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Kolumne

Auf ein Wort-Kolumne: Ein vergessener Schatz

Die Mundartkolumne diesmal zu einem Buch, das schon vor mehr als 100 Jahren die Zukunft des Mundarts vorhersagte.
Niklaus Bigler
Unser Kolumnist: Mundartexperte Niklaus Bigler.

Unser Kolumnist: Mundartexperte Niklaus Bigler.

In Aarau ist 1877 das «Aargauer Wörterbuch» erschienen. Das war eine Pionierarbeit von Jakob Hunziker, Lehrer an der Kantonsschule. Die Lehrerkonferenz hatte ihm 1866 den Auftrag dazu erteilt, auf Anregung des eben gegründeten Schweizerischen Idiotikons. Da es noch keine brauchbaren Vorbilder für so eine Sammlung gab, musste Hunziker alles von Grund auf konzipieren. Sein Buch füllt schon mehr als 100 Seiten mit der Lautlehre, die anhand zahlloser Beispiele alle Laute und deren Kombinationen exakt darstellt.

Hunziker ist in Kirchleerau im oberen Aargauer Suhrental aufgewachsen, daher entsprechen Lautlehre und Wortschatz auch diesem Dialekt; andere Landesteile sind im Buch nicht vertreten. Umso gründlicher wird dafür der Wortschatz erfasst. Dazu gehören auch Vornamen (Mädi, Marei, Badist, Lunzi), Fremdwörter (Postúur, Protikól, Stadúute, koláze ‹schmausen›) sowie die Kindersprache (Dodi, Dedi ‹Hund›, Mäm-mäm). Unter den Redensarten fällt mir auf: D Wält ist em mit Brättere verschlaage (er hat ein Brett vor dem Kopf), Es chunnt mer böömsch vor (böhmisch, nicht spanisch). Bei den Kinderversen und Volksreimen hat Hunziker alles eingestreut, was ihm zu einem Wort einfiel, manchmal auch Anstössiges (Das obsolete Wort hat er durch Punkte ersetzt): Es ist es Meitli z Ändige, es brünzlet ase g’ständlige.

Über die Zukunft der Dialekte machte sich Hunziker keine Illusionen: «Der alles nivellierende Einfluss moderner Verkehrsmittel, moderner Schule, moderner sozial-politischer Umgestaltung ... lässt die Mundarten verblassen und setzt sie auf die Aussterbeliste.» Leider hatte er recht.

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch (idiotikon.ch).

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