Gameboy
Alles Gute zum 30. Geburtstag, Super Mario!

Eine Ode an den Helden der Videospiele der Kinder der 90er-Jahre.

Von Raffael Schuppisser
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Unverkennbar: Super Mario mit Schirmmütze und Schnurrbart.

Unverkennbar: Super Mario mit Schirmmütze und Schnurrbart.

HO

«Du warst der Held unserer Kindheit. Erst mit Dir machten Videospiele wirklich Spass. Bevor Du da warst, haben wir bestenfalls auf dem Gameboy Klötzchen gestapelt. Mit Dir sind wir dann durch fremde Länder gerannt, haben die Pyramiden besucht, sind über rollende Steine gesprungen, in Unterwasserwelten abgetaucht – und haben Prinzessin Peach befreit. Immer wieder aufs Neue. Ach, was war das doch für eine unbeschwerte (Videospiel-)Zeit.

Jetzt bist Du 30 Jahre alt – und die meisten von uns schon ein paar Jährchen älter. Doch Du – ja, das dürfen wir hier schon verraten – eigentlich auch. Denn was viele nicht mehr wissen, wir beide aber nie vergessen würden: Bevor Du im September 1985 dein eigenes Spiel bekamst, warst Du bereits im Game «Donkey Kong» zu Gast, als anonymer Jump-Man. Deinem Schöpfer Shigeru Miyamoto hast Du es zu verdanken, dass Du Dich vom namenlosen Pixelklumpen zum italienischen Klempner Super Mario gewandelt – und zum ersten Videospielheld avanciert hast.

Dein Konterfei mit Schirmmütze und Schnurrbart prangte auf Finken, T-Shirts und Turnsäcken und sogar auf Frühstücksflocken-Packungen. Und jetzt? Jetzt tragen die Kids Angry-Birds-Pullover. Ja, die wütenden Vögel aus dem gleichnamigen Gratisspiel. Ich verstehe, wenn Du wehmütig wirst. Diese Kinder wissen nicht, was es heisst, zu warten, bis sie zu Weihnachten ein «Super Mario»-Spiel bekommen – oder gar selber darauf zu sparen. Sie haben sich längst an kostenlose Games gewöhnt, wissen vielleicht nicht einmal, dass es einst anders war. Und Dich kennen sie womöglich nicht einmal mehr.

Schuld daran sind natürlich die Smartphones, sie haben zur Inflation der Billig-Games geführt. Die meisten sind nicht der Rede wert. Einige wenige kommen kurzzeitig gross raus, verschwinden aber bald wieder von der Bildfläche.

Dein Chef Satoru Iwata verwehrte Dir einen Auftritt auf den Smartphones. Er wollte Dich nicht so billig verkaufen. Super Mario, der grosse Videospielheld, der Du bist, sollte den Nintendo-Konsolen vorbehalten bleiben. Das ist edel. Aber auch dumm. Denn – bitte verzeih mir meine schonungslose Offenheit – ich kann mir nicht vorstellen, dass Nintendo mit einer Game-Konsole jemals wieder an die Erfolge des Gameboys und der Wii anknüpfen kann. Wenn Dir, lieber Super Mario, Smartphones, Tablets und Smart-TVs nicht bald zur neuen Heimat werden, wirst Du in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Kurz bevor Satoru Iwata, Dein langjähriger Chef, diesen Frühling verstarb, gab er bekannt, dass Nintendo künftig auch Smartphone-Games entwickeln werde. Das Internet jubelte: «Super Mario springt aufs Smartphone.» Obwohl noch gar kein Spiel mit Dir angekündigt wurde. Deine Zukunft zu sichern, das ist nun die Aufgabe von Tatsumi Kimi-
shima, der gestern zum neuen Nintendo-Konzernchef ernannt wurde. Der bisherige Personalchef sollte wissen, was sein wichtigster Mitarbeiter, also Du, brauchst. Er soll möglichst bald ein Smartphone-Spiel mit Dir ankündigen. Es wäre dein schönstes Geburtstagsgeschenk.

Ich wünsche es Dir von ganzen
Herzen, lieber Super Mario.»

Dein Freund, Raffael Schuppisser