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Anna Netrebko: Auf Maria Callas' Spuren

Von der jungen Frau auf dem Velo zur Primadonna, von Mozart über Verdi zu Belcanto-Opern und Wagner – das ist der Weg der russischen Sopranistin Anna Netrebko. Aktuelle DVDs zeigen sie auf den Spuren von Maria Callas.
Fritz Schaub
Opernstar Anna Netrebko am Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker. (Bild: Imago, Wien, 31. Mai 2018)
Die Donna Anna war der Anfang. (Bild: AP, Salzburg, 24. Juli 2002)
Mit ihrem Ehemann, dem Tenor Yusif Eyvazov. (Bild: Vladimir Shirokov)
3 Bilder

Netrebko-Callas

In einer Neuinszenierung von Mozarts «Don Giovanni», in der die noch nicht 31-jährige Russin Anna Netrebko 2002 unter Harnoncourt die Donna Anna sang, ging der Stern der Sängerin an den Salzburger Festspielen meteorhaft auf. Entdeckt worden war sie in St. Petersburg von Valery Gergiev, als sie noch in dessen Mariinsky-Theater Fussböden schrubbte. So jedenfalls geht die Fama.

In Salzburg verbreitete sich sofort ein Hype um sie.

Verblüfft sahen die Leute, wie die gutaussehende Russin tagsüber auf dem Velo durch die Mozartstadt flitzte. Zum TV-Interview mit Thomas Gottschalk erschien sie in durchlöcherten Jeans. Man konnte kaum glauben, dass eine junge moderne Frau mit so viel Sex-Appeal eine solche Stimme hatte, die mühelos das Grosse Festspielhaus füllte. Weil man annahm, nur korpulente, reifere Frauen könnten mit einem derartigem Volumen aufwarten? (Dabei gab es ja schon vor ihr etwa Anna Moffo, aber auch «unsere» Lisa della Casa und nicht zuletzt die grosse Callas nach ihrer Abmagerungskur).

Schon ein Jahr später erschien ihr erstes Soloalbum, das bestätigte, dass sie ihr Repertoire demnächst über Mozart hinaus erweitern würde auf italienische und französische Partien. Tatsächlich feierte Anna Netrebko an den Salzburger Festspielen 2005 als Violetta in Verdis «La Traviata» an der Seite ihres damals noch ebenbürtigen tenoralen Partners Rolando Villazon einen weiteren Triumph.

La «Bohème» in Salzburg, «Lucia di Lammermoor» an der Met

2012 führten die Salzburger Festspiele zum ersten Mal Puccinis «La Bohème» auf. Das gefiel nicht allen. Weil der junge italienische Regisseur Damiano Michielotto die bunten Szenen fast filmhaft auf die Bühne des Grossen Festspielhauses pflanzte und glaubhaft in die Gegenwart übertrug, kommt die Aufführung auf DVD glänzend zur Geltung. Dennoch ragt dabei Anna Netrebko heraus. Inzwischen mit dem Bariton Erwin Schrott liiert (von dem sie sich 2013 trennte) und Mutter geworden, entsprach ihre Figur nicht mehr ganz einem Jungmädchen-Charakter, und die Stimme war deutlich dunkler und reifer geworden. Das drückte sich aber sehr positiv in der Gefühlstiefe aus, mit der sie die zerbrechliche Figur berührend gestaltete. Denn schon als sie noch einen ausgesprochen lyrischen Sopran hatte, war ihr bewusst, dass Stimmschönheit allein nicht genügt, sondern auch intensiven Ausdruck haben muss.

Zwischen den beiden Salzburger Events hatte sich Anna Netrebko erstmals auf der Bühne an die Lucia in Donizettis Belcanto-Oper «Lucia di Lammermoor» gewagt.

Die Live-Aufnahme aus der Metropolitan Opera New York lohnt sich fast nur wegen der Hauptrollenträgerin.

Das Début 2009 fiel genau in jenen Zeitpunkt, in dem sie sich dramatischeren Rollen zuwandte. Nur drei Jahre später legte sie das Verdi-Album vor und meldete ihre Ambitionen deutlich an, indem sie jeweils bis zu vier Ausschnitte einer Verdi-Oper sang, darunter die dramatisch besonders geforderte Lady Macbeth, die sie kürzlich wieder auf der Bühne (Staatsoper Unter den Linden unter Daniel Barenboim) eindrucksvoll verkörpert hat.

