BARHOCKER

In der «Rose» wirtet ein Chemiker Im Herbst blühen keine Rosen. Doch die «Rose» in Degersheim verhält sich antizyklisch. «Im Frühling, da hatte ich einen Moment lang grosse Bedenken», sagt Mitko Ribarski. Der Wirt, der die «Rose» am 1.

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Mitko Ribarski brachte seine «Rose» mit Pizza wieder zum Blühen. (Bild: Michael Hug)

Mitko Ribarski brachte seine «Rose» mit Pizza wieder zum Blühen. (Bild: Michael Hug)

In der «Rose» wirtet ein Chemiker

Im Herbst blühen keine Rosen. Doch die «Rose» in Degersheim verhält sich antizyklisch. «Im Frühling, da hatte ich einen Moment lang grosse Bedenken», sagt Mitko Ribarski. Der Wirt, der die «Rose» am 1. August letzten Jahres übernommen hatte, wusste, dass es um ihren Ruf nicht besonders gut stand. Doch ein halbes Jahr später blühte die Rose immer noch nicht. «Gäste zu verlieren ist einfach, sie wiederzugewinnen ist sehr schwer!» Das erste Haus am Platz war völlig heruntergewirtschaftet. Fast niemand feierte im Säli, fast niemand ass im Stübli, fast niemand sass am Stammtisch, niemand becherte an der Bar.

Zähe Mazedonier

«Wir Mazedonier sind zähe Leute», sagt Ribarksi. Er erzählt von seiner Jugendzeit, als es in seiner Heimat nicht viel Arbeit gab: «Da bin ich rüber nach Griechenland und habe dort eine Ausbildung begonnen.» Nein, nicht im Gastrobereich, sondern als Chemiker in der Industrie. Doch auch in seiner neuen Heimat, die so neu nicht war, war doch sein Vater Grieche, schlug Ribarski wegen der unsicheren Wirtschaftslage keine Wurzeln und wanderte alsbald nach Deutschland aus. Er versuchte es in verschiedenen Berufen und fand seine Bestimmung schliesslich in der Gastronomie. Seit 17 Jahren ist er in der Schweiz, spricht fünf Sprachen: «Schweizerdeutsch wäre die sechste, aber es tönt schrecklich, deshalb spreche ich lieber Hochdeutsch», lacht er.

Mit Pizzaofen

Als es im Sommer in der «Rose» immer noch nicht so recht lief, hatten der Wirt und sein Koch eine Idee: Pizza! Und wenn schon, dann auch solche ohne Gluten, schlug sein Koch vor. Die Einheimischen rümpften die Nase: Die «Rose» eine Pizzeria, das gehört sich doch nicht für ein bürgerliches Haus. Doch die Aufgeschlossenen scherten sich nicht um Klischees, sie kommen und fragen nach Pizza, besonders nach der glutenfreien Variante. Ob er seinem Koch einen Bonus zahlt für die Idee, lässt er noch offen, jedenfalls stehen auf der Pizzakarte 27 Pizze, inklusive die «Maxi» mit 52 Zentimetern Durchmesser. Eine Pizzeria ist die «Rose» deswegen nicht geworden. Es ist immer noch das gutbürgerliche Haus. Jetzt einfach mit Pizzaofen.

Michael Hug

Restaurant Rose

Bergstr. 1

9113 Degersheim

Öffnungszeiten:

Mo bis Do 8.45–23.45 Uhr,

Fr und Sa 8.45–00.30 Uhr,

So 10.30–23 Uhr

Kleines Bier: 4 Franken

Spezielles: Silvester offen

www.gasthaus-rose.ch