Alzheimer
Bessere Atemluft verlangsamt den geistigen Zerfall im Alter

Verringert man die Luftverschmutzung, sinkt auch das Risiko, an Alzheimer oder allgemeiner Demenz zu erkranken.

Christoph Bopp
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Feinstaub und Stickoxide, die bei der Verbrennung von fossilen Traibstoffen entstehen, sind Gift fürs Gehirn.

Feinstaub und Stickoxide, die bei der Verbrennung von fossilen Traibstoffen entstehen, sind Gift fürs Gehirn.

Wu Hong/Keystone

Alzheimer und andere neuro­degenerative Krankheiten nehmen zu. Leider gibt es immer noch wenig Anhaltspunkte, was man gegen die Krankheit machen kann. Immerhin hat sich jetzt ein Zusammenhang statistisch erhärtet, den man lange vermutet hat: die Belastung durch Luftschadstoffe und das Auftreten von Demenzkrankheiten.

«Wir wissen schon länger, dass Luftverschmutzung schlecht ist für unser Gehirn und für die allgemeine Gesundheit sowieso. Wir wissen auch, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Luftverschmutzung und der Entstehung der Amyloid-Plaques in unseren Gehirnen», sagt Claire Sexton, Direktorin für wissenschaftliche Programme der internationalen Alzheimer Association an der diesjährigen Konferenz des Verbandes in Denver.

«Aber was aufregend ist: Wir sehen Daten, die zeigen, dass eine Verbesserung der Luftqualität das Risiko verringert, an Demenz zu erkranken.»

Weniger Feinstaub und Stickoxide in der Luft

Bessere Luft führt zu gesünderen Atemwegen und allgemein zu einer höheren Lebenserwartung. Das haben Studien mehrfach bewiesen. Noch unklar war, ob verbesserte Luft sich auch positiv auf die Gehirnleistungen auswirkt. Xinhui Wang, Assistenzpro­fessorin für neurologische Forschung an der University of Southern California, untersuchte mit ihrem Team eine Gruppe von älteren Frauen (74 bis 92 Jahre).

Sie wiesen zu Beginn der Studie keine Anzeichen von Demenz auf und wurden von 2008 bis 2018 jedes Jahr getestet, ob sie eine Demenz entwickelten. Gleichzeitig wurde mit mathematischen Modellen die Luftverschmutzung an ihrem Wohnort geschätzt.

Im Lauf der Zeit zeigten die kognitiven Tests, dass die Frauen in ihren geistigen Leistungen erwartungsgemäss nachliessen. Die Frauen, die an Adressen lebten, wo sich die Luftqualität stärker verbessert hatte, zeigten ­allerdings einen verlangsamten Rückgang ihrer kognitiven Leistungen. Für die Luftqualität wurden die ­Standards der Environmental Protection Agency (EPA), der amerikanischen Umwelt­schutz­behörde, angewendet.

Entscheidend war die Feinstaubkonzetration (PM2.5, Partikel mit einem Durchmesser von 2,5 Mikrometern) und die Emissionen von Stickstoff­oxiden (NOx). Dabei verringerte sich das Demenz-Risiko der Teilnehmerinnen um 14 bis 26 Prozent je 10 Prozent der Emissionsreduktionen.

Schlecjhte Luft kann Ihr Gehirn beschädigen

Studienleiterin Wang erklärte, dass sich die Verlangsamung des Rückgangs in allen möglichen kognitiven Bereichen beobachten lasse. Das legt nahe, dass Luftverschmutzung das Gehirn allgemein in Mitleidenschaft zieht.

Eine ähnliche Studie aus Frankreich mit über 7000 Teilnehmern über 65 stellte fest, dass pro Mikrogramm Feinstaub weniger pro Kubikmeter Luft das Demenz-Risiko um 15 Prozent und das Alzheimer-Risiko um 17 Prozent sank. Das betraf die Jahre von 1990 bis 2000.

Bis ins Jahr 2050 werden sich die Fälle von Demenzerkrankungen global auf 152 Millionen verdreifachen, prognostizierten Forscher des Institute for Health Metrics and Evaluation der University of Washington. Das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung steigt.

Der positive Effekt von verbessertem Zugang zu Bildung wird durch dabei den Hang zu ungesunder Lebensführung mit den entsprechenden Risikofaktoren Übergewicht und Diabetes kompensiert.

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