Amerikas beste Autoren trauern um Wallace

Die amerikanische Literaturszene reagierte gestern erschüttert auf die Nachricht vom Tod von David Foster Wallace (Tgbl. von gestern).

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Die amerikanische Literaturszene reagierte gestern erschüttert auf die Nachricht vom Tod von David Foster Wallace (Tgbl. von gestern). «Er war ein riesiges Talent, unser rhetorisch geschliffenster Schreiber», sagte sein Freund Jonathan Franzen, der Autor von «Die Korrekturen»: «Er war der netteste Mensch, den ich je kennengelernt habe – und auch der am meisten gequälte.»

Richard Powers, der Gewinner des «National Book Award» 2006 für seinen Roman «Das Echo der Erinnerung», sagte: «Er war der Beste unserer Generation, und sein Tod ist ein unbeschreiblicher Verlust.» Mit seinem schwarzen Humor, seiner überbordenden Phantasie und der glasklaren Sprache galt Wallace tatsächlich als einer der wichtigsten zeitgenössischen Schriftsteller Amerikas. Kritiker verglichen ihn gern mit Thomas Pynchon und Don DeLillo.

«Schmerzhaft witzig»

«David Foster Wallace kann praktisch alles», schrieb Michiko Kakutani, der Chef-Rezensent der «New York Times», einmal. «Er kann traurig, witzig, albern, herzerweichend und absurd sein – alles mit der gleichen Leichtigkeit; er kann es sogar alles auf einmal.»

Das berühmteste Werk des Autors, «Infinite Jest» (1996), ist in diesem Sinn ein Parforce-Ritt durch die Eigentümlichkeiten der selbstverliebten, medienversessenen US-Gesellschaft. Der überbordende Roman spielt in einem Reha-Zentrum für Drogenabhängige und einem elitären Tennisclub. Das «Time»-Magazin setzte das Buch auf die Liste der 100 besten englischsprachigen Romane seit 1923 – für seine «schmerzhaft witzigen Dialoge» und die «schier unendlich reiche Phantasie».

Hauptwerk auf Deutsch 2009

Im deutschen Sprachraum hat Wallace' «Opus Magnum» noch keine Übersetzung gefunden. Der Verlag Kiepenheuer & Witsch, der seinen Erstling «Der Besen im System» (2004) und seine bitterkomischen Sammlungen von Kurzgeschichten (wie «Kurze Interviews mit fiesen Männern», 2002) in deutscher Sprache herausgegeben hat, kündigt die Publikation von «Unendlicher Spass» (Infinite Jest) im Herbst 2009 an. An dem im Deutschen rund 1700 Seiten umfassenden Roman arbeite der Übersetzer Ulrich Blumenbach seit mehreren Jahren, heisst es.

Bei David Foster Wallace geht es immer wieder um die Themen Abhängigkeit, Depression und Selbstmord. Der Titel seiner Erzählung über eine Luxuskreuzfahrt in der Karibik gewinnt im nachhinein einen neuen Sinn: «Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich». (sda/red.)

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