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Baumkronen voller Affen

Im Regenwald des Yasuní-Nationalparks begegnet man Kapuzineraffen, Faultieren und über 600 Vogelarten. Doch das Naturparadies in Ecuador ist bedroht.
Roman Kühne
Das Napo Wildlife Center sichert den Ureinwohnern ein Einkommen.
Das Riesenhuhn Hoatzin breitet zum Sonnenbaden seine Flügel aus.
Eine Horde Wildschweine verhindert, dass sich die Aras zeigen. (Bild: Bilder: Roman Kühne)
3 Bilder

Bilder: Baumkronen voller Affen

Plötzlich hört der Führer mit dem Paddeln auf. «Nutrias», flüstert er. Sekunden später bekommen wir die Riesen­otter zu Gesicht. Eine ganze Familie planscht vor uns im Wasser, die Jungen spielen miteinander, jagen und verspeisen sogar Fische – ein Fotosujet für die Ewigkeit. Und nur einer der vielen Höhepunkte, die wir an diesem Morgen auf dem kleinen Flüsschen zu sehen bekommen. Als ob die atemraubende Urlandschaft noch nicht genug wäre – es ist einer der wenigen Orte der Erde, wo die letzte Eiszeit nicht stattfand –, weist uns unserer Führer Shayan im Fünf-Minuten-Takt auf neue Tiere hin. Eine Gruppe Totenkopfaffen überquert den Fluss, gefolgt von Kapuzineraffen. «Sie sind oft zusammen zu finden», erklärt Shayan. «Die Totenkopfaffen wissen, dass die Kapuziner sehr aufmerksam und intelligent sind und sich fallen lassen, wenn Gefahr droht. Dies hilft auch den Totenkopfaffen.»

Mit einem nachgeahmten Lockruf zaubert er den ecuadorianischen Riesentukan aus dem Wald. Bald hat sich eine ganze Gruppe in der Baumkrone versammelt. Es folgen Wollaffen und Klammeraffen, der grösste Primat in Ecuador. Auch rote Aras und eine kleine Anakonda können wir beim Sonnenbad beobachten. Dies ist nicht nur Zufall. Der Yasuní-Nationalpark ist eines der artenreichsten Gebiete der Welt. Man findet hier über 600 Vogelarten, mehr als in Europa und Nordamerika zusammen.

Ureinwohner empören sich über Erdölbohrungen

Dass es dieses Naturschutzgebiet überhaupt noch gibt, ist nicht selbstverständlich. Die Erdölfirmen machen schon lange Druck, damit der Dschungel endlich für sie geöffnet wird. 2007 war es fast so weit. Doch der damalige Präsident Rafael Correa entschied sich für eine Wette. Gelingt es in den nächsten 13 Jahren, 3,6 Milliarden aufzubringen – die Hälfte des vorhandenen schwarzen Goldes – so wird Ecuador den Yasuní-Nationalpark für immer schützen. Bis 2013 ging die Rechnung auf. Doch einerseits sind die Forderungen Ecuadors gestiegen und andererseits ist auch der internationale Geldfluss spärlicher geworden. Gegen starken nationalen und internationalen Druck hat der Präsident 2016 die erste Region an der Grenze zu Peru für Bohrungen freigegeben. Darüber ist auch unser Führer Shayan empört. «Der Park ermöglicht es vielen Kichwa-Indianern wie mir, in der Region zu bleiben», führt er aus. «Sonst finden wir hier im Dschungel keine Arbeit.»

Es gibt nur eine einzige Lodge im Park, und diese wird von der Kichwa-Gemeinde der Añangu gemanagt. Während die Ureinwohner an anderen Orten meist billige Unterkünfte offerieren, die gegen die ausländischen Investoren keine Chance haben, ist es hier ein perfekt funktionierendes 5-Sterne-Hotel. Das Napo Wildlife Center liegt an einer romantischen Lagune. Sie ist nur durch eine zweistündige Kanufahrt zu erreichen. Die Bungalows haben alle Seesicht und teils ein eigenes Jacuzzi. Von den hinteren Balkonen aus lassen sich immer wieder Affen und das Riesenhuhn Hoatzin entdecken. Während auf der Vorderseite Schwarze Kaimane und einmal sogar der Riesenfisch Pirarucu aus dem Wasser tauchen. Nur ausschlafen fällt schwer, wegen des morgendlichen Auftritts der Brüllaffen.

Unterkünfte in den hohen Ceiba-Bäumen geplant

Die Betreuung ist ausgezeichnet. Unsere dreiköpfige Familie hat einen eigenen Führer und einen Ruderer. Das Programm wird nach unseren Wünschen zusammengestellt: Wir besuchen zweimal die Papageienlecke, wo die Aras Mineralien schlecken. Denn am Vortag hatte eine Horde Wildsauen verhindert, dass sich die seltenen Vögel zeigten. Mittagessen im Einheimischendorf – wird organisiert. Und wer nach einem Tag des Tierbeobachtens immer noch nicht genug hat, lässt sich vom Lift auf einen 40 m hohen Beobachtungsturm fahren.«Wir wollen in Ecuador führend im Luxussegment werden», sagt Shayan. «Als nächstes sind Unterkünfte in den hohen Ceiba-Bäumen geplant.» Dies unter Einhaltung strenger Regeln. Bis heute sind Schiffsmotoren im Reservat verboten. Alles wird über zwei Stunden hin und her gerudert. Wenn ein Kichwa zweimal im Wald ein Tier tötet, wird er aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.

Am Abend machen wir einen Spaziergang. Extra ein wenig später, da die Faultiere am aktivsten sind, wenn es eindunkelt. Ein Drei-Zehen-Faultier kraxelt einen Baum hoch und beginnt, 30 m über dem Boden, Blätter zu fressen. Und während die Guides unser Kanu sanft durch die hängenden Blätter steuern, bleibt einem nichts anderes übrig, als überwältigt den sich rötenden Himmel zu geniessen.

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