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Alarmanlagen: Ein Schutzwall gegen die Angst

Die Anzahl Einbrüche nimmt ab, die Angst davor bleibt gross. Immer mehr Eigenheimbesitzer lassen eine Alarmanlage einbauen. Was veranlasst sie, einen Schutzwall zu errichten?
Sarah Coppola-Weber
Im Trend liegen moderne Steuerungen von Alarmanlagen via App. (Bild: Getty)

Im Trend liegen moderne Steuerungen von Alarmanlagen via App. (Bild: Getty)

Im letzten Jahr ist die Einbruchsrate um zwölf Prozent gesunken. Dank der erhöhten Sensibilisierung, der effizienten Prävention und Repression, sind sich die Fachleute sicher. Und dank der stabileren Bauweise. Trotzdem hat sich der Markt für Sicherheitsanlagen gewandelt: Immer mehr Privatkunden setzen auf immer ausgeklügeltere Sicherheitssysteme.

Wie kommt das? Weniger Einbrüche und trotzdem mehr Alarmanlagen fürs Eigenheim? Henry Tröhler vom Verband Schweizerischer Errichter von Sicherheitsanlagen SES hat eine Erklärung dafür: Zur Klientel von Sicherheitsanlagen gehörten zum einen wohlhabende Leute, die ihre Wertsachen schützen möchten. Zum anderen jene, die Angst haben, dass jemand in ihre Privatsphäre eindringt.

Der innere Horror wird auf die äussere Welt verlagert

Aus dem psychologischen Blickwinkel seien es Personen, die sich in der seelischen und körperlichen Integrität bedroht fühlen, erklärt die Psychotherapeutin Verena Rutz: «Man befürchtet, verletzt zu werden, die Kontrolle über die Situation zu verlieren, das eigene Territorium nicht verteidigen zu können. Das wird als tiefe Kränkung erlebt.» Eine Alarmanlage könne dazu beitragen, dass man sich sicherer fühle, wenn es um eine äussere Bedrohung gehe, sagt sie.

«Wenn man seelisch zerbrechlich ist, haben äussere Ereignisse eine grössere Wirkung auf das Sicherheitsbedürfnis.»

Oft verlagere man den inneren Horror auf die äussere Welt: Angst entsteht. Man will dieser entgegenwirken, die Grundbedürfnisse nach Sicherheit, Respekt und Autonomie schützen. Längerfristig sei eine Alarmanlage in diesem Fall unwirksam.

Und: Das Sicherheitsbedürfnis kann sich wandeln. Es ist bei veränderter Lebenslage, etwa wenn man eine Familie gründet, pensioniert wird oder den Partner verliert, besonders gross, sagt Psychotherapeutin Verena Rutz. «Vor allem ältere Menschen investieren in eine Alarmanlage.» Gewaltepisoden und Terroranschläge in der Welt haben indes keinen direkten Einfluss auf das Sicherheitsbedürfnis: «Wenn in der Umgebung Einbrecher am Werk sind, hat das derzeit eine grössere Bedeutung», sagt Rutz.

Sensoren als Schwachstelle

Doch nicht alles, was an Sicherheitssystemen angeboten wird, ist auch wirklich sicher. «Im Trend liegen mobile Steuerungen von Alarmanlagen via App», sagt Henry Tröhler und warnt: Die Applikationen seien oft nicht sicher genug und können von Hackern sabotiert werden. Die moderne Technik hat auch ihre Schattenseiten: «Überall, wo es Sensoren gibt, besteht eine Schwachstelle und somit Gefahr von Sabotageangriffen.» Auch Zusatzeinrichtungen wie Vernebelungssysteme, die beim Erkennen eines Einbrechers den Raum vernebeln, haben gewisse Haken:

«Man muss bedenken, wer im Fall einer Verletzung des Einbrechers, etwa durch einen Treppensturz, haftet.»

Ebenso gilt es bei der Ka­meraüberwachung, die in der Schweiz im Gegensatz zu Deutschland oder den südlichen Ländern weniger verbreitet ist, einige heikle Fragen zu beantworten: «Man muss klären, wie man den Datenschutz handhabt: Wo sind die Bilder gespeichert? Wer hat Zugriff darauf und in welchem Fall?», sagt Tröhler.

Dreierlei Massnahmen ergreifen

Wer ein Eigenheim baut und sich überlegt, eine Alarmanlage zu installieren, sollte nach dem Drei-Säulen-Prinzip verfahren: Mechanische, elektrotechnische und organisatorische Massnahmen sollten getroffen werden.

«Zu den mechanischen Schutzmassnahmen gehören geprüfte Türen und Fenster mit erhöhter Widerstandsklasse, die wirken abschreckend», sagt Henry Tröhler. Je stabiler die Angriffsobjekte, desto länger muss sich der Einbrecher daran zu schaffen machen. Und desto grösser ist die Gefahr, dass er entlarvt wird.

Vorsicht vor Onlinekäufen

In Sachen Elektrotechnik muss geklärt werden, was für eine Art von Sicherheitssystem zum Zug kommen soll: Eine Alarmanlage mit Bewegungsmelder, mit Vernebelung oder ein Kameraüberwachungssystem? In organisatorischer Hinsicht ist es wichtig zu wissen, was man unternimmt, sobald der Alarm losgeht. Laut Tröhler macht es keinen Sinn, per Handy alarmiert zu werden, ohne dass der Anruf zu einer professionellen Alarmempfangszentrale gelangt, die Tag und Nacht erreichbar ist und für eine Intervention sorgen kann.

Auch Markus Stauffer, der lange in der Stadt- und Kantonspolizei Bern tätig war, bevor er zur Schweizer Kriminalprävention wechselte, plädiert dafür, eingehende Überlegungen zu tätigen, bevor man eine Alarmanlage kauft: «Als technisches Produkt kann sie anfällig auf Falschalarm sein, man muss wissen, wie man sie ein- und ausschaltet und ob sie vor Kinderhänden geschützt ist.» Sicherheitsberatungen vor Ort seien das A und O, Onlinekäufe tabu.

«Am wichtigsten ist es, eine Gefahrenanalyse durchzuführen», sagt Henry Tröhler. Das heisst, herauszufinden, ob überhaupt Gefahr besteht, wie wahrscheinlich es ist, dass etwas passiert und was dies für Auswirkungen hat.

Angst vor Gewalt und Kontrollverlust

Jeder Mensch habe ein subjektives Sicherheitsgefühl, sagt auch Markus Stauffer. Verkäufer, die den Kunden durch Schauergeschichten Angst einjagen, sind den Fachleuten ein Dorn im Auge. Der Verband Schweizerischer Errichter von Sicherheitsanlagen SES bietet daher eine neutrale Beratung.

Wie viele kantonale Polizeiberatungsstellen auch. Der neugegründete Verein «Sicheres Wohnen Schweiz» bildet produktneutrale Sicherheitsberater aus, die im Laufe des nächsten Jahres für die Bevölkerung im Einsatz stehen werden.

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