Hoffnung für Brustkrebs-Patientinnen: Aus Zahn-Stammzellen werden Milchdrüsen

Dank dentalen Stammzellen wachsen Milchdrüsen und Brustgewebe nach. Forschern ist es gelungen, mit Stammzellen, die aus den Schneidezähnen junger Mäuse isoliert wurden, Milchdrüsen in weiblichen Mäusen wachsen zu lassen.

Bruno Knellwolf
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Die Stammzellen können aus dem Blut entnommen werden. Diese Maschine trennt die verschiedenen Blutinhaltsstofe von den Stammzellen. (Bild: Martin Toengi)

Die Stammzellen können aus dem Blut entnommen werden. Diese Maschine trennt die verschiedenen Blutinhaltsstofe von den Stammzellen. (Bild: Martin Toengi)

Auf Stammzellen ruhen viele Hoffnungen: Es gibt Menschen, die das Nabelschnurblut ihres Kindes nach der Geburt einlagern, damit das Kind später mal von den Segnungen der modernen Medizin profitieren kann: Von heutigen und vor allem von zukünftigen Stammzellentherapien. Kein Wunder ist das Einlagern von Nabelschnurblut und -gewebe ein Geschäft, das ein gesundes Leben verspricht.

Leistungsfähige Stammzellen

Denn in der Nabelschnur stecken leistungsfähige Stammzellen, die dank der Einlagerung des Nabelschnurbluts dem Kind immer zur Verfügung stehen wie auch dessen Familienmitgliedern. Also eine Tür zu personalisierten Therapiemöglichkeiten mit Stammzellen, wie die Betreiber der Nabelschnurbank in ihrer Werbung versprechen.

Für Stammzellentherapien werden adulte und embryonale Stammzellen genutzt. Stammzellen der Nabelschnur sind etwas zwischen embryonal und adult. Adulte Stammzellen finden sich in den allermeisten Organen, allerdings sind sie nicht so leicht zu vermehren wie embryonale Stammzellen. Letztere lassen sich im Labor in Kulturen leicht züchten, während die Teilungsaktivität adulter Stammzellen sehr gering ist.

Stammzellen aus den Schneidezähnen

Trotzdem ist die Fähigkeit adulter Stammzellen verschiedene gewebespezifische Zellen zu erzeugen für die medizinische Forschung von grossem Interesse und auch für die zahnmedizinische, wie die Universität Zürich schreibt. Denn Stammzellen können geschädigte Zellen ersetzen. Sie sind deshalb eine gute Alternative zu klassischen medizinischen Behandlungen, um Gewebe zu regenerieren und in späteren Zeiten vielleicht sogar ganze Organe neu zu bilden.Zahnepithel-Stammzellen sind zum Beispiel in der Lage, sämtliche Zelltypen des Zahnschmelzes zu erzeugen. Den Forschern war bisher allerdings unklar, ob sich diese Zellen der Zähne auch zu Zellpopulationen von anderen Geweben entwickeln können. Das geht, wie ein Forscherteam vom Institut für Orale Biologie der Universität Zürich herausgefunden hat und nun in der Zeitschrift «Cells» publiziert hat. Den Forschern um Professor Thimios Mitsiadis ist es gelungen, mit Stammzellen, die aus den Schneidezähnen junger Mäuse isoliert wurden, Milchdrüsen in weiblichen Mäusen wachsen zu lassen.

Milchproduzierende Zellen hergestellt

«Die Ergebnisse zeigen, dass die dentalen Stammzellen zur Regeneration der Milchdrüse beitragen und fähig sind, alle Zelltypen der Brustdrüse und sogar milchproduzierende Zellen hervorzubringen», sagt Mitsiadis. Zahnepithel-Stammzellen sind aussergewöhnlich wandelbar, also nicht nur für Zahngewebe. In einer ersten Versuchsreihe waren dafür Stammzellen des Zahnepithels zusammen mit Epithelzellen der Brust ins Gewebe injiziert worden. In einem zweiten Versuch wurden die Zahn-Stammzellen alleine injiziert. Auch hier konnten die dentalen Stammzellen Kanalsysteme der Milchdrüse bilden. Anderen Stammzellen ist das nicht gelungen.

Deshalb hofft man, dass die Zahn-Stammzellen bei der Behandlung von Brustkrebs helfen. Sie könnten zur Regeneration von Brustgewebe nach einer Operation eingesetzt werden.