde.

Gemäss dem Magazin «Science» seien erste Tests in China mit den HIV-Medikamenten nicht erfolgreich gewesen. Trotzdem hält die WHO an einer grossflächigen Studie fest.

Bereits vereinzelte Erfolge wurden mit Remdesivir erzielt. Laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA sei damit ein 79-jähriger Patient «echt» geheilt worden. Das berichtete der Leiter der Klinik für Infektionskrankheiten am Policlinico San Martino in Genua, Professor Matteo Bassetti.

In Kalifornien konnte eine todkranke Patientin nach der Behandlung mit Remdesivir das Spital verlassen.

Beim ersten Covid-19-Fall in den USA, einem 35-Jährigen aus Snohomish County im Bundesstaat Washington, wurde eine Verbesserung des Krankheitsverlaufs festfestellt, als ihm das Medikament intravenös verabreicht wurde. Auch er ist heute geheilt.

Das wissenschaftliche Hauptquartier von Gilead in Foster City, Kalifornien. Hier wurde Remdesivir entwickelt. (Bild: Keystone)

Das wissenschaftliche Hauptquartier von Gilead in Foster City, Kalifornien. Hier wurde Remdesivir entwickelt. (Bild: Keystone)

Remdesivir ist im Moment noch nicht für die Behandlung von Covid-19 zugelassen. Im Rahmen von Studien, Einzelfällen oder einer «Anwendung aus Mitgefühl» kann das Medikament aber eingesetzt werden.

Letzteres ist die Möglichkeit, bei besonders schweren Krankheitsfällen Medikamente in den Einsatz zu nehmen, die noch nicht zugelassen sind. Die Nachfrage dafür stieg in den letzten Tagen derart stark an, dass die Herstellerfirma Gilead den Zugang zum Experimentalmedikament erschweren musste. Der Grund sei, dass Remdesivir ursprünglich nur für den spezifischen Einsatz entwickelt worden sei – und nicht für eine flächendeckende Pandemie. Die Firma arbeitet nun daran, Bedingungen zu schaffen, die einen grossflächigeren Einsatz erlauben. Ein Problem dabei sind die fehlenden klinischen Tests. Den Zugang dazu will Gilead vereinfachen.

Schlüsse aus den bisherigen Fällen mit Remdesivir zu ziehen, wäre allerdings voreilig. Es handelt sich dabei um anekdotische Evidenz und um keine Studien. Die will die WHO nun möglichst grossflächig ansetzen.

Operation Solidarity

Unter dem Arbeitstitel Solidarity hat die WHO eine möglichst bürokratiearme Versuchsanlage eingerichtet, an der sich auch Spitäler beteiligen können, die von Patienten überrannt werden. So sollen schnell möglichst viele Daten gesammelt werden. Geschwindigkeit habe die höchste Priorität, sagt Ana Maria Henao-Restrepo von der WHO. Um schnell zu Resultaten zu kommen, verzichtet man auf eine sogenannte Doppelblind-Studie, welche auch Plazebo-Effekte aufdeckt.

Neben der WHO laufen momentan fünf grosse klinische Studien zu Remdesivir. Die ersten Resultate werden Anfang April erwartet.