Prüfungsstress
Angst vor Prüfungen: Manche Studenten nehmen sogar Ritalin

Anstatt das schöne Wetter zu geniessen, befinden sich die meisten Abschlussklassen und Studenten zurzeit im schlimmsten Prüfungsstress. 12 Schüler der WMS Basel hatten ihre eigene Idee, wie sie diesen umgehen konnten.

Irene Müller
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Studenten sind in der Caféteria am Lernen (Archivbild).

Studenten sind in der Caféteria am Lernen (Archivbild).

Keystone

Das Buch landet mit einem lauten Knall auf dem Boden der Universitätsbibliothek. Nach ein paar Fluchworten folgt das nächste. «Da hat wohl wieder eine einen mentalen Breakdown», kichern die Mitstudenten. Bereits einen Monat vor den Prüfungen ist der Stresspegel der Jurastudenten schon so hoch, dass nur wenige Tropfen das Fass zum Überlaufen bringen können. Eines Morgens wurde es einer Studentin zu bunt und sie fing an, ihre Bücher über mehrere Stockwerke hinweg runterzuwerfen und ihnen dabei alles Mögliche zu wünschen. Mittlerweile ist allerdings auch den Mitstudenten das Lachen vergangen. Denn jetzt ist Prüfungszeit, jetzt geht es um alles oder nichts. Die Nerven liegen blank.

Die Bibliothek der Zürcher Jurastudenten gleicht einem Kriegsgebiet. Bereits um acht Uhr morgens wird vor der Bibliothekstür reihenweise angestanden, oder besser gesagt gedrängelt. Wer zu spät kommt, hat keinen Platz mehr und wer seine während Stunden mühsam zusammengetragenen Notizen kurz aus den Augen lässt, hat bald keine mehr.

Prüfungsängstliche erleben nun die schlimmste Zeit ihres Studentendaseins. Diejenigen Studenten, die das Lernen bis zuletzt herausgeschoben haben, finden sich wohl oder übel in einer der folgenden Szenarien wieder: Entweder man wird vor lauter psychischem Stress genau zu den Prüfungen krank, man gibt vorher schon auf und geht erst gar nicht zu den Prüfung oder man greift zu drastischen Not-Massnahmen, weil man die Prüfungen auf jeden Fall bestehen will oder muss. In diesem Falle gibt es die Variante des Schummelns.

An der Wirtschaftsmittelschule in Basel hatten sich dieses Jahr zwölf neunmalkluge Schüler der Abschlussklasse etwas ganz Besonderes ausgedacht. Sie hackten sich in die E-Mail-Konten von Lehrern und erschlichen sich so Zugang zu den Testantworten. Als der Beschiss rauskam, wurden ihre Prüfungsdaten annulliert. Sie alle dürfen die Prüfungen nächstes Jahr wiederholen. Schummler gibt es immer – manchmal werden sie erwischt, manchmal nicht. Doch warum auf einen Schlag mehr als zehn Prozent des Jahrgangs versucht hatte, zu betrügen, kann sich auch der Rektor nicht erklären. Ob die Schüler aus Faulheit oder aus Prüfungsangst gehandelt haben, ist ebenfalls unklar.

Ritalin ist erlaubt, Armbanduhren nicht

Wegen der Angst vor Schummler wurden im Frühling dieses Jahres in der Schweiz in einigen Universitäten Armbanduhren verboten, da man sie nicht mehr von einer Smartwatch unterscheiden könne.

Paradoxerweise gibt es hingegen «keine Regelungen gegen die Einnahme von psychostimulierenden Substanzen», wie Unisprecher Beat Müller unlängst gegenüber «20 Minuten» sagte. Diese Nachforschungen wurden aufgegriffen, nachdem ein Dealer verhaftet wurde, der per Anschlagbrett der Uni Ritalin an die Studenten vertrieben hatte.

Experten raten von den solchen vermeintlich leistungssteigernden Mitteln ab, da sie bei jedem anders wirken und die Nebenwirkungen unvorhersehbar seien.

«Trotzdem nehmen hier einige Ritalin», verrät nun eine Jurastudentin der Universität Zürich. Die routinierte Prüfungsschreiberin, die kurz vor ihrem Bachelor-Abschluss steht, vertraut dem Medikament nicht und kehrt den Ovomaltine-Werbeslogan um: «Mit Ritalin kannst du es vielleicht besser, aber nicht länger.»