Asche zu Asche

Nun sind sie weg: Die Beizen-Aschenbecher. Verbannt in Fumoirs, verstaut in Schränke, vergessen im Keller. Schön waren sie selten, fehlen werden sie trotzdem.

Katja Fischer
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Der Aschenbecher: Ein verlässlicher, ein treuer Genosse der Raucherinnen und Raucher. Immer da, allzeit bereit – in der Stammkneipe, dem Lieblingslokal, der Bar ums Eck. Er war Zeuge langer Nächte, einsamer Stunden, wortgewaltiger Abende. Überquellend mahnt der Aschenbecher den Raucher, endlich nach Hause zu gehen, akribisch zählt er dessen Sünden. Das schlichte Rund mit Kerben (die Formenvielfalt in den Beizen ist bescheiden) ist erst gut 100 Jahre alt und doch kaum mehr wegzudenken. Manch Stammtisch wird heute abend verwaist aussehen. Der Friedhof für totgerauchte Zigaretten ist selbst vom Aussterben bedroht. Ein Opfer des Passivrauchens.

Wo sind alle die Aschenbecher?

Nun gut, wirklich hübsch waren die wenigsten Beizen-Aschenbecher (siehe Bilder). Doch gab es unter den mehreren 10 000 Aschensammlern in den Gastrobetrieben des Kantons durchaus einige Trouvaillen. Zu finden bei jenen Wirten, die sich nicht hinreissen liessen, ihre Tisch mit Werbe-Aschenbechern zu verunstalten. Damit ist nun Schluss. Das kantonale Rauchverbot lässt die St. Galler Aschenbecher von der Bildfläche verschwinden. Aber nicht ganz alle: Das robuste Aussenmodell in rot, silber oder schwarz (Bild unten rechts) – erlebt zurzeit ein ungeahntes Revival. «Survival of the fittest» unter den Aschenbechern. Andere Exemplare werden in abgeschotteten Raucher-Lounges, Gartenbeizen, Raucherwohnungen, auf Balkonen und Fensterbänken überdauern. Der Rest wird entsorgt, verstaut, ins Rheintal und den Thurgau verschickt.

Klauen und sammeln

Jetzt schlägt die grosse Stunde der Sammler. Aschenbecher werden ja seit jeher gerne gesammelt – sprich geklaut. Denn Aschenbecher hat man einfach. Sie werden aus dem Ausland mitgeschleppt, «den hab ich aus einer ganz herzigen Bar in Kairo», wandern in Handtaschen mit «war nicht einfach, das schwere Ding unauffällig einzupacken», oder man kriegt sie geschenkt «für dich selbst getöpfert».

Die letzte Generation

Nun könnte sich das (legale) Zugreifen lohnen. Erstens gibt es durchaus schmucke Varianten (siehe oben), die sich auch in Nichtraucherhaushalten gut machen (als Topfuntersetzer, Kässeli, für rauchende Gäste). Zudem könnte sich das Archivieren von Aschenbechern auch finanziell lohnen. Denn wer weiss, was in 50 Jahren ein original Parisienne-Aschenbecher der letzten Generation für einen Wert hat.

Dann, wenn man seinen Enkeln anhand eines alten, klobigen Marlboro-Aschenbechers zu erklären versucht, dass früher (als alles besser war) übervolle Aschenbecher, stinkende Kleider und rote Augen zu einem Beizenbesuch dazugehört hätten.

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