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Rila-Kloster in Bulgarien fasziniert Pilger und Touristinnen

Das international bedeutende Rila-Kloster im Südwesten Bulgariens ist von aussen schroff und abweisend wie eine Festung. Hat man aber einmal den Innenhof betreten, eröffnet sich eine völlig neue Welt, fast heiter und verspielt.
Text und Bilder: Thomas Veser
Das Kloster Rila im Südwesten Bulgariens war einst ein Bollwerk gegen den Islam. (Bild: Getty)Das Kloster Rila im Südwesten Bulgariens war einst ein Bollwerk gegen den Islam. (Bild: Getty)
Wand- und Deckengemälde zeigen biblische Szenen.Wand- und Deckengemälde zeigen biblische Szenen.
Kaum eine kulturelle Stätte verkörpert die Identität der Bulgaren stärker als das Kloster von Rila.Kaum eine kulturelle Stätte verkörpert die Identität der Bulgaren stärker als das Kloster von Rila.
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Bulgariens nationales Juwel im Gebirge

«Wer das Kloster Rila nicht besucht hat, war nicht in Bulgarien» – das versichert zumindest die Mehrheit der Bulgaren. Die alte Redewendung beherzigend, begeben wir uns frühmorgens in den Reisebus, der von Sofia aus das Rila- Gebirge ansteuert. Dank EU-Zuschüssen ist die Hauptverkehrsstrasse gut ausgebaut. Bald zeichnen sich die oft mehr als 2000 Meter hohen, noch schneebedeckten Gipfel des südwestlich liegenden Gebirgsmassivs nahe der Grenze zu Nordmazedonien ab. Der Bus verlässt die Ausbaustrecke und schaukelt über eine Landstrasse gemächlich durch Dörfer, die seltsam menschenleer wirken. Über Serpentinen geht es dann immer höher in die wild-archaische Waldlandschaft des Rila-Gebirges.

Düster, wehrhaft und uneinnehmbar

Der Weg zum glänzendsten unter den vielen Klöstern Bulgariens wird zum Schluss doch noch etwas mühsam und verlangt in der Hochsaison den Besuchern auf den letzten Kilometern Geduld ab: Es ist höllisch viel Betrieb. Doch endlich zeichnet sich die Silhouette des höchstgelegenen Klosters in Südosteu­ropa ab. Ursprünglich im 10. Jahrhundert in einem langen und tief eingeschnittenen Tal auf fast 1200 Metern von dem Eremiten Iwan Rilski (heiliger Johannes vom Rila-Gebirge) gegründet, gilt das legendäre «Rilski Manastir» als Bulgariens wichtigste Schatzkammer der Malerei und Holzschnitzkunst. Von aussen lässt sich bestenfalls erahnen, was sich hinter kleinen Fenstern, die an Schiessscharten erinnern, verbirgt. Rila sieht aus wie eine Gebirgsfestung – düster, wehrhaft und uneinnehmbar. Genau diese Wirkung wollten ihre Erbauer erzielen. Die Osmanen hatten während der fast 500 Jahre dauernden Besetzung das abgelegene Kloster zwar nie angetastet.

Dennoch blieben der Klostergemeinschaft, die zu ihren Glanzzeiten Quellen zufolge von 300 Mönchen bewohnt war, Überfälle und Naturkatastrophen nicht erspart. Nachdem ein Grossbrand Rila 1833 in Schutt und Asche gelegt hatte, wurde es umfassend neu und grösser als zuvor erbaut – als orthodoxes und nationales Bollwerk gegen die muslimische Fremdherrschaft, auf deren Ende die Bulgaren damals noch etliche Jahrzehnte warten mussten.

Mit Teigkrapfen gestärkt in eine andere Welt

Vor den beiden Eingangstoren halten Verkäufer von Devotionalien ihre Ware feil. Sie bieten vornehmlich Kreuze, Ikonen und religiöse Literatur an. Ein paar Meter weiter riecht es verführerisch nach frischen Mekitzi – Teigkrapfen, die kurz in Öl gebacken und dann mit Puderzucker, Honig oder Konfitüre überzogen werden. Dieser süssen Versuchung zwischendurch können auch Maria Stankowa und Slawka Katrandzhiewa, die an diesem Tag von Sofia aus einen Ausflug ins Rila-Gebirge unternehmen, nicht widerstehen. So gestärkt, lassen sie den Trubel vor den Klostermauern rasch hinter sich und gelangen hinter dem Eingangstor in eine völlig andere Welt.

Eine besondere Energie

Nicht nur frühmorgens oder am späten Nachmittag, wenn sich hier nur wenige Besucher aufhalten, herrscht Stille. «Der Ort besitzt eine eigene Atmosphäre, eine bestimmte Energie, die dafür sorgt, dass man zur Ruhe kommt und die Zeit vergisst», bekräftigt Besucherin Maria, die als Übersetzerin arbeitet.

So wenig gastfreundlich sich das Kloster Rila von aussen gibt, so heiter und verspielt wirkt der gepflasterte Innenhof, gerahmt von mehrstöckigen, mit Erkern und Balkonen verzierten Wohnflügeln. Luftige Arkaden sowie verschieden hohe Bögen aus Stein und Holz gliedern die Fassaden. Je nach Tageszeit bieten bemalte Ziegel sowie weisse und schwarze Fassadenteile, Ornamente und Wandmalereien ein abwechslungs­reiches Spiel von Licht und Schatten. Bei jedem Besuch betrachtet Maria die im 19. Jahrhundert geschaffenen Wandmalereien und Fresken in und an der kuppelgekrönten Mariä-Geburtskirche. Sie zeigen biblische Szenen. Aber auch Persönlichkeiten des Zeitgeschehens wurden in kräftigen Farben verewigt. Selbst Szenen aus dem alltäglichen Leben der alten Bulgaren fanden dort Eingang.

