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Von Busen-Benimmregeln bis zur Schnullerfrage:
Bei Kindern fühlt sich jeder als Experte

Eltern wissen: Kaum ist der erste Nachwuchs da, steht man in der Kritik, wie man es im Beruf noch nie erlebt hat. Verwandte, Bekannte, Wildfremde – alle geben ungebetene Tipps. Da hilft nur Humor.
Text: Susanne Holz, Illustration: Florian Raatz
«Das hängt dir noch mit 20 am Busen!»

«Das hängt dir noch mit 20 am Busen!»

Welche Mutter oder auch welcher Vater kennt das nicht: Man hat ein Baby bekommen, ist glücklich, alles läuft bestens – und trotzdem hagelt es Ratschläge. In einem Ausmass, dass einen mitunter der Verdacht beschleicht, bei manchen dieser wohlmeinend scharfsichtigen Personen könnte es sich auch um verdeckte Ermittler der Kinderschutzbehörde handeln ... Beispiele fallen einem sofort ein: Ist das Baby ruhig und zufrieden und lächelt mit sechs Monaten meist nur dickbackig vor sich hin, fragt die Schwiegermutter: «Müsste sich das Kind nicht so langsam drehen können ...?» Krass unnötig ist die Frage einer Fachperson in Erinnerung, als die fünfjährige Tochter friedlich mit dem vierjährigen Sohn spielt: «Streiten die denn nie ...?» Das kann doch nicht normal sein.

Die Luzerner Autorin Mirjam Oertli, Mutter dreier Kinder, freie Journalistin und ehemalige Balletttänzerin, hat ihre Erfahrungen mit nervigen Babykommentaren in ein leichtfüssig-lustiges Buch gepackt, das Eltern auch einen Vorsprung verschaffen soll: Denn wer weiss, was kommt, der kann gepflegter weghören. Wir stellen hier 8 von 33 erheiternden Kapiteln vor. Ein Spass für Eltern und hoffentlich auch für alle Experten – vermutlich war ja jeder von uns auch schon mal einer ...

Mit Baby im Bus:
Jetzt stellen Sie doch das Kind mal ruhig!

Ein Baby gehört mitunter an die frische Luft, da sind sich alle einig. Und Bus ist umweltfreundlicher als Auto, auch so ein Konsensgedanke. Doch wehe, das Baby schreit im Bus, und Mama oder Papa können es nicht beruhigen. Auf böse Bemerkungen mit «Hier schreit Ihre Rente» oder «Wieso fahren Sie Bus, wenn Sie doch auch den Besen nehmen könnten?» zu kontern, hält Oertli aber für nicht so ratsam ... Ohren zu und durch.

Milch nach Plan: Das Kind braucht einen Rhythmus!

Rhythmus – ein Unwort für Eltern. Denn sie bekommen es so oft belehrend zu hören: bevorzugt von älteren Verwandten. Und natürlich wird es nie in Zusammenhang mit flotter Musik aus dem Fundus geholt, sondern im Sinne altväterlicher Belehrung: ja nicht aus dem Takt kommen bei der Fütterung! Ständig stillen nach Wunsch? Wo bleibt die Disziplin!? Und überhaupt: «Das Kind wird ja gemästet!» Gegenteilige Kritik nie ausgeschlossen: «Nun lass ihn doch trinken …»

Die Schnullerfrage:
Schnullern ist ganz schlecht für die Zähne.

«Hat euer Kind einen Schnuller?» Mirjam Oertli hat die Erfahrung gemacht: «Irgendwann früher oder später kommt sie, die Schnullerfrage.» Schaue das Baby gerade friedlich nuckelnd aus dem Wagen, sei sie vermutlich rhetorisch gemeint und geäussert, von einem Hardcore-Schnullergegner. Daneben gebe es die Verfechter guter Kieferentwicklung: Schnullern – bloss nicht. Und hat ein Baby keinen Schnuller? Böse Eltern!

Ganz Papa, ganz Mama:
Das Baby sieht euch gar nicht ähnlich!

Schon bei der Besuchsrunde am Wochenbett wird das Aussehen des neuen Erdenbürgers «oft ähnlich locker-flockig-kritisch diskutiert wie kontroverse Kunst», schreibt Mirjam Oertli in ihrem Buch. Nase, Augen, Kinn – nichts wird ausgelassen. Bis zum hinreissenden Fazit: «Wem sieht das Kind eigentlich ähnlich? Euch jedenfalls nicht!» Eine passende Antwort laut der Autorin und Dreifach-Mama: «Hauptsache bildschön!»

Fragen über Tragen:
Der Kleine kriegt ja gar
keine Luft!

Tragetücher sind in. Sie sind – so Oertli – «so etwas wie die Motocrossvariante des Kindertransports, einfach ohne Motor». Nichtsdestotrotz rufen sie die Skeptiker auf den Plan mit Fragen wie: «Kann das Baby da nicht rausfallen? Kriegt es genug Luft? Ist es gut für den Rücken? Verwöhnt das nicht? Lernt es so überhaupt mal laufen ...?» Kleiner Trost: das Wohlwollen der Tragtucheltern untereinander. «Ähnlich wie bei Porsche-Fahrern.»

Fremder Rat, ungefragt:
Bestimmt hat es Hunger

Schreit ein Baby herzzerreissend, scheint das auch all jenen direkt ans Herz zu gehen, denen man so begegnet, unterwegs mit dem lautstarken Nachwuchs: Passanten, Polizisten, Strassenmusikanten, Nachbarn. Sie alle ergehen sich sehr gern in Vermutungen, was der Grund des Kummers sein könnte: «Ist müde, die Kleine!» oder «Wo ist denn das Mützchen? Es friert bestimmt!» Auf Rang eins: «Bestimmt hat es Hunger!» Aber ja klar, haben Sie vielleicht einen Apfel dabei?

Die Fiktion des gemütlichen Kaffeetrinkens:
Jetzt ist dir sicher oft langweilig

«Elternschaft beinhaltet entspannte Kaffeehausstunden, süsses Kinderlächeln, seidenweiche Haarlöckchen und ein konstantes elterliches Glücksgefühl.» So stellen sich laut Mirjam Oertli kinderlose Menschen häufig das tägliche Dasein mit Baby vor. Was dann zu Bemerkungen führt wie: «Jetzt hast du bestimmt viel Zeit zum Kaffeetrinken.» Oder: «Jetzt kannst du täglich ins Schwimmbad gehen.» Bitte mitkommen und mit anpacken!

Vom richtigen Busen-
Benimm: Bleiben Sie doch zum Stillen zu Hause!

Mütter wissen: Stillen ist ein Lieblingsthema aller selbst ernannten Babyexperten. Stillt man sein Baby nicht, erntet man mindestens ein Stirnrunzeln. Stillt man es vermeintlich zu lange, heisst es: «Das hängt dir noch mit zwanzig am Busen!» Ganz schlimm finden Teile der Bevölkerung öffentliches Stillen, und zwar «provokativer als Rülpsen beim Galadiner». Oertlis Benimmtipp für Besserwisser: still sein, wenn andere stillen.

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