Landwirtschaft
Bio-Zwiebeln sind doch gesünder als herkömmliche

Biologisch angebaute Zwiebeln enthalten bis zu 20 Prozent mehr gesunde Stoffe. Das zeigen neuste Forschungsergebnisse.

Sabine Kuster
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Zwiebel ist nicht gleich Bio-Zwiebel: Das haben irische Wissenschafter jüngst herausgefunden. Das Bild stammt vom Oensinger Zibelimäret 2015.

Zwiebel ist nicht gleich Bio-Zwiebel: Das haben irische Wissenschafter jüngst herausgefunden. Das Bild stammt vom Oensinger Zibelimäret 2015.

Bruno Kissling

Seit Syngenta-Chef Erik Frywald gegenüber der «Nordwestschweiz» behauptet hat, Bio-Produkte seien nicht gesünder als andere Produkte, versuchen Bio-Produzenten mit Studien dagegenzuhalten.

Zum Beispiel mit einer Studie mit kalifornischen Tomaten von 2007, die zeigte, dass die biologischen Exemplare deutlich mehr Flavonoide enthalten. Das sind jene Stoffe, die zum Beispiel in der Apfelschale konzentriert vorkommen und wegen der antioxidativen Wirkung die menschliche Gesundheit positiv beeinflussen. Sie hemmen Enzyme, schützen Gefässe und wirken bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Diesen Befund stützt nun eine neue Studie, welche irische Forscher im Fachjournal der American Chemical Society publiziert haben. Während sechs Jahren verglichen sie die Flavonoide von Zwiebeln der Sorte «Red Baron» und «Hyskin». Es zeigte sich als Erstes, dass das Wetter einen grossen Einfluss auf das Flavonoid-Vorkommen hat – egal, ob die Zwiebeln biologisch oder herkömmlich angebaut wurden. In Jahren mit höheren Temperaturen und weniger Regen enthielten die Zwiebeln mehr dieser Stoffe als in kalt-nassen Jahren. Unter Berücksichtigung des Faktors Wetter stellten sie dann fest: In beiden Zwiebel-Sorten waren bis zu 20 Prozent mehr Flavonoide enthalten, speziell an Quercetin, wenn sie biologisch angebaut wurden.

Bis zu 60 Prozent mehr Antioxidantien

Eine Auswertung von 343 Studien unter der Leitung der Universität Newcastle hat 2014 sogar ergeben, dass der Gehalt an wichtigen Antioxidantien in biologisch angebauten Nutzpflanzen bis zu 60 Prozent höher sei. An dieser Auswertung war das Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) beteiligt. Immer wieder erscheinen aber auch Studien, die besagen, dies könne nicht nachgewiesen werden. Ob Bio-Produkte gesünder sind oder nicht, ist für die künftige Entwicklung der Branche wichtig: Denn die Konsumenten kaufen die oft doppelt so teuren Produkte nicht nur, bloss weil der biologische Landbau der Natur weniger schadet – sie wollen auch einen direkten Nutzen für ihre eigene Gesundheit.

Das weiss FiBL-Direktor Urs Niggli. Er sagt: «Es gibt keine Studie, die zeigt, dass man mit Bio-Produkten länger lebt. Wer viel Gemüse und Früchte isst nimmt auch mit den herkömmlichen Produkten genug Flavonoide zu sich.» Aber dass Bio-Äpfel 50 Prozent mehr Flavonoide enthielten als die herkömmlichen, sei relevant, wenn Kinder nicht gerne Äpfel essen würden.

Relevanter könnte sein, was in Bio-Produkten nicht drin ist. «Bio-Gemüse und Früchte enthalten praktisch keine Pestizidrückstände», sagt Niggli. Sicher ist: Bio-Produkte sind manchmal durch benachbarte Felder kontaminiert. Sie überschreiten aber sehr selten die Grenzwerte für Pestizide und laut dem Ökomonitoring von Baden-Württemberg 2016 enthalten 65 Prozent des frischen Bio-Obstes und -Gemüse gar keine Pestizidrückstände. Dagegen gibt es nur in 8 Prozent der herkömmlichen Produkte keine Rückstände.