«Lohengrin» in Dresden

Schon den Part der Lucia in der erwähnten Met-Aufnahme füllte sie mit ihrer vor allem in der Höhe runden Stimme und der erlesenen Phrasierung vollkommen aus. Die Gestaltung der Wahnsinnsszene rief Erinnerungen an Maria Callas wach. Nur fehlt das Umfeld, das ihre Darstellung erst zum herausragenden Ereignis hätte machen können. Denn die Regisseurin Mary Zimmermann verlegte die im
17. Jahrhundert spielende Geschichte in die viktorianische Zeit und brachte dennoch alle die Schockelemente von Sir Walter Scotts Schauerroman auf die Bühne. Sogar der Geist aus den schottischen Mooren erscheint Lucia leibhaftig, wenn sie sich mit ihrem Geliebten trifft. Sowohl in «La Bohème» als auch in «Lucia di Lammermoor» ist der am Opernhaus Zürich grossgewordene Pole Piotr Beczala ihr tenoraler Partner, wobei sein leidenschaftlicher Gesang etwas zu aufgesetzt und bisweilen hektisch wirkt.

Anna Netrebko und Piotr Beczala waren auch wieder in Richard Wagners «Lohengrin» vereint, in dem beide im Mai 2016 in Dresden ihr mit Spannung erwartetes Wagner-Début gaben. Im selben Jahr erschien das Doppelalbum «Verismo», in dem sie sich hauptsächlich weniger bekannten italienischen Veristen von Cilea bis Catalani widmet und sich von vokalen Untugenden wie Schluchzern und dramatischem Überzeichnen wohltuend fern hält.

Quasi ein deutsches Belcanto-Fest

Die aus dem Jahre 1983 stammende «Lohengrin»-Inszenierung von Christine Mielitz wirkt mit dem Säbelrasseln und der zeremoniellen Steifheit altmodisch. Aber die statische Anlage passt gut ins DVD oder Blu-ray-Bildformat und ergibt eine Umgebung, in der sich das Paar stimmlich voll entfalten kann. Auch die grossartig aufspielende Dresdner Staatskapelle, bekanntlich Wagners «Wunderharfe», wird unter der Leitung des derzeit wohl besten Wagner- und Strauss-Dirigenten Christian Thielemann ihrem Ruf gerecht.

Der ergiebiger und voluminöser gewordene Sopran der Netrebko kommt der Partie der Elsa, besonders zustatten.

Mit dunkel glühendem Gesang füllt sie die Kantilenen restlos aus. Auch der polnische Tenor wirkt disziplinierter und singt wie die Partnerin erstaunlich akzentfrei. Im letzten Akt, in der Brautgemach-Szene, bieten die beiden quasi ein deutsches Belcanto-Fest. Gerade in der romantischen Oper «Lohengrin» strebte Wagner durchaus einen Belcanto-Stil an.

Ein neues Traumpaar auf der Bühne?

Man spräche gerne wieder von einem Traumpaar auch für die Zukunft, wüsste man nicht, dass Netrebko seit der Heirat ihren tenoralen Ehegatten bevorzugt, den bisher alles andere als überzeugenden Aserbaidschaner Yusif Eyvazov. Mit ihm zusammen sang und singt sie in grossen Stadien und Konzerthallen und gab auch ein etwas kitschiges Duett-Album heraus unter dem Titel «Romanza» mit eigens für die beiden komponierten Liedern.

Sowohl in Salzburg 2016, in der konzertanten Aufführung von Puccinis «Manon Lescaut», als auch an der letztjährigen Eröffnungspremiere der Scala, in «Andrea Chenier» (unter Riccardo Chailly), war sie von ihrem Ehemann flankiert, dem sie hoch überlegen ist. Nachdem der Auftritt vom 5. September im Zürcher Hallenstadion abgesagt worden ist, treten Anna Netrebko & Yusif Eyvazov dafür am 4. Februar 2019 im KKL Luzern auf.

DVD, Blu-ray: Puccini: La Bohème, Donizetti: Lucia di Lammermoor, Wagner: Lohengrin. CD: Anna Netrebko: Opernarien, Anna Netrebko: Verdi, Anna Netrebko: Verismo, alle Deutsche Grammophon.

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