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Birkenstock: Stil oder Sünde?

Kein Schuh scheidet die Geister im Sommer mehr als die bekannten Gesundheitslatschen, die gemäss Modekennern durchaus gesellschaftsfähig sind.
Gehören zu den Verkaufsschlagern und werden gerne kopiert: die Birkenstock-Modelle «Arizona» und «Madrid» mit zwei beziehungsweise einer Schnalle. (Bild: Getty)

Gehören zu den Verkaufsschlagern und werden gerne kopiert: die Birkenstock-Modelle «Arizona» und «Madrid» mit zwei beziehungsweise einer Schnalle. (Bild: Getty)

Den meisten sind sie seit Jahrzehnten als Hauschuhe bekannt, andere haben sie erst diesen oder letzten Sommer als bequeme und stilsichere Sandalen entdeckt: Die Slide-ons der Marke Birkenstock, die in der Schuhindustrie inzwischen unzählige Nachahmer gefunden haben. Die Firmengeschichte des deutschen Unternehmens mit jährlich 114 Millionen Euro Umsatz geht bis ins 18. Jahrhundert zurück, als die Schuhmacherdynastie erstmals erwähnt wurde. Um 1896 begann Konrad Birkenstock, in Frankfurt am Main Fussbetteinlagen herzustellen. Ein Vorläufer des heutigen Fussbetts, das sich der Anatomie des Trägers anpassen soll.

Hippies und Ärzte

Der Enkel Konrad Birkenstocks, Carl Birkenstock, entwickelte die flexible Korkeinlage weiter und fertigte daraus die feste Innensohle der Schuhe. Mitte der 1960er kam das – bis heute wenig veränderte – Modell «Madrid» auf den Markt und legte den Grundstein für das Wachstum. Anklang fand das praktische Schuhwerk mit Gummisohle in den 1970er-Jahren vor allem in Gesundheitsberufen. Auch die Hippie-Bewegung in den USA entdeckte die Sandalen für sich. Mit den Modellen «Arizona» und «Boston» folgten die bis heute bestverkauften Birkenstock-Sandalen.

Gesundheitslatschen «en vogue»

Wie aber ist es Birkenstock, dem alten Hasen im Schuhgeschäft, gelungen, die Produkte unter Influencern und Modekennern vom Haus- oder Ärzteschuh-Image zu befreien? Verantwortlich war gemäss der deutschen «Vogue» keine hauseigene Kampagne des Unternehmens mit heutigem Sitz in Rheinland-Pfalz, sondern High-End-Labels wie Céline oder Givenchy, die 2013 Models in sehr ähnlichen Slide-on-Sandalen über den Laufsteg haben schreiten lassen. Davon profitierte das Original, die Verkaufszahlen sind weltweit stark gestiegen. Das Modemagazin schätzt, dass die Treter durchaus noch ein paar Sommer überdauern dürften, denn: «Birkenstocks bieten einen gekonnten Stilbruch zu lässig-schicken Outfits.» Was bleibt, ist also eine Frage des Geschmackes. (seh)


Pro: Die Heilandsandale, die uns Erlösung brachte

Sereina Hess, Redaktorin (Bild: Urs Bucher)

Sereina Hess, Redaktorin (Bild: Urs Bucher)

Birkenstock-Sandalen gehören zum Sommer wie Bikini und Badetuch. Gründe dafür gibt es genug. Erstens: Sie sind bequem. Zweitens: Sie sind bequem. Drittens: Sie sind bequem. Eine ­Geschichte für alle Schlappenjünger, die ihre Liebe zur Latsche erst kürzlich entdeckt haben.

Nur über meine Leiche. Es ist kein Jahr her, da wählte ich diesen Satz in Zusammenhang mit den bekannten Ökoschlappen, als sie in einem Magazin als Must-have bezeichnet wurden. Nicht für die heimische Stube, nicht für den Garten, nicht für die Badi, sondern tatsächlich für den Alltag. Bis dahin erinnerten mich die Sandalen mit ergonomischem Fussbett vor allem ans Schuhwerk meines Sonntags­schullehrers.

Auf einmal aber tauchten die Latschen überall auf. Sie zierten sorgfältig pedikürte Blogger-Füsse auf Instagram. Sie landeten in jedem noch so kleinen Schuhgeschäft in knalligen Farben im Schaufenster. Und sie glitzerten in Metallic-Design sogar an den Füssen der Kollegin – im Büro!

