Ausgerechnet ein Brite hat ihn erfunden! Wir haben alkoholfreien Gin aus London getestet

Gins ohne Alkohol? Ja, das gibt es. Als Ersatz taugen sie nicht, aber als eigenständige Drink-Alternative sind sie einen Versuch wert.

Katja Fischer De Santi
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Siegfried Wonderleaf: Die deutsche Antwort auf den englischen Pionier Seedlip in Sachen alkoholfreier Gin.

Siegfried Wonderleaf: Die deutsche Antwort auf den englischen Pionier Seedlip in Sachen alkoholfreier Gin.

Bild: zvg

Alkoholfreien Gin gibt es nicht. Er muss mindestens 37,5 Prozent Alkohol enthalten, so steht es in der Alkoholverordnung des Bundes. Und es gibt ihn eben doch, immer mehr, und immer besseren. Stänkerer werden einwenden, dass Gin ohne Alkohol nichts anders sei als teures, mit Kräuteraromen versetztes Wasser – aber früher dachte man auch, alkoholfreies Bier sei ein Frauenwitz.

Das mit dem destillierten und aromatisierten Wasser stimmt aber trotzdem. Nimmt man den Grundalkohol aus dem Gin, bleiben die Gewürze: ­Wacholder, Koriander, Ingwer, Muskat, Orangenschalen und etwa so 120 weitere mögliche Kräutchen. Diese kann man auch ohne Alkohol irgendwie in das Wasser bringen. Wie genau, das halten die Hersteller der alkoholfrei destillierten Spirits, kurz ADS gerne für sich.

Ausgerechnet ein Brite war es, der dem Gin den Alkohol als erster austrieb. Ben Branson wollte als konsequenter Anti-Alkoholiker in Bars nicht mehr nur Wasser und Cola trinken, sondern so spannende Drinks wie seine Freunde. So begann er 2016 zu pröbeln. Das Resultat nannte er Seedlip und es ist ein alkoholfreies Destillat, gedacht um damit allerlei Drinks zu mixen.

Noch immer setzt Seedlip den Standard in Sachen ADS, mittlerweile gibt es ihn auch schon fixfertig aus der Dose und in Londoner Bars werden damit alkoholfreie Tonics, Negronis und Dry Martinis gemixt.

Doch wie schmeckt ein Gin ohne Spiritus? Wir haben den Test mit zwei Produkten gemacht. Dem schon erwähnten Seedlip Grove 42 und einem deutschen Produkt namens Siegfried Wonderleaf, bekannt durch den gleichnamigen Gin mit Alkohol. Beide Produkte bekommen durch Kaltmazeration und Destillation die Aromen in die Flasche. Im Gegensatz zu Produkten, welche einfach Aromastoffe ins Wasser zu mischen, sicher ein Vorteil.

Eines vorne weg. Keines dieser Destillate sollte man pur trinken. Es macht keinen Spass, die Aromen erscheinen hustensirupartig und auch die Konsistenz, nun ja, sie ist halt wässrig, das ölige des Alkohols fehlt, auch seine Schärfe, welche die Aromen sonst erst in Balance bringen. Aber mischt man die beiden Getränke mit einem guten Tonic und etwas Eis, bekommt man einen sehr anständigen Drink zusammen, der in der Nase und im Gaumen Freude macht.

Wer einen Gin-Tonic-Ersatz erwartet, wird enttäuscht. Wer einen aromatischen Drink ohne Rausch will, bekommt was Gutes. Sowohl beim deutschen Siegfried als auch beim britischen Seedlip drücken die Aromen von Thymian und Rosmarin, Piment und Kardamom durch. Das mutete teils etwas weihnächtlich an, je nach Tonic, das man dazu mixt.

Ein Problem haben die spritfreien Spirits aber dann doch. Ohne Alkohol verflüchtigen sich die Aromen in der angebrochenen Flasche schnell. Schon noch vier Wochen ist da nicht mehr viel übrig. Besser vorher alles wegtrinken, gibt ja keinen Kater.

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