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Bei Hitzewellen gibt es mehr Infektionen und Nierenprobleme

Im Sommer 2015 gab es wegen der Hitze in der Schweiz 800 zusätzliche Todesfälle und 2700 Notfall-Eintritte. Wohl fühlen sich im warmen Klima Viren und Bakterien.
Niklaus Salzmann
In Hitzeperioden wie jener im Juli 2019 haben die Notfallabteilungen der Spitäler mehr zu tun. (Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone)

In Hitzeperioden wie jener im Juli 2019 haben die Notfallabteilungen der Spitäler mehr zu tun. (Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone)

Dieses Jahr gab es schon zwei Hitzewellen und in den letzten fünf Jahren zwei extreme Hitzesommer. Das macht der Gesundheit zu schaffen, wie die Zahlen von 2015 – dem zweitheissesten Sommer seit Messbeginn – zeigen: Der Hitze fielen damals in der Schweiz 800 Menschen zum Opfer. Hinzu kamen all jene Komplikationen, die nicht tödlich endeten. Die Spitäler verzeichneten 2700 zusätzliche Notfall-Eintritte, wie eine Studie des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts in Basel zeigt. Am stärksten betroffen waren ältere Menschen.

Die Todesfälle nahmen hauptsächlich wegen Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen zu. Bei den Notfällen standen dagegen andere Ursachen im Vordergrund. So litten im Sommer 2015 auffallend viele Patienten an Erkrankungen der Harnwege und Geschlechtsorgane. Dahinter stecken laut den Basler Forschern vermutlich Nierenprobleme. Denn es ist bekannt, dass das Risiko für Komplikationen wie chronische Nierenkrankheiten, Nierensteine und akutes Nierenversagen an heissen Tagen steigt. Zudem vermehren sich Viren und Bakterien rascher, was bestimmte Infektionen begünstigt. Des Weiteren gab es in der Kategorie «Grippe und Lungenentzündung» ausserordentlich viele Notfälle. Die Studienautoren gehen davon aus, dass diese auf Lungenentzündungen zurückgingen, da es in jenem Sommer keine Grippewelle gab.

Gefährlicher Pilz verbreitet sich in Spitälern

Dem Einfluss von heissem Wetter auf die Gesundheit widmeten sich vergangene Woche auch vier Artikel im Deutschen Ärzteblatt. Unter anderem wurde ein Anstieg von Herzinfarkten beobachtet. Auch Infektionen von Operationswunden seien häufiger, wenn es wärmer ist.

Ein Erreger, der vermutlich vom Klimawandel profitiert, ist der Pilz Candida Auris. Seit er vor zehn Jahren entdeckt wurde, hat er sich auf mehreren Kontinenten ausgebreitet. In Spitälern ist er gefürchtet, weil er gegen diverse Medikamente resistent ist. Wieso er sich so rasch weltweit verbreitete, erschien zuerst rätselhaft. Nun haben Forscher aus den USA und den Niederlanden eine mögliche Erklärung gefunden: Der Pilz hat sich an das wärmere Klima angepasst und fühlt sich somit nun auch im menschlichen Körper wohl, der ihm früher noch zu heiss gewesen war.

An Hitzewellen kann sich der Mensch nicht anpassen

Der Klimawandel setzt der menschlichen Gesundheit also auf vielfältige Weise zu. Zumindest einige Risiken lassen sich minimieren, etwa dasjenige eines Hitzschlags. So haben sich Menschen in südlichen Ländern angepasst, in dem sie zum Beispiel eine Siesta machen und tagsüber die Fensterläden schliessen. Doch Martina Ragettli vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut warnt: «Wir können uns an höhere Durchschnittstemperaturen anpassen, aber nicht an Hitzewellen per se, bei denen es sich immer um Extremereignisse handelt.» Vor allem die erste Hitzewelle eines Sommers habe einen grossen Einfluss auf Todes- und Krankheitsfälle. Wenn die erste Hitzewelle wie 2015 bereits im Frühsommer auftritt, werde der Effekt noch verstärkt.

Hitzewellen werden wegen des Klimawandels häufiger. Würden weniger fossile Brennstoffe verbraucht, wäre dies für die Gesundheit doppelt von Vorteil: Nebst den hitzebedingten Problemen würden auch diejenigen, die direkt durch die Luftverschmutzung verursacht werden, abnehmen. Zwar gibt es auch kältebedingte Todesfälle, die mit dem wärmeren Klima seltener werden. Doch laut Ragettli überwiegt die Zunahme der hitzebedingten Todesfälle. Oder wie es Dennis Nowak, Umweltmediziner am Universitätsklinikum München, im deutschen Ärzteblatt auf den Punkt bringt: «Je wärmer es wird, desto mehr Tote wird es geben.

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