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«Bücher, die man braucht»

Niggli Verlag Der heute in Sulgen beheimatete Verlag für Architektur, Design und Kunst ist 60 Jahre alt. Ein Gespräch mit Verlagsleiter Christoph Bürkle über schöne Bücher und deren unsichere Zukunft. Peter Surber
Niggli-Bücher aus sechs Jahrzehnten, versammelt in der neugestalteten Cafeteria in Sulgen: leicht vergilbt Karl Gerstner, der auch das Niggli-Logo geschaffen hat, sowie weitere Klassiker der Typographie; Architektur von Gaudí bis Gmür, Kunst mit Giacometti und der von Verlagsgründer Arthur Niggli selbst gestalteten Dada-Monographie – sowie «Swissness» über die 50 Besten im Schweizer Design. (Bild: Urs Jaudas)

Niggli-Bücher aus sechs Jahrzehnten, versammelt in der neugestalteten Cafeteria in Sulgen: leicht vergilbt Karl Gerstner, der auch das Niggli-Logo geschaffen hat, sowie weitere Klassiker der Typographie; Architektur von Gaudí bis Gmür, Kunst mit Giacometti und der von Verlagsgründer Arthur Niggli selbst gestalteten Dada-Monographie – sowie «Swissness» über die 50 Besten im Schweizer Design. (Bild: Urs Jaudas)

Das jüngste Niggli-Kind ist ein Brocken von einem Buch, schwer, bilderreich, opulent gestaltet. Thema sind die Zürcher Architekten Holzer Kobler und deren Ausstellungsarchitekturen (unter anderem für das Landesmuseum Zürich). Der Titel des Prachtsbands: «Mise en Scène». Heute wird er in Zürich vorgestellt, an der Feier zum 60-Jahr-Jubiläum des Ostschweizer Traditionsverlags.

Herr Bürkle, seit 60 Jahren setzt der Niggli Verlag Bücher «in Szene». Davon, vom «Wie» später, zuerst das «Was»: Was für Bücher macht Niggli?

Christoph Bürkle: Unsere Bücher kommen aus den vier klassischen Disziplinen der Gestaltung, wie sie schon im Bauhaus definiert worden sind: Architektur, Design und visuelle Kommunikation, Typographie sowie Kunst. «Mise en Scène» vereinigt gleich mehrere dieser Themen.

Die Erinnerung an das Bauhaus klingt auch nach einer Verbeugung vor dem Verlagsgründer?

Bürkle: Ja. In Teufen hatte Arthur Niggli ab 1950 Klassiker der Typographie publiziert, Architekten wie Walter Gropius oder Le Corbusier vorgestellt, 1954 die erste deutschsprachige Monographie über Paul Klee oder 1958 den Band «DADA – Monographie einer Bewegung» herausgebracht.

Zum heutigen Niggli-Programm gehören ebenfalls Klassiker der Gestaltung wie «Raster Systeme» von Josef Müller-Brockmann, ein Buch, das seit dreissig Jahren als Lehrbuch dient, oder der Farbkalender von Moritz Zwimpfer.

Das ist ein Programm für Spezialisten. Wie kommt man damit als Verlag über die Runden?

Bürkle: Wir kommen gut über die Runden. Zum einen: Wir haben ein zwar spezialisiertes, aber sehr interessiertes und treues Publikum. Und zum andern versuchen wir Bücher zu machen, die die Moden überdauern.

Wir können nicht wie bei Romanen auf Bestseller setzen – dafür sind wir auch weniger krisenanfällig. Denken Sie an den bereits wieder abflauenden Boom von Esoterik- und Wohlfühlbüchern oder an den Run auf Kochbücher – plötzlich ist der Boom dann wieder vorbei.

Ihre Bücher sind haltbarer?

Bürkle: Niggli ist gegenläufig. Ein Titel muss nicht nach wenigen Monaten amortisiert sein wie sonst im Bestsellergeschäft. Und wir bilden uns ein, Bücher so zu machen, dass man sie braucht.

Die regionale Verankerung reicht da allerdings nicht aus; zwei Drittel der Niggli-Bücher gehen ins deutschsprachige Ausland. Zudem sind zahlreiche Titel zweisprachig deutsch-englisch. Die Schweiz wäre als Markt zu klein. Denn ein Buch braucht Auflage.

Wie viel?

