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Nah am Hals: Liebeserklärung an den Rollkragenpullover

Immer wieder wird der Rollkragenpullover modisch totgesagt. Dabei gibt es kein anderes Kleidungsstück, das Zeitlosigkeit, Eleganz, Sexyness und Intellekt so perfekt kombiniert. Nicht nur an Wintertagen.
Valeria Heintges
Mal elegant, mal sexy, mal förmlich: Der Rollkragenpullover steht Stilikone Audrey Hepburn, Sexsymbol Marylin Monroe sowie Dirigent Herbert von Karajan gut. (Bild: Bilder: Getty)

Mal elegant, mal sexy, mal förmlich: Der Rollkragenpullover steht Stilikone Audrey Hepburn, Sexsymbol Marylin Monroe sowie Dirigent Herbert von Karajan gut. (Bild: Bilder: Getty)

Marilyn Monroe und Audrey Hepburn, Leonard Bernstein und Steve Jobs – sie alle taten es. Sie alle trugen Rollkragenpullover. Und nicht, weil sie von Halsschmerzen geplagt waren. Auch wenn ein Rollkragenpullover dann natürlich gute Dienste leisten würde; so eng wie der umgeschlagene Kragen anliegt, so warm wie er vor allem den Hals hält.

Auch Herbert von Karajan war Rolli-Freund, gerne auch in der Variante «weiss, sehr dünn und unterm Frack».

Denn der Maestro war extrem anfällig auf Zugluft. Mit der nur leicht flackernden Flamme eines Feuerzeugs pflegte er seinen Musikern zu beweisen, dass ein Windlein durch den Saal ging und es mehr als gerechtfertigt war, wenn er im Rollkragenpullover dirigierte.

Herbert Karajan: Der Maestro war sehr empfindlich auf Zugluft und drum Rolli-Fan.

Herbert Karajan: Der Maestro war sehr empfindlich auf Zugluft und drum Rolli-Fan.

Er schützt vor den Unbilden des Lebens

Daher kommt wohl auch der Name, der dem guten Stück Neudeutsch verpasst werden soll: Turtleneck. Wie eine Schildkröte sich schützend in den Panzer zurückzieht, wird hier dem Hals ein warmes Zuhause geboten. Zudem bietet so ein Pullover Sicherheit, nicht nur vor den Unbilden des Wetters, sondern auch vor denen des Lebens. So hoch geschlossen kann einem keiner was. Trotzdem ist man perfekt angezogen: lässig, bequem und doch elegant. Und wird in keiner Weise in der Bewegung eingeschränkt.

Für Damen gilt ausserdem: Der Pullover nimmt sich sozusagen zurück, um Lippenstift, Halskette oder Ohrringe ins Rampenlicht zu heben. Aber auch der gemusterten Hose und dem Rock bietet er den perfekt-dezenten Hintergrund.

«Der Rollkragenpullover strahlt eine gewisse Lässigkeit aus. Er betont das Grundlegende»,

bemerkt das Frauen-Online-Magazin «Desired». Und weiter: «Die Trägerin will kein modisches Statement setzen. Vielmehr legt sie Wert auf unprätentiöse Basics, die sich mit dem richtigen Beiwerk zu einem modischen Hingucker aufpeppen lassen.»

Wer sagt, dass Rollkragenpullover unsexy sind, hat Marilyn Monroe noch nie in einem gesehen. Hollywood, California, May 1953. (Foto Alfred Eisenstaedt/Getty Images)

Wer sagt, dass Rollkragenpullover unsexy sind, hat Marilyn Monroe noch nie in einem gesehen. Hollywood, California, May 1953. (Foto Alfred Eisenstaedt/Getty Images)

Von der See aufs Land

Der Rollkragenpullover ist klassischerweise uni. Und aus feinem Kaschmir. Weil der Kragen so nahe am Hals anliegt, darf er auf keinen Fall kratzen. Und das tut das Edelhaar der Kaschmirziege nicht. Kaschmirwolle wärmt zudem in der Kälte, lässt aber bei gemässigten Temperaturen ihren Träger oder ihre Trägerin nicht ins Schwitzen geraten.

Historisch gesehen ist der Rollkragenpullover ein Herren-Bekleidungsstück, das ursprünglich Teil der Seemannskleidung war. Logisch: Rauen Winden und tiefen Temperaturen kann ein Kragen hervorragend trotzen. In Oberteilen, deren Kragen sich per Reissverschluss öffnen lassen, lebt das Prinzip bis heute fort. Von der See wanderte der Pullover aufs Land und zierte die Hälse von britischen Golfern, Hockey- und Fussballspielern. Kurz gesagt: Von denen, die ihren Sport in der Natur verrichteten und es warm haben wollten.

Liebling der Intellektuellen

Von dort wechselte er nach Paris, in die verrauchten Cafés der Existenzialisten von St-Germain des Prés, ins Café Flore oder ins Les Deux Magots. Dort besann man sich aufs Wesentliche, lehnte allen überflüssigen Schnickschnack ab und kleidete sich deshalb in der Nicht-Farbe Schwarz. Jean-Paul Sartre bevorzugte das weisse Hemd zum Anzug, aber seine Jünger blieben stur: Schwarzer Rolli, schwarze Hose. Auch Juliette Gréco, die französische Chansonsängerin, trug gerne schwarze «Pulls à col roulé».

Jetzt war der Weg zum Kleidungsstück für Künstler und Architekten geebnet. Auch die Beatles und die Anhänger der amerikanischen Beatnik-Literatur trugen schwarze Rollkragenpullover. Und die Dirigenten Herbert von Karajan und Leonard Bernstein machten den Turtleneck zum endgültig gesellschaftlich anerkannten Kleidungsstück. Auch wenn Karajan aus österreichischen Nobelrestaurants herausgeworfen worden sein soll, weil er sich damit nicht dem Krawattenzwang unterwarf.

Resistent gegen modische Mätzchen

Die Zeiten sind lange her, die grossen Rolliträger alle tot. Woody Allen nutzt in seinen Filmen den Rolli, um ironisch die Intellektuellen zu markieren.

Und bei Steve Jobs vermittelte der Rolli alle Eigenschaften, die man mit seinen Apple-Produkten assoziiert: Schlichtheit, Intelligenz, Zeitlosigkeit.

Der Rolli, oft totgesagt, lebt weiter als eleganter Alleskönner, der trotz aller Verhüllung auch sehr sexy wirken kann. Man denke nur an Marylin Monroe im schwarzen Rolli. Zwar propagieren Modehefte immer wieder, man solle das edle Stück unter das Sommer-Trägerkleidchen anziehen. Der Kragen wird auch mal ausladend designt, dass der Kopf daraus hervorragt wie eine Boje auf See. Oder er wird hoch und steif angelegt, so dass er den Hals quasi einmauert. Aber ganz egal, was ihm passiert: Das edle Kleidungsstück widersetzt sich diesen Mätzchen. Es landet in der edlen Kaschmirvariante – jeden Herbst wieder – in den Herrenabteilungen der Kaufhäuser und Boutiquen. Und für die Damen wird die Wolle in immer neue Farbbäder getunkt und meist reichlich eng geschnitten.

Da hat Frau Glück, wenn sie in den Herrenabteilungen wildern kann. Denn eines ist ja auch klar: Das Kleidungsstück ist zwar elegant, schlicht und sexy. Aber es hat auch einen androgynen Touch. Schön so.

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