Corona-Impfung
Mehr Nebenwirkungen nach der zweiten Dosis – Swissmedic analysiert Herzkranzentzündungen

Welcher mRNA-Impfstoff hat mehr Nebenwirkungen? Hier sehen Sie die Tabelle. Der Fokus der Heilmittelbehörde liegt allerdings nicht auf Kopfweh und Fieber – sondern bei den schwerwiegenderen Symptomen wie Herzkranzentzündungen.

Sabine Kuster
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So hoch ist das Fieber nach einer Impfung selten. Doch fast die Hälfte bekommt Schüttelfrost.

So hoch ist das Fieber nach einer Impfung selten. Doch fast die Hälfte bekommt Schüttelfrost.

Bild: Keystone

Jede zweite Woche macht die Heilmittelbehörde Swissmedic ein Update zu den gemeldete Nebenwirkungen nach Corona-Impfungen. Doch die Schweiz ist ein kleines Land und begann nicht als erstes mit Impfen. Seltene Nebenwirkungen, die nicht schon aus den Zulassungs­studien bekannt waren, wurden deshalb meist von anderen Ländern vermeldet. So die Blutgerinnsel in den Gehirnvenen von meist jungen Frauen nach der Verimpfung des Stoffes von Astra-/Zeneca – der in der Schweiz noch gar nicht zugelassen ist.

Dass es nach der Impfung mit Comirnaty von Biontech/Pfizer in sehr seltenen Fällen zu anaphylaktischen Schocks kommen kann, war Swissmedic schon zwei Wochen vor der Zulassung im Dezember aus England bekannt. Als Folge davon müssen alle Geimpften eine Viertelstunde im Impfzentrum bleiben zur Überwachung.

Die Meldungen von Gürtelrose nach Covid-19 Impfungen hat hingegen die Swissmedic inter­national zuerst zur Diskussion gestellt.

Herzmuskelentzündungen sind bei einer Infektion sehr viel häufiger

Ein Zusammenhang des Impfstoffs Comirnaty mit nachfolgenden Herzmuskelentzündungen brachte Israel ins Spiel. Darauf weist nun Swissmedic explizit hin – mit dem Ziel, dass das Ärztinnen und Ärzte bei einer Herzmuskelentzündung an einen möglichen Zusammenhang mit einer Impfung denken und Meldung erstatten.

In der Schweiz gab es bisher zwölf Meldungen zu Entzündungen am Herzmuskel oder -beutel, das ist rund eine pro 400'000 verimpften Dosen. Zum Vergleich: Bei Corona­infektionen kommt es zu einer in rund 50 Fällen vor.

Bei den Herzmuskelentzündungen als Impfnebenwirkung war die Mehrheit Männer (8) und Geimpfte mit Moderna (7). Die Beschwerden traten im Mittel neun Tage später auf. Die meisten zeigten einen milden Verlauf. Jedoch verstarb ein 67-jähriger Mann mit kardialen Vorerkrankungen und dialysepflichtiger Niereninsuffizienz. Laut Swissmedic-Mediensprecher Lukas Jaggi ist der Zusammenhang mit der Impfung aufgrund des komplexen Gesamtbildes der Erkrankungen des Mannes jedoch unklar.

Swissmedic entdeckte Fälle von Gürtelrose

Insgesamt wurden im Zusammenhang mit der Impfung 90 Todesfälle gemeldet. Einen gesicherten Zusammenhang mit der Impfung gebe es nach wie vor bei keinem, sagt Jaggi. Die Betroffenen waren im Durchschnitt 83,6 Jahre alt und hatten mehrheitlich schwere Vorerkrankungen.

Meldungen zu solch schweren Nebenwirkungen beachtet Swissmedic genau. Wie häufig aber milde Sym­ptome sind, dazu taugt das Schweizer Spontanmeldesystem nicht. Jaggi sagt: «Es geht um einzelne Meldungen, welche auf bisher unbekannte Risiken hindeuten.»

In solchen Fällen werden die genaueren Umstände beachtet: Bei Herzmuskelentzündungen auch das Alter, weil in Israel vor allem junge Männer betroffen waren. Gürtelrose tritt wiederum normalerweise vor allem bei älteren Frauen auf, nach Impfungen werden sie nun aber auch von jüngeren Personen gemeldet.

Die Bevölkerung beschäftigt sich stark mit den Impf-Nebenwirkungen. Das zeigt sich daran, dass über 15 Prozent aller Meldungen direkt von den Betroffenen bei Swissmedic eingehen und nicht via Arztpraxen oder Spitäler kommen. «Das ist aussergewöhnlich», sagt Jaggi. «Bei anderen Impfstoffen und Medikamenten haben wir nur rund fünf Prozent Direktmeldungen.»

Mehr oder weniger Meldungen – je nach Impfstoff

Von den bis Mitte Juni 6,1 Millionen verimpften Dosen gab es 2944 Meldungen, wovon 1043 als schwerwiegend eingestuft wurden. Zwar werden aktuell so viele Leute wie noch nie geimpft, doch die Meldungen nehmen laut Swissmedic eher ab. Pro 1000 Geimpfte trifft weniger als eine Meldung ein.

Ohnehin hat die Schweiz eine tiefere Melderate als andere Länder, was möglicherweise damit zu tun hat, dass der Impfstoff Astra/Zeneca hier noch nicht verimpft wird. Dieser hat nicht nur eine geringere Wirksamkeit, sondern verursacht auch mehr Nebenwirkungen.

Zwischen den beiden mRNA-Impfstoffen Moderna und Comirnaty von Biontech/Pfizer gibt es ebenfalls Nebenwirkungsunterschiede: Reaktionen um die Einstichstelle sind nach einer Moderna-Impfung generell etwas häufiger. Deutlicher wird der Unterschied, wenn man in der Zulassungsstudie die 1. und 2. Dosis vergleicht: Erst die zweite Moderna-Dosis macht durchschnittlich mehr Kopfweh und Fieber als die zweite von Comirnaty.

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