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Andere Länder, andere Hausmittel: Volksmedizin gegen Erkältung

Von Aloe bis Zitronengras, von Hühnerfett bis zur ominösen Hut-Kur – was Menschen rund um die Welt gegen Schnupfen, Husten und Halsweh unternehmen.
Lajos Schöne
Fiebrig, laufende Nase, kratzender Hals, tränende Augen: Mittel dagegen gibt es weltweit viele. Man muss nur dran glauben. (Bild: Getty)

Fiebrig, laufende Nase, kratzender Hals, tränende Augen: Mittel dagegen gibt es weltweit viele. Man muss nur dran glauben. (Bild: Getty)

Schon mal etwas vom «jüdischen Penicillin» gehört? Hinter dieser ungewöhnlichen Bezeichnung verbirgt sich eine ganz und gar gewöhnliche Substanz, eine kräftige Hühnerbrühe nämlich. Sie gilt vor allem in den USA als die wichtigste und wirkungsvollste Abwehrmassnahme bei einer aufziehenden Erkältung.

«Jüdisch» deshalb, weil der berühmte jüdische Gelehrte Maimonides als erster bereits im 12. Jahrhundert die heisse Suppe zur Behandlung bei Erkrankungen der oberen Atemwege empfahl. Und weil die US-amerikanische Medizin massgeblich durch die eingewanderten jüdischen Ärzte geprägt wurde, geniesst das traditionelle Hausmittel bis in unsere Tage hohes Ansehen.

Offenbar zu Recht: Laboruntersuchungen am Nebraska Medical Center in Omaha lassen auf eine hemmende Wirkung der Hühnersuppe auf Entzündungsprozesse schliessen. Heisse Flüssigkeiten haben ohnehin eine schleimlösende Eigenschaft – man denke nur an das auch hierzulande sehr beliebte Hustenmittel «heisse Milch mit Honig».

Die psychologische Wirkung ist ebenfalls nicht zu unterschätzen: Welchem bettlägerigen Kranken geht es nicht gleich viel besser, wenn er von Mutter, Partnerin oder Partner mit einer köstlich dampfenden Suppe versorgt wird?

Bewährtes Rezept: Kälte mit Wärme bekämpfen

Gegen die Hunderten von Erkältungsviren verfügt die medizinische Wissenschaft bis heute über keine wirksamen Mittel. Die Einnahme von Antibiotika ist bei einer Erkältung in der Regel völlig falsch und wegen der zunehmenden Resistenzen auch sehr problematisch: Penicillin und Co. bekämpfen nur Bakterien, gegen Viren können sie jedoch nichts ausrichten. Erst wenn es aufgrund des wegen der Erkältung geschwächten Organismus zu einer sogenannten Super- oder Sekundärinfektion kommt, an der Bakterien auch beteiligt sein können, ist Antibiotika angezeigt. Bei einer «gewöhnlichen» Erkältung sollte man die Hände davon lassen. Sogar schlichte Wärme kann da mehr bewirken:

Die meisten Erkältungsviren sind temperaturempfindlich.

Diese Tatsache scheint in der Volksmedizin auf allen Kontinenten seit Jahrhunderten bekannt zu sein. Hier eine kleine Zusammenstellung von heissen Hausmitteln, die gegen Erkältungen bei verschiedenen Völkern rund um den Globus empfohlen werden:

Australien: Eukalyptus- oder Pfefferminzblätter zu Tee kochen und mit Honig, Zitrone und Zimt würzen. Zwei- bis dreimal am Tag trinken.

Japan: Ein bis zwei Teelöffel von frischem Ingwer klein hacken, dann heisses Wasser, Zucker oder Honig hinzufügen.

Korea: Hier gilt eine heisse Suppe aus Seealgen als besonders heilsam.

Thailand: Besonders bei Halsweh bewirkt die Tom-Yam-Suppe wahre Wunder. Sie enthält scharfen Chili, Limonensaft und Zitronengras. Die anästhesierende Wirkung von Chili nutzen auch Phytopharmaka aus Europa zur Behandlung von Halsschmerzen.

Griechenland: Die beliebte Awgolemono-Suppe besteht aus Hühnerbrühe, Zitronensaft, Eiern und Reis.

Hoch im Kurs: Milch, Eier, Zitrusfrüchte

Marokko: Für ein viel verwendetes Hausmittel braucht man einen Becher Milch, die mit scharfem Pfeffer aufgekocht und mit einem Ei vermengt wird. Anschliessend Bettruhe und Schwitzen.

Kapverdische Inseln: Meersalz mit Zitronensaft und Ingwer aufkochen. Viermal am Tag trinken.

Taiwan: Salze eine geschälte Orange oder Grapefruit, heize die Frucht fünf Minuten im Backofen auf und esse sie warm.

Kolumbien: Den Saft von Aloe Vera mit Honig und Rettich oder Zwiebeln mischen und zwei bis dreimal am Tag trinken. Hustende Kinder werden in diesem Land morgens und abends mit der für uns eher befremdlichen Mixtur von Hühnerfett, Zitronensaft und Honig traktiert.

Deutschland: Ein bewährtes Hausmittel ist Zwiebelsirup. Ganze Zwiebel fein hacken, mit 3 Esslöffeln Zucker vermischen, mit 1/8 Liter Wasser verrühren und einige Minuten unter Rühren leicht kochen. Ein paar Stunden lang stehen lassen, dann durch ein Tuch drücken. Dosierung: drei- bis fünfmal täglich ein bis zwei Teelöffel.

Reiswein oder Hustenbier: Hauptsache Alkohol

Fast überall in der Welt schreibt man heissen alkoholischen Getränken eine besondere Wirksamkeit gegen Erkältungen zu. In Japan trinkt man heissen Reiswein mit einem rohen Ei, in Portugal wird Eigelb mit Zucker und Portwein verrührt. Auch auf Taiwan schlägt man ein Ei in den Wein und vermengt die Mixtur dann mit Zucker und Ingwersaft.

Es überrascht nur wenig, dass auch die trinkfreudigen Iren ihrer Erkältung mit Alkohol zu Leibe rücken.

Beliebt ist irischer Whiskey mit Zucker und einer Zitronenscheibe.

Dagegen dürfte das Rezept «15 pint of Guinness and go to bed» eher folkloristische Bedeutung haben. Ein Pint entspricht 0,57 Litern…

Die deutsche Volksmedizin empfiehlt zur Linderung des Hustenreizes ein Hustenbier: Ein halbes Liter Bier wird erhitzt und mit fünf Löffeln Honig verrührt. Vor dem Schlafengehen getrunken soll das Hustenbier für eine ruhigere Nacht sorgen.

Halsweh wird mit einem Kräuterwein gelindert. Das Rezept: 5 g Liebstöckel, 20 g Fenchel und 5 g frischer Salbei mit 1/4 Liter Weisswein vermischen. Nach dem Aufkochen drei Minuten ziehen lassen, abseihen und möglichst warm trinken.

Aus dem «Schatzkästlein Hamburger Schauerleute» soll schliesslich die Hut-Kur stammen: Man lege einen Hut auf den Schrank und trinke so lange heissen Grog, bis man zwei Hüte sieht – erkältet fühlt man sich danach angeblich nicht mehr.

Auch die Hut-Kur ist also mit Vorsicht zu geniessen. «Nützt es nichts, so schadet es nichts» ist manchmal ein Trugschluss mit bösem Erwachen.

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