Berner Woche im Pflegeheim

Im Evangelischen Pflegeheim Bruggen ist immer mal was los. Mal spielt ein Handörgeler, mal liest jemand vor. An diesem 16. September sind zwei Termine angeschlagen. Am Morgen die Übertragung der Bundesratswahl auf Leinwand, nach dem Mittag Seniorentreff, Thema: «Das Lebensbild von Max Liebermann, Maler».

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Im Evangelischen Pflegeheim Bruggen ist immer mal was los. Mal spielt ein Handörgeler, mal liest jemand vor. An diesem 16. September sind zwei Termine angeschlagen. Am Morgen die Übertragung der Bundesratswahl auf Leinwand, nach dem Mittag Seniorentreff, Thema: «Das Lebensbild von Max Liebermann, Maler».

Es ist gegen acht, im Foyer schnurrt der Beamer. «Zu laut?», fragen sich zwei Angestellte, dann verschwinden sie im Lift.

«Sind sie noch am Verabschieden?», fragt der Küchenchef, den es diesen Morgen nie länger als zwanzig Minuten in der Küche hält. Eine Angestellte schnappt en passant ein Wort aus der Würdigung Pascal Couchepins auf, lacht spöttisch. «Fructueux, ausgerechnet!»

Die betagten Menschen haben es nicht eilig mit dem Highlight aus Bern. Kurz nach acht kommt eine Frau mit Gehhilfe, wechselt ein paar Worte mit dem Personal, macht ihre Runde, hinsetzen mag sie sich nicht. Eine Viertelstunde später erscheint ein Mann.

An der Leinwand vorbei zieht er Richtung Zeitungsständer, bleibt vor dem Aushang des Mittagsmenus stehen, setzt sich dann abseits hin. Ob er die Wahl nicht schaue? «Später dann, jetzt ist ja noch alles blabla.» Man weiss, wie es läuft, das Morgenritual wird wegen eines neuen Bundesrats nicht durchbrochen. Nach der Zeitungslektüre steht der Spaziergang auf dem Programm.

Manche Pensionäre verfolgen die Wahl auf dem Zimmer oder der Etage. Herr Soundso, wird gemunkelt, werde dann zum dritten Wahlgang erscheinen. Es sind vor allem die Angestellten, die sich im Vorbeigehen auf den neuesten Informationsstand bringen oder die Pause nutzen, um Voten und Analysen zu verfolgen. Es kommt ein Hauch Public-Viewing-Stimmung auf. «Wie steht es?» «1:1.» Gelächter.

So nimmt der Morgen seinen Gang. Während der Fraktionserklärungen wird Käse angeliefert. «Schöne Orchideen», sagen zwei Frauen im Vorbeigehen, die Leinwand würdigen sie keines Blickes. Verhaltener Jubel dann aus einem Nebenraum. Die paar Betagten im Foyer nehmen das Ergebnis wortlos zur Kenntnis. Sie haben schon manchen Bundesrat kommen, schwören und abtreten sehen. In zwei Stunden gibt es Siedfleisch und Sauerkraut. Oder den Wochenhit: Berner Rösti. Beda Hanimann

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