Bürkle: Das kann man einfach rechnen. Von einem angenommenen Verkaufspreis von 50 Franken pro Buch bleibt dem Verlag rund die Hälfte.

Bei einer Auflage von 1000 Exemplaren sind das 25000 Franken – in der Regel zu wenig, um alle Autoren- und Herstellungskosten bezahlen zu können. Bei grösseren Büchern gilt daher eine Auflage von 3000 Exemplaren als Richtschnur. Allgemein gesagt: Zu kleine Auflagen und zu hohe Kosten – unter dieser Schere leiden in der Schweiz alle Sachbuchverlage.

Neuerdings gibt es Verlagsprämien des Bundes. Was halten Sie davon?

Bürkle: Nicht viel. Denn wie soll man beurteilen, was ein guter oder weniger guter Verlag ist? Sinnvoller sind Vertriebs- oder Druckkostenbeiträge an einzelne Buchprojekte, etwa von Pro Helvetia oder anderen Stiftungen. Das funktioniert in der Schweiz gut. An Architekturbücher tragen zudem die jeweiligen Büros mit Plänen, Bildern oder Texten ihren Teil bei. Und schliesslich profitieren wir davon, dass Verlag und Druckerei Heer zusammengehören.

Das Know-how für Typographie und Druck ist im Haus. Und das macht wirklich Spass: Bücher mit besonderer Ausstattung zu gestalten. Der Verlag hat dafür auch schon zahlreiche Preise im Wettbewerb der schönsten Bücher gewonnen.

Was ist ein schönes Buch? Christoph Bürkle überlegt länger. Dann holt er einige Titel aus dem Schauregal. «Raumdenken» der österreichischen Architektin Irmgard Frank: bis zu Papier und Satzspiegel ein perfekt durchgestaltetes Buch. Oder ähnlich aufwendig: der Essayband «Wir wohnen».

Und daneben das Büchlein, dessen Erfolg Bürkle besonders freut: «Ulrich Müther. Schalenbauten» von Rahel Lämmler und Michael Wagner, das den Preis des Deutschen Architekturmuseums gewonnen hat. Wegen seines Inhalts, wegen der Erinnerungsarbeit an ein Stück Baugeschichte, die zuvor fast in Vergessenheit geraten war, sagt Bürkle.

Einmal ganz einfach, ein andermal sehr aufwendig gestaltet: Beides kann «schön» sein. Und überzeugt dann am meisten, ergänzt Kirstin Meditz, die Pressefrau des Verlags, «wenn der Spagat zwischen Inhalt und Form gelingt. Wenn man ein Buch gern in der Hand hält.» Allerdings: Werden wir denn in Zukunft überhaupt noch Bücher in der Hand halten?

Bedrohen das Internet und das E-Book nicht auch und gerade die «schönen» Bücher? Wie sieht der Verleger die Zukunft?

Bürkle: Was sich stark verändern wird, sind einmal die Vertriebswege.

Die Leute vergleichen Preisdifferenzen und bestellen übers Internet, das ist viel transparenter geworden und schneller. Ebenfalls sicher ist, dass das E-Book sich immer mehr verbreitet – aber die Folgen kennt noch niemand. Aus verlegerischer Sicht ist es erstmal egal, ob ein Buch elektronisch oder gedruckt gelesen wird – der Träger des Mediums ist bloss ein anderer.

Bedrohlich daran könnte aber sein, dass das Buch als sinnliches Objekt verschwindet. Und dass auch die Glaubwürdigkeit der Inhalte leidet in der Flut der elektronischen Publikationen.

Bürkle: Das sind berechtigte Bedenken, aber ich sehe es realistisch: Das E-Book kommt, das lässt sich nicht aufhalten. Nur wird man dafür noch viel Aufwand betrieben müssen, und das ist es, was mir Sorge macht: dass die Leute sich vorstellen, alles sei ganz einfach auf Knopfdruck zu haben. Und möglichst kostenlos.

Die Zukunft des Buchs wird sich auch an seinem Preis entscheiden. Dabei sind Bücher ja eigentlich heute schon viel zu billig, jedenfalls anspruchsvoll und qualitätvoll gestaltete Bücher.

Christoph Bürkle Verlagsleiter Niggli Verlag Sulgen (Bild: Quelle)

Christoph Bürkle Verlagsleiter Niggli Verlag Sulgen (Bild: Quelle)

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