Bush-Satire im Kino

US-Filmstart «W.» Bush-Film läuft noch vor den Wahlen an

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Es geschieht nicht häufig, dass Hollywood einen Film über einen US-Präsidenten dreht, solange dieser noch im Amt ist. Oliver Stone hat alles darangesetzt, dass sein Streifen noch vor der Wahl am 4. November in die Kinos kommt. Und er hat es geschafft: Heute läuft «W.» über George W. Bush, den unpopulärsten Präsidenten der US-Geschichte, in den USA an. Kritiker hatten von Stone einen «Totalzerriss» erwartet, aufgeladen von Abneigung, ja Hass – stattdessen liefert der Bush-Gegner Stone eine Satire. Der Präsident, den das Amt überfordert, erscheint als Getriebener, beinahe als Opfer der Strippenzieher. «Die grösste Stärke des Films ist es, dass er darüber erzählt, was derzeit in unseren Köpfen umgeht und nicht auf die Historiker wartet», so der «Hollywood Reporter».

Josh Brolin als Bush junior

Natürlich ist der Streifen mit heisser Nadel gestrickt, präsentiert Altbekanntes, lässt kein Klischee aus. Zwischen zwei Erzählebenen pendelt der Film: Er zeigt die Vorbereitung zum Irak-Krieg im Frühling 2003 und den Weg des jungen Trunkenboldes aus Texas, der vom Präsidenten-Vater nicht ernst genommen wird. Bush, ein Ungeliebter, dessen höchstes Streben es ist, die Anerkennung des Vaters zu erhalten, der in Bagdad einmarschiert, «weil Papi es damals nicht geschafft hat». Etwas viel Amateurpsychologie, könnte man sagen. «Das ist mein Krieg, nicht seiner», schreit Bush junior (atemberaubend: Josh Brolin) über den Senior, der 1991 – mit Unterstützung der UNO – selbst gegen den Irak Krieg führte, doch über das Irak-Abenteuer seines Sohnes nur den Kopf schüttelt.

Am Ende ist das Fiasko nicht mehr zu leugnen: Der Junior tritt ins Oval Office, wie ein einziger Vorwurf sitzt der Senior am Schreibtisch – am Ende umtänzeln sich Vater und Sohn mit erhobenen Fäusten wie zwei Boxer. Filmisch ist das die stärkste Szene – aber erklärt sie das «Phänomen Bush»? «W.» sei ein «Rohentwurf für einen Film, der vielleicht in 10 oder 15 Jahren notwendig wäre», meint das Fachblatt «Variety». «Stone langweilt uns mit seinen trockenen Szenen im Doku-Stil zu Tode», moniert die «Los Angeles Times».

Mögliche Fehlkalkulation

Tatsächlich sind die Sitzungen mit dem Vizepräsidenten Dick Cheney (Richard Dreyfuss), Ex-Aussenminister Colin Powell (Jeffrey Wright) und Ex-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld (Scott Glenn) langatmig und brav geraten. Den ersten Reaktionen nach zu schliessen, war es womöglich eine Fehlkalkulation Stones, «W.» mitten im Präsidentschaftswahlkampf in die Kinos zu schicken. Schliesslich ist Bush bereits ein «Mann von gestern». Und angesichts der Finanzkrise haben die Menschen mittlerweile andere Sorgen als den Irak-Krieg. (sda)

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