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Kolumne

Berufe, die es noch nicht gibt

Die Schule soll Kinder auf ein Berufsleben vorbereiten, das wir uns im Moment noch nicht einmal vorstellen können. Vielleicht gehört Fantasie zu den Kernkompetenzen von morgen.
Blanca Imboden
Blanca Imboden, Schriftstellerin.

Blanca Imboden, Schriftstellerin.

Neulich verkündete ein Experte im Fernsehen, dass zwei Drittel aller heutigen Primarschüler in Zukunft Berufe ausüben werden, die es heute noch gar nicht gibt. Wow! So eine Aussage beflügelt natürlich mein Kopfkino! Oder doch nicht? Ich versuche mir krampfhaft neue Berufe vorzustellen, revolutionäre Jobs zu erfinden, und kaue dabei verzweifelt auf meinem Bleistift herum wie ein hungriger Biber. Meine Fantasie reicht gerade noch dazu aus, im Geiste ein paar Jobs zu vernichten, die es irgendwann nicht mehr brauchen wird.

Wird es immer Lehrer geben? Könnte man sie möglicherweise durch ein Hologramm oder eine coole App ersetzen?

Der Beruf ist ja heute schon eine echte Herausforderung. Die Schule soll Kinder auf ein Berufsleben vorbereiten, das wir uns im Moment noch nicht einmal vorstellen können. Kein Wunder, hängt sie der Zeit und den Ansprüchen oft hinterher und rennt dann manchmal wie ein blindes Huhn in irgendeine falsche Richtung voraus.

Eine Schulreform jagt die nächste – und wird dann wieder rückgängig gemacht.

Medienkompetenz soll auch ein Schwerpunktthema in der Schule sein. Gerade hat ein Lehrer aus dem Kanton Zürich bewiesen, wie enorm wichtig dieses Schulfach ist. Er hatte homoerotische Fotos über Instagram öffentlich verbreitet und zeigte dabei viel Haut und wenig Intelligenz. Eigentlich sollte er gefeiert werden, weil er den Schülern perfekt aufgezeigt hat, dass man nie so viel Persönliches preisgeben sollte, dass man von heute auf morgen zur Lachnummer der Schweiz werden kann, dass alles Konsequenzen hat, früher oder später, gerade weil das Internet nie vergisst. Vielleicht hatte der Lehrer selber gar keinen Spass an den grenzwertigen Bildern, opferte sich nur als schlechtes Beispiel für seine Schüler? Dann – aber nur dann – wäre er mein Lehrer des Monats.

Ganz wie Pippi Langstrumpf

Kinder haben Fantasie. Viel Fantasie. Ich war zu Besuch in einer Talentklasse. Dort sassen Mädchen, die angefangen hatten, ihr erstes Buch zu schreiben. Von der eigentlichen Handlung gab es noch nichts zu lesen. Die Kinder waren alle seit Wochen damit beschäftigt, eine eigene Welt zu erschaffen, in welcher sie dann – irgendwann später einmal – ihre Fantasystory ansiedeln wollten. Ich arbeite völlig anders. Ich recherchiere akribisch, damit dann Zermatt oder Arosa unverfälscht und wiedererkennbar in meiner Geschichte vorkommen. Ganz ehrlich: Ich war ein ganz klein wenig neidisch auf die kreativen Mädchen, die am Erfinden waren, am fröhlichen Fantasieren, am Erschaffen ihrer Welt. Ganz wie Pippi Langstrumpf: «Ich mach mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt.»

Alles andere macht der Computer

Wer weiss, vielleicht brauchen die Schülerinnen genau diese Eigenschaften in der Zukunft, in ihrem Job, den wir uns heute noch nicht vorstellen können. Kreativität, Fantasie und Erfindergeist könnten die Kernkompetenzen von morgen sein. Alles andere macht der Computer.

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