Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Pflanzen sind so bequem wie Menschen

Wer seine Beete zu häufig giesst, hilft dem Garten nicht unbedingt. Stattdessen sollten die Pflanzen auch mal allein mit dem Trockenstress klarkommen.
Nicole Häfliger

Meine Lieblingsnachbarin liebt ihren Garten. Aus diesem Grund werden ihre Bodendecker-Beete verwöhnt, sobald es längere Zeit nicht mehr regnen will. Gewissenhaft, hingebungsvoll und mit dem Schlauch. So auch letzthin. Als sie mich sah, drehte sie kurz das Wasser ab, lachte laut, rief: «Ich weiss, Nigg! Aber du kennst mich – ich kann nicht anders», und drehte den Hahn wieder auf.

Sie ist damit nicht allein. Eine der häufigsten Tätigkeiten, bei denen ich Gartenbesitzer sehe, ist das Wässern von Beeten. Dabei könnten sie es sich sparen. In einem Punkt sind Pflanzen nicht viel anders als Menschen, nämlich bequem. Um in freier Wildbahn an Wasser zu gelangen, müssen sie ihre Wurzeln tief ins Erdreich runterschicken. Dahin, wo das kostbare Nass stets verfügbar ist, auch wenn es länger nicht geregnet hat.

Das ist anstrengend. Wenn nun aber ein Mensch daherkommt und regelmässig so giesst, dass nur die oberste Bodenschicht nass wird, dann ist so eine Pflanze doch nicht blöd. Statt sich anzustrengen, konzentriert sie ihr Wurzelwachstum auf diese bequemen obersten Zentimeter. Das geht gut, solange zuverlässig Wasser von oben kommt. Aber wehe, die Gärtnerin leistet sich Ferien: jetzt reichen einige trockene Tage, und das Gewächs verdurstet jämmerlich.

Wenn wir eingewachsene Stauden und Gehölze bei jedem trockenen Lüftchen giessen, schaffen wir nur verzärtelte Abhängige.

Wir tun uns und den Pflanzen den grösseren Gefallen, wenn wir ihnen die Möglichkeit geben, alleine mit dem Trockenstress klarzukommen. Jedenfalls in einem zumutbaren Rahmen, denn bei zu langer Dürre strecken auch abgehärtete Pflanzen ihre Flügel. Ein erstes Zeichen sind welke Blätter – ein Umstand, der bei Gärtnern unverzüglich leichte Panik entstehen und sie zum Wasserhahn rennen lässt. Warten Sie aber noch, bevor Sie losrennen.

Warten oder Sonnenschirme aufstellen

Pflanzen welken auch dann, wenn genügend Feuchtigkeit im Boden ist, die Sonne aber zu brutal vom Himmel brennt. Dieses Phänomen hat sogar einen Namen, man nennt es «temporäre Welke». In diesem Fall können Sie literweise giessen, die Pflanze bleibt so lange welk, bis die Sonne nachlässt. Das Einzige also, was da hilft, ist abwarten. Oder überall Sonnenschirme aufstellen.

Steht die Pflanze am nächsten Morgen wieder normal da, ist alles in Ordnung. Wenn nicht, sind Sie gefragt. Nun gilt es, den Boden ausgiebig zu wässern und nicht zu knausern. Wenn Sie mit dem Schlauch giessen, denken Sie an die Wurzeln tief unten und lassen Sie sich eine gefühlte Ewigkeit Zeit, bis Sie ein Stück weiterrücken. Weil ich ein hibbeliges Exemplar bin, habe ich mir angewöhnt, auf dreissig zu zählen, was auf etwa dreieinhalb Liter hinausläuft. Nicht schlecht für einen halben Quadratmeter.

In einem Punkt sind wir Menschen nicht viel anders als Pflanzen, nämlich bequem. Seien wir also froh, dass wir uns viele Giessrunden sparen können. Es bleiben noch genügend Pflanzen, die regelmässig gegossen werden müssen. Die in Töpfen, frisch Gesätes und Gesetztes, viele Gemüse und alle Pflanzen, die glücklicher im Halbschatten oder an einem Teichufer wären. Meine Nachbarin weiss das, aber aufs Verwöhnen will sie trotzdem nicht verzichten. Und so sehe ich sie immer mal wieder mit einem seligen Lächeln ihre Beete wässern. Ein Unmensch, wer ihr das nehmen wollte.

Die Autorin ist in der Gartenberatung tätig und verfasst Fachbücher zum Thema.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.