Animalisch
Bambiraptor und Boris-Becker-Schnecken: Darum heissen Tiere, wie sie heissen

In der Tierwelt gibt es so einige Namen, die aus der Reihe tanzen. Einige verdanken ihn sogar Promis oder Film-Bösewichten. Dabei gibt es für die Benennung doch klare Vorschriften.

Christian Satorius
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«Bambiraptor»: Halb Bambi, halb Raptor (fleischfressender Vogel). Und tatsächlich, eine Dinosauriergattung trägt diesen Namen offiziell.Illustration: Marco Tancredi

«Bambiraptor»: Halb Bambi, halb Raptor (fleischfressender Vogel). Und tatsächlich, eine Dinosauriergattung trägt diesen Namen offiziell.Illustration: Marco Tancredi

«Bambiraptor»? So kann doch unmöglich ein Dinosaurier heissen, oder? Doch, doch, den «Bambiraptor» gibt es wirklich, wobei «Bambiraptor» sogar nur die Gattungsbezeichnung ist, die bisher einzige bekannte Art dieser Gattung nennt sich mit vollem Namen «Bambiraptor feinbergorum».

Wer nun meint, das müsse jetzt ja wohl der seltsamste aller wissenschaftlichen Namen sein, der irrt – gewaltig sogar. Es gibt noch sehr viel merkwürdigere Bezeichnungen. Selbst bei der wissenschaftlichen Benennung der Tiere hat man lange so einiges durcheinandergewürfelt.

Und wer bestimmt sie?

Erst Carl von Linné (1707–1778) wird der Verdienst zugeschrieben, eine vernünftige Systematik angeschoben zu haben, nämlich die heute noch übliche binominale Nomenklatur. Hierbei werden die verwandtschaftlichen Beziehungen mit einem zweiteiligen Namen ausgedrückt. Der erste Teil bezeichnet die Gattung (mit einem Grossbuchstaben beginnend), der zweite Teil die Art (mit einem Kleinbuchstaben beginnend) näher. Den Namen aussuchen darf sich derjenige Forscher, der das Tier als erster wissenschaftlich beschreibt. Aber trotzdem kann nicht gleich jeder machen, was er will: «Schnüffi püffi» zum Beispiel ist verpönt, «Aha ha» hingegen geht schon.

Da fragt sich natürlich, wer legt das denn nun fest, was man darf und was nicht. Das macht die Internationale Kommission für zoologische Nomenklatur (International Commission of Zoological Nomenclature – ICZN) mit einem Regelwerk, das sich sinnigerweise ebenfalls ICZN abkürzt, wobei hier das «C» allerdings für «Code» steht. Auch wenn es in Letzterem eine ganze Reihe von Vorschriften gibt, was denn nun erlaubt ist und was nicht, so versuchen einige Forscher doch hin und wieder ihr Glück und lassen ihrer Fantasie freien Lauf.

Nur so erklären sich Wortungetüme, wie der längste jemals vorgeschlagene Name (für einen Flohkrebs aus dem Baikalsee): «Gammaracanthuskytodermogammarus loricatobaicalensis», den die ICZN allerdings nicht anerkannt hat. Naja, versuchen kann man es ja mal.

Von hinten und vorne

Wespen, so scheint es, werden vornehmlich von Forschern mit dichterischen Ambitionen beschrieben, hören sie doch jetzt auf so schöne Namen wie «Aha ha» oder als Gattung eben auch auf «Zyzzyx». Die Gattungsbezeichnung der Plattwespe «Afgoiogfa» ist ebenfalls gelungen, handelt es sich hier doch um ein Palindrom, welches sich vorwärts wie rückwärts lesen lässt. Spassig fand wohl auch der Erstbeschreiber der «Elephantulus fuscipes» seine Idee von der «Schwarzfuss-Elefantenspitzmaus». Tja, und weshalb Boris Becker ausgerechnet für eine (Meeres-)Schnecke als Namenspate herhalten musste («Bufonaria borisbeckeri»), darüber lässt sich natürlich trefflich spekulieren.

Überwunden scheinen auch die Bedenken der Namensgeber früherer Zeiten, denn in der wissenschaftlichen Nomenklatur wimmelt es heute nur so von Höllenbewohnern jeglicher Art. «Lucifer» ist zur Gattungsbezeichnung von Zehnfusskrebsen geworden, «Satan» hingegen nennen sich einige Katzenwelse vorneweg. Schön ist auch der «Vampirtintenfisch aus der Hölle»: «Vampyroteuthis infernalis». Klar, dass auch Spielfilmfans auf ihre Kosten kommen: Darth Vader, der Bösewicht aus «Star Wars», stand Pate für die Gattung der Hornmilben mit dem schönen Namen «Darthvaderum». Die Comicfiguren Asterix und Obelix hingegen finden sich in zwei Vogelspinnen aus Costa Rica wieder: «Stichoplastoris asterix» und «Stichoplastoris obelix».

Naja, und nun lässt sich vielleicht auch nachvollziehen, an was die Forscher dachten, die die «Pinguine» benannt haben: «Pinguin» lässt sich nämlich auf lateinisch «pinguis» für «fett» zurückführen und so haben auch die netten Frackträger mit ihrem Namen ihr Fett wegbekommen. Der bedeutet nämlich nichts anderes als «Fettgans».

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