«Am Rande der Belastbarkeit»

Professor Christoph Hürny ist Chefarzt der Geriatrischen Klinik am Kompetenzzentrum Gesundheit und Alter St. Gallen und Mitinitiant der Seminarreihe für Angehörige an Demenz erkrankter Menschen. Herr Hürny, was hat Sie zu dieser Veranstaltung bewogen?

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Professor Christoph Hürny ist Chefarzt der Geriatrischen Klinik am Kompetenzzentrum Gesundheit und Alter St. Gallen und Mitinitiant der Seminarreihe für Angehörige an Demenz erkrankter Menschen.

Herr Hürny, was hat Sie zu dieser Veranstaltung bewogen?

Christoph Hürny: Mittlerweile leben in der Schweiz gegen 100 000 Personen mit Alzheimer, meist im Alter von über 65 Jahren. Ausser den Patienten tragen oft die Angehörigen die Hauptlast. Um sie unterstützen zu können, haben wir die Seminarreihe organisiert.

Werden Angehörige alleine

gelassen mit ihren Sorgen?

Hürny: Alzheimer ist noch immer ein Tabuthema, professionelle Hilfe wird oft erst spät geholt. Dabei wird die Betreuung von Demenzkranken für die Angehörigen – meist Ehefrauen oder Töchter – mit fortschreitender Erkrankung immer belastender: Während er vergisst, dass er vergisst, bringen Betreuung und Überwachung ihnen einen 36-Stunden-Tag. Sie sind am Rande der Belastbarkeit und werden trotzdem von Schuldgefühlen geplagt. Ein Teufelskreis, der durchbrochen werden muss.

Wie werden sie unterstützt?

Hürny: Wir vermitteln nicht nur Wissenswertes über die Krankheit und ihre Formen, sondern thematisieren die belastende Situation und die damit verbundenen Gefühle. Wir suchen nach praktischen Betreuungs- und Entlastungsmöglichkeiten zu Hause und in Institutionen und gehen auch auf finanzielle und juristische Fragen ein. Interview: sj.

Nächste Seminarreihe: ab 18. Januar 2008, acht Nachmittage. Auskunft: Patrizia Braun, Leiterin Memory Clinic, Tel. 071 243 84 12 oder www.geriatrie-sg.ch

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