Die Schweiz ist an der Gamescom gut vertreten

Tausende von Videospielfans zieht es diese Woche zur Gamescom nach Köln. Neben grossen Studios buhlen auch Schweizer Entwickler um Aufmerksamkeit – mit ganz unterschiedlichen Spielideen.

Federico Gagliano, Köln
Drucken
Teilen
Der Schweizer Stand im Businessbereich der Gamescom. Bild: Julia Malcher/Pro Helvetia (Köln, 21. August 2018)

Der Schweizer Stand im Businessbereich der Gamescom. Bild: Julia Malcher/Pro Helvetia (Köln, 21. August 2018)

Eigentlich gilt die im Juni stattfindende Videospielmesse E3 in Los Angeles als die bedeutendste in der Gamebranche. Nur wenige Monate später findet aber in Köln ihr europäischer Gegenpart statt, die Gamescom. Diese vermag es zwar nicht wie die E3 mit gleich vielen Ankündigungen von grossen Entwicklerstudios aufzutrumpfen, dafür aber mit viel mehr Besuchern – während die E3 dieses Jahr 69'200 Besucher verzeichnete, besuchten rund 350'000 Videospielbegeisterte die Gamescom 2017. Dieses Jahr erwartet man sogar ein halbe Million Besucher.

Im Gegensatz zur auf Industrie und Medien fokussierten E3 konzentriert sich die Gamescom mehr auf die Fans und gibt ihnen Gelegenheit, Games anzuspielen, die erst noch erscheinen werden. Dafür brauchen Besucher viel Geduld: Die Wartezeit für prominente Titel wie «FIFA 19» oder «Battlefield V» kann über fünf Stunden betragen.

23 Spiele aus der Schweiz

Doch auch die Industrie tauscht sich an der Gamescom aus: Neben den grossen Hallen der «Entertainment Area», in der sich Fans von Mittwoch bis zu morgen Samstag austoben können, geht es in der geschlossenen «Business Area» etwas ruhiger zu und her – wenn auch nicht minder hektisch. Grosse und kleine Entwickler stellen ihre Spiele potenziellen Investoren und Käufern vor. Mittendrin in beiden Bereichen: Schweizer Entwickler, die mit Unterstützung der Kulturstiftung Pro Helvetia in Köln ihre Spiele präsentieren. Die Schweizer Entwicklerszene wächst beständig: im französischen und deutschsprachigen Raum gibt es rund 120 Studios, die Voll- oder Teilzeit an Videospielen arbeiten. 23 Spiele wurden ausgewählt, um die Schweiz an der Gamescom zu repräsentieren.

Sechs davon wurden zusätzlich belohnt: Sie dürfen ihre Spiele in der Indie Arena Booth vorstellen, die sich in einer der öffentlichen Hallen befindet. 80 Spiele aus 28 Ländern wurden in einem Bewerbungsverfahren für die Arena ausgewählt. Der Vorteil gegenüber dem Business-Bereich: Die Entwickler können die Spiele direkt den normalen Besuchern der Messe vorstellen – und sie ihnen vielleicht verkaufen.

Alle träumen vom grossen Durchbruch

Die 23 Schweizer Spiele zeichnen sich durch Vielfalt aus: Im Spiel «Bämeräng» kämpfen zwei Spieler mit einem Bumerang gegeneinander und sammeln Punkte. In «Letters» spaziert man durch Briefe und löst Rätsel, indem man die Lösung innerhalb der Worte findet. In «Modsork» muss man zwei kleine Vierecke steuern, die mit einem Laser verbunden sind und damit Gegner ausschalten – das klingt simpel, erfordert aber viel Gehirnakrobatik. «Modsork»-Entwickler David Canela hat das Spiel alleine entwickelt. Für die Messe bekommt er Unterstützung von einem Freund, um den Stand nicht den ganzen Tag alleine betreuen zusammen. Andere Entwickler arbeiten in Teams von zwei bis neun Leuten.

Unterschiedlich ist nicht nur ihre Anzahl, sondern auch ihre Erfahrung: Während sich manche noch mitten im Studium befinden, arbeiten andere bereits an ihrem zweiten oder dritten Spiel. Dazu gehört zum Beispiel Jeremy Spillmann, der mit «Blindflug Studios» bereits mehrere Spiele veröffentlicht hat. Sein neuestes Spiel, «Airheart –Tales of Broken Wings», ist erst vor kurzem auf PC, Xbox One und Playstation 4 erschienen. Für die Gamescom hat er eine Überraschung bereit: Das Flugzeug-Actionspiel wird bald auch auf der Nintendo Switch mit einem zunächst exklusiven Multiplayer-Modus erscheinen.

Trotz ihrer Unterschiede haben die Schweizer Entwickler eines gemeinsam: Sie alle träumen vom grossen Durchbruch. Ein Beispiel, wie ein Schweizer Erfolgsstudio aussieht, liegt denn auch unweit in einer der grossen Messehallen: Der Stand des Zürcher Studio Giants Software mit ihrer Landwirtschafts-Simulator-Reihe. Deren Spiele sind von den PC-Charts nicht mehr wegzudenken. Das Spiel, in dem man das Bauernleben nachempfinden kann, hat dieses Jahr sogar den Gamescom-Award für die beste Simulation eingeheimst.