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Appenzeller Stilmix

Ich träumte schon als Bub davon, dieses Appenzellerhaus aus dem Jahre 1577 einmal zu besitzen. Es hat einst meinem Vater gehört. Er selbst hat aber nie darin gewohnt, weil er als Tierarzt im Dorf seiner Praxis wohnen wollte.
Bild: Ralph Ribi

Bild: Ralph Ribi

Als mein Vater starb, konnte ich das Haus 1972 von ihm erben. Es liegt zwischen Appenzell und dem Sammelplatz und bietet einen einzigartigen Blick über die Fäneren und auf den Hohen Kasten, bis zur Alpsigel und auf den Säntis.

Wir haben keine Ahnung, wer der Erbauer des dreistöckigen Hauses ist. Die Fassade ist geschindelt, nur die Südwand ist aus Tannenholz. Im unteren Stock befinden sich Küche, Stube und Lesezimmer. In der kleinen Kammer im obersten Stock wurde einst das Buchenlaub getrocknet und später für die Betten in Laubsäcke gefüllt. Im offenen Mittelgeschoss hat man früher die Wäsche getrocknet und aufbewahrt.

Die offene Holzwand zum «Schluff» haben wir später mit alten Holzbrettern geschlossen, um die Wärme besser zusammenzuhalten.

Wohngerecht trotz Tradition

Das Schöne an unserem Haus ist die Höhe der Zimmer. Normalerweise sind die Decken eines Appenzellerhauses höchstens 1,80 Meter hoch. Hier messen sie über zwei Meter. Das macht die Räume luftiger, heller.

Wir lieben Holz. Altes und neues. Als wir zwischen 1972 und 1986 das Wohnhaus etappenweise umbauten, half uns der hiesige Architekt Hansruedi Hohl. Unser Ziel war, das Neuzeitliche mit dem Traditionellen zu verbinden. Wir wollten wohngerecht umbauen und trotzdem den typischen Appenzeller Charakter behalten. So haben wir möglichst viele alte Wände, Balken, Fenster, Böden und Türen in ihrem Urzustand belassen. An der dunklen Badezimmertüre ist sogar noch das Baujahr eingekerbt. Auch das Schloss stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Um hier angenehm leben zu können, mussten wir einiges verändern: Den alten Holzboden im Wohnzimmer haben wir wegen seines schlechten Zustands mit einem Spannteppich bedeckt. Den grünen Kachelofen hatte mein Vater 1938 einbauen lassen. Den alten Divan im Wohnzimmer haben wir aus Angst vor Flöhen entfernt, weil unter seinen fast 70 cm hohen Füssen ein Drahtgestell stand, in welchem die Bauern ihre Hühner hielten. Die Küche haben wir verkleinert, doch die alte, vom Kaminfeuer geschwärzte Holzwand blieb erhalten.

Natürlich ist der 70er-Jahre-Stil aus der Zeit des Umbaus heute nicht mehr so aktuell. Wir hatten damals den Mut, Ledersessel, neue Treppen, Büchergestelle und Schränke aus hellem Tannenholz mit modernem Design anfertigen zu lassen.

Ort der Ruhe

Als ich meine Tierarztpraxis im Jahre 1986 meinem Sohn übergab, zogen meine Frau Beatrice und ich hier hinauf. Wir lieben die Ruhe. Leider bin ich nicht mehr so gut zu Fuss. Die vielen Treppen sind nicht gerade ideal fürs Alter.

Doch wir werden hier wohnen, solange es geht. Es gibt nichts Schöneres, als in meinem Sessel neben dem Kachelofen zu lesen.

Meine Frau ist in Basel aufgewachsen. Von ihren Eltern hat sie die Liebe zu kaukasischen Teppichen übernommen. Einige Stücke schmücken heute die hohen Holzwände im Zwischengeschoss. Dort sitzen wir gerne vor dem grossen Cheminée, welches den alten Rutenkamin ersetzt.

Wir möchten die Wände nicht mit Appenzeller Kunst füllen. Unsere vereinzelten Bauernmalereien stammen von Künstlern, die wir persönlich kannten und die wir mit ein paar Fränkli unterstützen konnten. Das passte, war echt.

Notiert: Yvonne Forster

Leo Mittelholzer ist ehemaliger Tierarzt in Appenzell

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