Aus den wahlweise braunen, weissen oder schwarzen Jesus-Sandalen sind hippe Treter geworden. Zumindest verkünden das die Modeprediger seit ein paar Sommern. Und es ist wie mit Glaubenssätzen: Je öfter man sie hört, desto eher ist man geneigt, sie zu verinnerlichen.

Mit den Birkenstock-Finken verhält es sich so: Hat man in einem Moment der Schwäche tatsächlich alle Vorbehalte abgelegt, sich heimlich ein Paket bestellt oder ist in ein Geschäft spaziert und zaghaft in eine dieser Schlappen geschlüpft, ist die Mission der Anhänger vollbracht. Bekehrte werden nie wieder von den Finken des Alltags ablassen, nicht einmal im Ausgang. Gäbe es ein Birkenstock-Modell in Stiefelform, vermutlich watschelten sie sogar in den Wintermonaten darin herum.

Denn zugegeben, einen anmutigen Gang wie Riemchensandaletten mit Absatz versprechen die Slide-ons nicht. Anmutiger als in durchgetretenen Kunststoff-Flip-Flops ist er aber allemal. Solange sie also nicht mit Socken kombiniert werden, bleiben Birkenstocks an jedem heissen Sommertag vor allem eines: die Heilsverkündung für jahrelang geschundene Füsse.


Contra: Sie sind unästhetisch und klobig – und schimpfen sich Sandalen

Livia Grob, Praktikantin (Bild: Urs Bucher)

Livia Grob, Praktikantin (Bild: Urs Bucher)

Im Büro, beim Schlendern in der Stadt und sogar im Ausgang sieht man sie. Was an Gesundheitsschuhe der Grosseltern oder Finken aus der Primarschule erinnert, ist heute stylish und in: Birkenstock-­Sandalen.

Einige renommierte Modelabels haben eines Tages beschlossen, die hässlichen Finken der 90er-Jahren wieder aufleben zu lassen. Damit wandelte sich das Image der Birkenstocks von praktischen Gesundheitslatschen zum It-Piece. Zuerst waren sie nur auf dem Laufsteg und bei Berühmtheiten präsent, bald darauf folgten natürlich auch die Massen.

Heute sieht man die unästhetischen und klobigen Finken überall und in Kombination mit allem: zu schicken Outfits im Ausgang, als Badelatschen oder im Büro, kombiniert mit Kleidung jeglicher Art. Doch wo Designer mit den Finken einen gekonnten Stilbruch erzeugen, sehen viele Normalsterbliche aus, als hätten sie vergessen, sich vollständig anzuziehen. Eine Kombination mit lockeren Kleidern, luftigen Hosen, grossen T-Shirts oder einem lockeren Dutt machen den Pyjama-Look komplett.

Zusätzlich erschweren die verschiedenen Modelle der Birkenstocks stimmige Outfits – sie sind nämlich alle auch in den unmöglichsten Farben erhältlich. Es genügt nicht mehr, zum schicken Kleid Gesundheitslatschen zu tragen. Nein, man muss den Vogel mit Sandalen in grellen Neonfarben abschiessen. Über Geschmack lässt sich zwar bekanntlich nicht streiten. Doch wehe dem, der sich zu laut über Birkenstocks auslässt. Als Modebanause beschimpft, wird man darüber aufgeklärt, dass sogar die «Vogue» die Sandalen nur in den höchsten Tönen lobe. Viele Models würden sie ebenfalls tragen, was natürlich rechtfertigt, im Büro im «Gerade aufgestanden»-Look aufzutauchen. Denn laut «Vogue» ist es schliesslich modisch, die Kollegen dem eigenen Fussschweiss auszusetzen.

Eines muss man Birkenstock aber doch lassen: Ihr Fussbett ist wirklich bequem – wie es von Gesundheitsschuhen erwartet wird. Und solange im Ausgang niemand jammert, wenn man ihm auf die Zehen tritt, und man bei der Arbeit nicht mit stinkenden Füssen und ungeschnittenen Zehennägel konfrontiert wird, lautet die Devise: Augen zu und durch. Denn jeder Modetrend findet irgendwann sein Ende.

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