Auf die heutige Zeit gemünzt

Mein erster Eindruck: Super! Die Inszenierung hat mir sehr gut gefallen, sie ist modern und originell. Ich bin mit ganz anderen Erwartungen an die Premiere gegangen. Das Stück hatte ich mir viel seriöser vorgestellt, tragischer und ernster.

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Ramona Stelzner, Lippoldswilen, macht im Sommer Matura in Kreuzlingen. (Bild: sb)

Ramona Stelzner, Lippoldswilen, macht im Sommer Matura in Kreuzlingen. (Bild: sb)

Mein erster Eindruck: Super! Die Inszenierung hat mir sehr gut gefallen, sie ist modern und originell. Ich bin mit ganz anderen Erwartungen an die Premiere gegangen. Das Stück hatte ich mir viel seriöser vorgestellt, tragischer und ernster. Jetzt ist es etwas verulkt, aber auf eine intelligente Art und Weise unterhaltend.

Das Publikum war sehr aufmerksam. Es hat gemerkt, dass es bei allem Witz um etwas Wichtiges geht, um Fragen von Toleranz und Religion. Der alte Stoff ist auf die moderne Zeit gemünzt, und die Regie hat das noch verstärkt dadurch, dass die Schauspieler immer wieder direkt zum Publikum sprechen.

Dazu gibt es Seitenhiebe auf aktuelle Themen. Zum Beispiel, wenn der Patriarch betont, wie die Kirche für ihre Kinder sorge – da denkt man sofort an die Fälle von Kindsmissbrauch. Und es ging geradezu ein Raunen durchs Publikum.

Nathan hat mir einen starken Eindruck gemacht. Aber auch der Tempelherr spielt grossartig, vehement, aber nicht übertrieben. Das passt sehr gut zu dieser Rolle. Probleme hatte ich mit dem Schluss, als der Text im Bombengedröhn unterging. Dabei wäre gerade das eine zentrale Szene, wo man die Worte verstehen müsste.

Wir haben «Nathan der Weise» im Deutschunterricht an der Kantonsschule Kreuzlingen ausführlich besprochen und uns Gedanken gemacht, vor allem auch zur Ringparabel. Es ist ein gewaltiger Stoff, finde ich, aber beim blossen Lesen kann man vieles nicht ganz fassen.

Durch die Inszenierung wird das schwere Stück herabgebrochen auf eine verständliche und menschliche Ebene. (Notiert: Su)

Ramona Stelzner ist eine der Jugendlichen, die als «Junge Theaterkritiker» Rezensionen im Auftrag des Theaters St. Gallen verfassen. Diese sind online abrufbar. Die «Nathan»-Kritik liegt etwa in einer Woche vor.