Ansteckungsrisiko
Trotz Coronavirus: Keine Verrenkungen mehr beim Türeöffnen

Zwei neue Studien bestätigen es: Das Risiko, dass man sich via Oberfläche mit Sars-CoV-2 infiziert, ist klein. Nicht untersucht wurden dabei aber Teller und Tische in Restaurants.

Sabine Kuster
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Oberflächen wie Ticketautomaten weisen keine hohe Virenkonzentration auf. Eine Ansteckung ist unwahrscheinlich.

Oberflächen wie Ticketautomaten weisen keine hohe Virenkonzentration auf. Eine Ansteckung ist unwahrscheinlich.

(Bild: Keystone)

Seit bald einem Jahr waschen wir uns fleissig die Hände - und das sollten wir weiterhin tun. Weniger sinnvoll sind hingegen die Verrenkungen um Türen nicht mit der Hand öffnen zu müssen. Das haben zwei Studien ergeben, an denen auch die Eawag, das Wasserforschungsinstitut der ETH, beteiligt war.

Am Anfang der Pandemie zeigten Versuche in Labors, dass die Viren auf Stahl, Plastik und sogar Karton einige Stunden bis Tage überleben können. Doch die Überzeugung, dass man sich nur selten über Oberflächen mit dem Coronavirus ansteckt, ist im Laufe der Pandemie gewachsen. Die beiden Studien erhärten das nun.

Die Konzentration der Viren war sehr gering

Die Forschenden haben von April bis im Juni letzten Jahres rund 350 Proben von Türgriffen zu Geschäften, Deckeln von Abfallkübeln, Tastaturen von Geldautomaten und Tanksäulen sowie roten Knöpfen an Fussgängerübergängen getestet. In 29 Proben (8 %) wurde Erbgut des Virus nachgewiesen. Doch die Konzentrationen waren so klein, dass die Wissenschaftler das Risiko einer Übertragung von verseuchten Oberflächen als klein einschätzen. Umweltmikrobiologe Timothy Julian von der Eawag schätzt, dass das in weniger als 5 von 10'000 Fällen, in denen jemand Coronaviren auf einer Oberfläche berührt, passiert.

Geleitet wurde die Studie von den amerikanischen Forscherinnen Abigail Harvey und ihrer Professorin Amy Pickering an der Tufts Universität in Massachusetts, genommen wurden die Proben in Somerville, einem Vorort von Boston mit 80 000 Einwohnerinnen.

Weiterhin Proben von Oberflächen zu nehmen, könnte aber Sinn machen, weil sie das Infektionsgeschehen abbilden: «Ähnlich wie bei den Abwasserproben könnte auch die Untersuchung oft berührter Oberflächen auf SARS-CoV-2 Erbgut ein Instrument sein, um Trends der Pandemie-Entwicklung möglichst früh zu erkennen», sagt Timothy Julian in der Mitteilung der Eawag.

Hände waschen ist immer gut

In einer zweiten Studie unter Leitung von Ana Karina Pitol (Imperial College, London) klärten die Forschenden die Frage, wie effizient die Desinfektion von Oberflächen versus Händewaschen oder Händedesinfektin sind: Der Nutzen der Desinfektion von Oberflächen ist eher gering und von sehr vielen Faktoren abhängig. Händewaschen oder -desinfizieren reduzieren das Ansteckungsrisiko deutlich.

Nicht untersucht haben die Forschenden übrigens Kontaktflächen wie Geschirr oder Tische in Restaurants, welche infizierten Personen länger ausgesetzt sein können. «Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand über einem Tisch hustet oder niest und sich Tröpfchen mit hohen Virenkonzentrationen dort befinden, ist viel grösser als bei einem Knopf oder einem einzelnen Türgriff», sagt Timothy Julian. Die Desinfektion von Tischen in Restaurants oder der saubere Abwasch seien daher immer noch sehr wichtig, so der Forscher.