Bestien im Fegefeuer, Wohlgerüche aus der Klosterküche

Nicht weniger beeindruckend wirken auch heute noch die Darstellungen von Fegefeuer und Hölle, bevölkert von furchterregenden Bestien und feuerspeienden Fabelwesen. Dieses Panop­tikum des Schreckens sollte die Folgen eines zügellosen Lebenswandels im Jenseits vor Augen führen.

Wohlgerüche aus der Klosterküche vermitteln den Betrachtern zur Mittagsstunde das beruhigende Gefühl, noch im Diesseits zu weilen. Die Kunstwerke symbolisieren die bulgarische «Wiedergeburt» im 19. Jahrhundert ebenso wie die umfangreichen Bestände der Klosterbibliothek, in der auch die Werke des bekannten Mönchs und Chronisten Paisij Hilendarski aus dem 18. Jahrhundert aufbewahrt werden. «Oh, du Uneinsichtiger und Schwachsinniger, weshalb schämst du dich, dich Bulgare zu nennen?», zitiert Maria den Mönch, der seinen zaudernden und von Selbstzweifeln verfolgten Zeitgenossen damals ins Gewissen redete. Das Kulturerbe, welches das Kloster Rila repräsentiert, «steht für die guten Abschnitte unserer Geschichte, ich verbinde das mit den positiven Seiten des bulgarischen Charakters», sagt sie.

Ausdruck der nationalen Identität

Die Mehrheit ihrer Landsleute sieht das wohl ähnlich. Keine kulturelle Stätte Bulgariens verkörpert für die Einheimischen stärker die bulgarische Identität als Rila, das während der kommunistischen Zeit als «nationaler Kulturkomplex» firmierte. Zu Beginn der 1960er-Jahre hatte die Regierung das Kloster verstaatlicht und die Mönche auf andere Klöster verteilt. Gottesdienste waren untersagt. Mit der Aufnahme in die Welterbeliste hat die Unesco 1983 dem Gebirgskloster universellen Wert bescheinigt, und sechs Jahre darauf bekam die orthodoxe Kirche Rila zurück.

Seither hat sich das Kloster wieder spürbar in einen Ort der Spiritualität zurückverwandelt. Allerdings nahm, wie auch in anderen Klöstern, die Zahl der Mönche dramatisch ab. «Man sieht jedoch, wie sie aktiv auf die Besucher zugehen, das Gespräch suchen», berichtet die Englischlehrerin Slawka. Viele Bulgaren haben ihrer Erfahrung nach zur Religiosität zurückgefunden. «In Rila finden sie mit ihren Anliegen und Pro­blemen Beistand oder wenigstens Trost», fügt sie hinzu. Als Studentin der Universität in der benachbarten Stadt Blagoevgrad zog es Slawka bei ihrem ersten Besuch im Kloster geradezu magisch zur Grotte, in der der Heilige Iwan Rilski gelebt haben soll, der erste bulgarische Einsiedler und der Gründer des Rila-Klosters. «Dort jahrelang völlig alleine zu leben, diese Entscheidung hat er völlig selbstständig getroffen, niemand hat ihn dazu gezwungen – das finde ich bewundernswert.»

Wenn man durch einen schmalen Durchlass in sein Wohnquartier gelangt, «sieht man zwar nichts, was auf eine Wohnstätte schliessen lässt, kann sich aber gut vorstellen, wie abgeschieden und spartanisch der Heilige gelebt hat», meint sie. Ein Spaziergang zur Klause mitten in einem nach Harz und Pilzen duftenden Wald gehört für die meisten Klosterbesucher zum Pflichtprogramm. Dann schöpfen sie Gebirgswasser aus einem Brunnen, an dem der Überlieferung nach schon der Heilige seinen Durst gestillt hatte.

Wer kein Picknick mitbringt, findet in der Umgebung eine Auswahl einfacher Restaurants. In keinem fehlen die beliebten Salate und Grillspezialitäten, die mit Gewürzen verfeinert werden. Und selbst sommerliche Regengüsse, die in diesen Höhenlagen nicht selten sind, können der Stimmung der Besucher keinen Abbruch tun. In feine Wolkenschleier gehüllt, wirkt Rila an solchen Tagen wie ein zwischen Himmel und Erde schwebendes Trugbild.

Reisetipps: Vom Thermalbad zu den Hochgebirgsseen

Anreise: Es gibt täglich von Sofia aus
Linienbusse zum Kloster. Wer selbst fährt, nimmt auf der Autobahn die Ausfahrt Kocherinovo und folgt den Schildern bis zum Kloster. Dort kann man auch übernachten: Telefon 00359 896 87 20 10, Mo bis Fr, 15 bis 19 Uhr.
Hotel: Nahe der Stadt Dupnitsa liegt der Thermalkurort Sapareva Banya. Das ­Spa-Hotel Sapareva Banya Aparthotel bietet Doppelzimmer mit Frühstück ab
50 Franken.
Tipps: Wenige Kilometer von Sapareva Banya führt eine Seilbahn zu den sieben Rila-Hochgebirgsseen, von wo aus verschiedene Wanderrouten beginnen.
Blagoevgrad besitzt eine sehenswerte Altstadt namens Varosha.

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