Bestellen und abheben

Versandhaus Der Traum vom fliegenden Auto ist plötzlich zum Greifen nah. Er hat sogar schon einen Preis und eine Bestellnummer.

Katja Fischer
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Der Pal-V ist zwar erst ein Prototyp, man kann ihn aber trotzdem schon mal per Katalog bestellen.

Der Pal-V ist zwar erst ein Prototyp, man kann ihn aber trotzdem schon mal per Katalog bestellen.

Seite 72, Hüftjeans, 250 Franken. Seite 73, fliegendes Auto Pal-V, 399 000 Franken.

Sie lesen richtig, der Traum vom fliegenden Auto hat eine Bestellnummer und einen happigen Preis. In der aktuellen Schweizer Ausgabe des deutschen Versandhauskatalogs Conley's taucht unvermittelt ein dreirädriges, fliegendes Auto auf.

Die geneigte Kundin, der geneigte Kunde stutzt und liest, dass das aerodynamische Fahrzeug so bequem sei wie ein Luxusauto und dass Flügelblatt und Propeller zusammengeklappt blieben bis das Fahrzeug flugbereit sei. Des weiteren wird mit sehr kurzer Ab- und Anflugsfähigkeit geworben. Höchstgeschwindigkeit in der Luft: 200 Kilometer pro Stunde. Aha. Dann steht auch noch, dass die Hersteller nach weiteren Investoren suchen und das Modell deshalb erst ab 2010 erhältlich sei.

Ein Aprilscherz im Januar oder einer dieser cleveren Werbungen, die irritieren, um Aufmerksamkeit zu generieren?

Holländische Erfindung

Ein Klick ins Internet zeigt, das fliegende Auto gibt es tatsächlich, zumindest einen Prototypen. Entwickelt hat es der holländische Ingenieur John Bakker gemeinsam mit dem niederländischen Flug- und Raumforschungsinstitut. Auf der Webseite erfährt man dann auch, dass der Pal-V (Personal Air and Land Vehicle) eine Kreuzung aus Dreirad und Gyrocopter ist. Den nötigen Schub verschafft ein Propeller am Heck.

So viel zur Technik. Doch wer soll und darf dieses Vehikel fahren beziehungsweise fliegen? Laut den holländischen Entwicklern ist dafür eine Pilotenlizenz plus ein Autoführerschein nötig. Der Haken: Vorerst darf nur von Flugplätzen aus gestartet werden – mitten im Stau elegant abheben, liegt also (noch) nicht drin.

Einfach bestellen

Schön, doch wie kommt ein Versandhaus dazu, ein fliegendes Auto anzubieten? Der Conley's-Kundenberater versteht die Fragerei nicht. «Sie bestellen das wie jedes andere Produkt auch.» Man werde sich dann aber mit den Interessenten in Verbindung setzen. Der Pal-V sei ja schon etwas zu teuer, um ihn einfach so per Katalog zu kaufen, schiebt er nach. Bislang sei das fliegende Auto noch nicht bestellt worden. Aber man habe viele Anfragen.

«Etwas Spezielles halt»

Auf der Pressestelle des Versandhauses ist man gesprächiger: «Wir haben jedes Jahr ein ganz spezielles Angebot in unserem Katalog», erklärt dort eine Dame. Letztes Jahr sei dies ein aufblasbares Pub gewesen. Kostenpunkt: 69 000 Franken. Es wurde zweimal verkauft! Diese Jahr sei die Einkäufer im Internet auf das fliegende Auto gestossen und hätten es für ausreichend schräg und speziell befunden, um es in den Katalog aufzunehmen.

Dass Conley's selbst als Investor bei der Entwicklung des Pal-V beteiligt ist, dementiert die Pressedame. «Es ist doch einfach eine gute Sache, wer hat noch nicht davon geträumt, einfach abzuheben?» Stimmt, die meisten werden auch weiterträumen müssen, es sei denn Sie haben 399 000 Franken und eine Pilotenlizenz.

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