«Al Porto», Staad: Saint-Tropez vor der Haustür

Wir reiben uns die Augen, doch wir sind wirklich «nur» in Staad. Nicht in Saint-Tropez, auch nicht an der italienischen Küste und schon gar nicht in den Ferien.

Drucken
Teilen

Wir reiben uns die Augen, doch wir sind wirklich «nur» in Staad. Nicht in Saint-Tropez, auch nicht an der italienischen Küste und schon gar nicht in den Ferien. Und doch blicken wir auf Palmen, Olivenbäume und Schiffsmasten, am Pier stöckeln geschminkte Damen im Abendkleid hin und her, braungebrannte Herren in Polohemden und Segelschuhen sitzen bei Rotwein und Zigarre, ein Fischer wirft im Sonnenuntergang seine Rute aus.

Ein Buddha gegen Regen

In dieser Atmosphäre am Yachthafen in Staad kann man zwischen Ostern und September ein Mittag- oder Abendessen geniessen. Graziano Calovi hat hier vor drei Jahren eine Küche ans Wasser gebaut, Tische aufgestellt und darüber grosse Segel gespannt. Seither bietet der gebürtige Südtiroler im «Al Porto» italienische Küche an. Marktfrisch, schnörkellos und in lockerer Atmosphäre. Das Seerestaurant ist nur bei schönem Wetter geöffnet – eine Buddha-Statue soll helfen, die Regenwolken abzuwehren.

Eigener Weinimport

Calovi hat sein Handwerk im elterlichen Hotel in Südtirol sowie in Mailand, in der Toscana und in Sardinien gelernt. Nun serviert er im «Al Porto» seine authentisch italienischen Gerichte, und die passenden Weine dazu aus dem Piemont, Friaul oder Veneto importiert er gleich selber. Die Speisekarte überzeugt durch eine feine Fisch-, Fleisch- und Pasta-Auswahl sowie durch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Natürlich ist auch hier ein gutes Stück Fleisch nicht billig, aber die meisten Nudelteller kosten nicht einmal 20 Franken. Wir starten mit einem Rindscarpaccio mit Rucola und Parmesan (23.–), einem Vitello Tonnato (20.–) und einem Tintenfisch-Salat (18.–), den uns der Kellner empfiehlt. Alles schmeckt frisch und lecker, und wir fühlen uns schon jetzt wie in den Ferien. Die Kellner parlieren auf Italienisch, Stimmen und Lachen liegen in der Luft, die Yachten schaukeln vor uns sanft im Hafen.

Das Essen zählt

Für den Hauptgang wählen wir die Spaghetti «Al Porto» mit Olivenöl, Knoblauch, Peperoncini, Tomaten, Basilikum und Weichkäse (20.–), den Seeteufel mit Tomaten, Oliven und Kapern (39.–) und die Rindfleisch-Tagliata vom Grill (36.–) mit Rosmarin-Kartoffeln. Auch diese Teller sind ohne Schnickschnack angerichtet, und zum Fisch wird kein eigenes Messer serviert. Sympathisch, denn man merkt, dass hier das Wichtigste zählt: das Essen. Nicht alles steht allerdings auf der Karte, deshalb sollte man unbedingt nach den Empfehlungen fragen. Mit etwas Glück kommt so ein Steinpilzcarpaccio auf den Tisch oder, wie bei unserem Besuch, ein Octopus-Salat.

Es geht auch ohne Yacht

Die Dessertkarte ist wiederum schnörkellos: Caramelköpfli, Tiramisu, Panna Cotta und Glace – fertig. Zusammen mit dem kräftigen Espresso genügt das auch.

Unser Eindruck: Ein Sommerabend im «Al Porto» ist wie Ferien vor der Haustür. Und auch ohne eigene Yacht braucht man sich hier nicht zu verstecken.

Roger Berhalter

Al Porto, 9422 Staad Hauptstrasse 43 071 850 91 34 und 078 922 91 34 www.alportolounge.ch Öffnungszeiten: So–Fr ab 11 Uhr, Sa ab 17 Uhr (nur bei schönem Wetter) Karte: Vorspeisen 7.50 bis 24.–, Hauptspeisen 17.50 bis 48.–

Aktuelle Nachrichten