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Bootsmenschen

Seesicht Langenargen beherbergt einen der grössten Sportbootshäfen am Bodensee. Der Hafenmeister verrichtet Arbeiten wie ein Hausmeister, ein langjähriger Bootsplatzmieter springt abends in die Bresche. Man hilft sich, wo man kann – schaut aber ganz genau hin, wenn die anderen einfahren. Diana Bula
Der Hafen in Langenargen. (Bild: dbu)

Der Hafen in Langenargen. (Bild: dbu)

Wer mit dem Auto nach Langenargen anreist, beneidet die Segler und Bootsleute auf dem See: Sie haben freie Fahrt, müssen sich nicht durch Abgaswolken und Verkehrsknoten zwängen. Im Internet wirbt die württembergische Gemeinde mit ihrem «mediterranen Ambiente». Und tatsächlich fühlt man sich wie in den Ferien. Nicht nur, weil die Strassen nach Narzissen, Krokussen und Anemonen benannt sind. Oder Noli, eine Ortschaft am Ligurischen Meer, zu den Partnerstädten Langenargens zählt.

Auch der Hafen trägt zu diesem Ambiente bei. Er liegt in Form von mehreren Becken zwischen vielen Bäumen. Die Menschen, die hier verkehren, tragen auffällig oft helle Hosen und gestreifte Oberteile – und halten sich somit an den inoffiziellen Dresscode von Seglern und anderen Bootsbesitzern, den man zum Beispiel von den Häfen am Mittelmeer kennt.

Die Giganten am See

Auf den ersten Blick scheint die Anlage nicht riesig, doch das trügt: Beim BMK Yachthafen handelt es sich um einen der grössten Sportbootshäfen am Bodensee, wie Verwalterin Angela Mesmer sagt. Noch grösser ist Ultramarin, eine Hafenanlage mit über 1400 Liegeplätzen. Sie grenzt unmittelbar an jene von Langenargen an, liegt jedoch bereits auf Kressbronner Boden.

Rund 800 Booten gewährt der BMK Yachthafen Platz. Auf einer so weitläufigen Anlage fällt viel Arbeit an. Zu viel Arbeit für einen Hafenmeister, genug für zwei. Der 37jährige Wolfgang Müller repariert soeben die Slip-Anlage. An der automatischen Seilwinde gelangen Boote ins Wasser, die an Land aufgebockt sind und nicht im Becken liegen. «Die Maschine liest die Magnetkarten nicht mehr, mit denen sie sich bedienen lässt», erklärt Müller. Er löst elektrische Drähte, zwirbelt ihre Enden neu und führt sie wieder zusammen. Ein Techniker gibt Anweisungen übers Telefon. Rasen mähen, Hecken schneiden, die Stege unterhalten, Abfall einsammeln: Diese Arbeiten prägen den Alltag von Müller. «Wäre der Hafen ein Haus, wäre ich Hausmeister», sagt er.

Wellensittich als Kumpan

In der Hochsaison laufen täglich 30 bis 40 auswärtige Boote in Langenargen ein. 13 Euro kostet die Übernachtungsgebühr. Das Geld stecken die Gäste mit dem Anmeldeformular in ein Couvert und werfen es in den Briefkasten vor dem Büro des Hafenmeisters. Per Code erhalten sie Zutritt zu Toiletten und Duschen, zum Spülbecken, zu der Fäkalien-Entsorgungsstation, zu Waschmaschine und Tumbler. «Wie beim Campen», sagt Müller. Um 17 Uhr fährt der Hafenmeister üblicherweise nach Hause. Wer danach noch Fragen hat, bekommt dennoch Antworten. Vom Schiffsnachbarn beispielsweise.

Und da ist auch noch Manfred Bluck. Der 77jährige Mann aus Karlsruhe kennt den BMK Yachthafen wie seine eigene Westentasche. Seit vierzig Jahren segelt der Deutsche auf dem Bodensee, seit 28 Jahren liegt sein Schiff in Langenargen. Mehrere Monate lebt der Pensionär jeweils auf seinem Boot, diesmal bleibt er bis Ende September. Bluck hat seinen Wellensittich mit an Bord. Ebenfalls einen Fernseher. Obwohl der Hafen mit dem «Schuppen 13» ein gediegenes Esslokal bietet, bevorzugt der Deutsche ein chinesisches Fertiggericht vom Kocher – angereichert mit frischen Zwiebeln und Knoblauch. «Am Segeln und an diesem Hafen mag ich die Ruhe», sagt er. Den Trubel, den brauche er nicht.

«Kinder geniessen Nähe»

Die Abendluft ist lau. Bluck hat jedoch eine Vorliebe für Regen. «Wenn die Tropfen auf das Dach der Kajüte prasseln, dann ist die Welt in Ordnung», meint er und steigt auf sein Schiff.

Ein paar Meter weiter spazieren Guido und Rebecca Eilinger mit ihren Kindern über den Steg. Die Familie aus Goldach verbringt ein verlängertes Wochenende auf ihrem Segelboot. Der 42jährige Ostschweizer schwärmt von der Stille auf dem See, von dem Blick auf den Säntis, der sich am Horizont abzeichnet, und beschreibt die Windverhältnisse, die sich schnell ändern können: «Von nichts auf intensiv.» Auch Sohn Marc und Tochter Stephanie würden die Tage auf dem Wasser geniessen. «Zu Hause verteilen wir uns im Einfamilienhaus, auf dem Schiff leben wir auf engstem Raum. Diese Nähe geniessen die Kinder», sagt Rebecca Eilinger.

Ein Bad im See statt Apéro

Im Hafen angelangt, wünschen die Kinder ein Programm. Sie wollen baden oder auf den Spielplatz gehen. Und während das Ehepaar sich nach der Ankunft überlegt, was es mit dem Nachwuchs unternimmt, setzen sich andere erst einmal gemütlich hin und genehmigen sich einen Drink. So auch Beatrix Schwarz und Caroline Häfner aus Ulm. Die beiden Frauen stehen geduckt in der Kajüte, nippen an ihren Prosecco-Gläsern, reden, kichern und bereiten Salate zu. Oft sind die beiden Seglerinnen mit ihren Männern auf dem Mittelmeer unterwegs, nächstes Jahr geht es nach Tahiti. «Für ein verlängertes Wochenende tut es aber auch der Bodensee», sagt Schwarz. Häfner ergänzt: «Sobald ich auf dem Boot bin, ziehe ich die Schuhe aus. Barfuss zu sein und den Wind in den Haaren spüren, das bedeutet für mich Freiheit. Dieses Gefühl stellt sich auch hier, auf dem See, ein.» Nur leider seien die Windverhältnisse viel unbeständiger als auf dem Meer. Wenige Minuten nach dem ersten gewechselten Wort bieten die beiden der Besucherin einen Drink an – Seefrauen und Seemänner geben sich untereinander kollegial. Meistens.

Denn manchmal gibt es sie dennoch, die skeptischen Blicke. Beispielsweise wenn ein Boot in den Hafen einfährt. Wie stellt sich der Skipper an? Beherrscht er alle Kniffe? «Es menschelt überall. Auch in unserem Hafen», sagt Hafenmeister Müller und zieht abermals einen Vergleich zum Campen: «Dort positionieren auch alle ihre Stühle so, dass sie die Neuankömmlinge beim Zeltaufstellen beobachten können.»

Ende gut, alles gut

Es dunkelt ein. Auf den Wasserwegen im Hafen herrscht nun kein Verkehr mehr. Menschen klettern von ihren Booten, schlendern – adrett gekleidet – ins Restaurant. Oder sie steigen aufs Velo und fahren ins Städtchen. Aus manchen Schiffen ertönt Lachen, das Klappern von Tellern, das Klirren von Gläsern. Friedlich liegt der Hafen in der Abenddämmerung. Und auf dem Gesicht von Hafenmeister Wolfgang Müller zeichnet sich ein Lächeln ab: «Das ist die schönste Zeit des Tages. Alle sind zufrieden.»

Hafenidylle in Langenargen: Schiffe schaukeln in der Abendsonne.

Hafenidylle in Langenargen: Schiffe schaukeln in der Abendsonne.

Einlaufen, bevor es dunkel wird.

Einlaufen, bevor es dunkel wird.

Kochen auf dem Schiff: Beatrix Schwarz und Caroline Häfner. (Bilder: dbu)

Kochen auf dem Schiff: Beatrix Schwarz und Caroline Häfner. (Bilder: dbu)

Familie Eilinger auf Wochenendausflug.

Familie Eilinger auf Wochenendausflug.

Hafenmeister (r.) mit Dauergast.

Hafenmeister (r.) mit Dauergast.

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