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Diese sechs Berufe gibt es nur noch als Nachnamen

Viele Berufe haben nur als Familiennamen überlebt. Ein Buch zeigt die verschwundenen Berufe auf und dokumentiert den steten Wandel in der Berufswelt. Heute treibt die Digitalisierung diesen an.
Urs Bader

Spinner

Das Spinnen ist eines der Handwerke, das wohl von Anfang an in Frauenhand lag. Als Werkzeug wurde zunächst die rotierende Handspindel eingesetzt, ab dem 13. Jahrhundert tauchte in Europa auch das Spinnrad auf. Verarbeitet wurden tierische und pflanzliche Fasern, aus denen dann Kleider, Decken, Teppiche gewoben wurden. Schon im 18. Jahrhundert setzte hier in England die Indus­trialisierung ein, die viele Familien um ihren Broterwerb brachte. ­Soziale Unruhen und Maschinenstürmerei waren die Folge.

Pulvermacher

Das Kriegshandwerk hat immer den technischen Fortschritt befördert und auch allerlei Berufe hervorgebracht, unter ihnen den Pulvermacher. Diese stellten Sprengstoff her, der zunächst vor allem als Treibmittel für Geschosse verwendet wurde. So spricht man denn auch von Schiesspulver. Das älteste ist Schwarzpulver, eine Mischung aus pulverisiertem Salpeter, Schwefel und Holzkohle. Die Verwendung von Schiesspulver als Treibmittel in «Büchsen» lässt sich in Europa erst nach 1313 nachweisen.

Bader

Bis ins 19. Jahrhundert waren Bader für Körperpflege und wundärztliche Versorgung der Bevölkerung zuständig. Sie gingen ihrer Tätigkeit in Badstuben nach, die meist im Besitz von Städten waren. Dort war es ihnen auch erlaubt, Leute mit Salben zu behandeln, Blutegel und Schropfköpfe anzusetzen, Zähne zu brechen oder zur Ader zu lassen. Die Bader sahen ihre Tätigkeit, zu der auch chirurgische Eingriffe gehörten, als Handwerk und lernten es auch so. Konkurrenten waren die Barbiere und im militärischen Kontext die Feldscherer.

Flösser

Als Flüsse als Transportwege noch eine wichtigere Rolle spielten als heute, war der Beruf des Flössers verbreitet. Einerseits waren die Flösse selbst Transportgut, nämlich Holz, das in die Städte gebracht wurde, zu Bergbauzentren oder Eisenwerken. Auch in der Schweiz wurden die Flüsse befahren; über Rhein, Rhone und Inn wurde Holz exportiert. Geflösst wurden aber auch andere Güter. Heute wird nur noch in wenigen Weltgegenden geflösst, so in Skandinavien oder an der Westküste Kanadas. Die Flösserarbeit verrichten meist Schleppkähne.

Eisenschmid

Die Eisenschmiede – bei uns wurde daraus der Name Isenschmid – gelten als die ersten eigentlichen Handwerker und genossen hohes Ansehen. Schmiede, vor allem Hufschmiede, sind nicht ganz verschwunden, und feiern als Kunsthandwerker gerade eine kleine Renaissance. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, wie durch Arbeitsteilung und Spezialisierung stets neue Berufe entstanden: etwa Messer-, Nagel-, Zeug- oder Hufschmiede und Schlosser. Dabei gab es auch schon Gold-, Silber- und Kupferschmiede – wor­aus ebenfalls Namen wurden.

Löher/Loher

Löher schälten üblicherweise im Mai, wenn der Saft steigt, die Eichenrinde vom stehenden Stamm, die zur Lohegewinnung an die Gerber geliefert wurde. Die Lohgerber oder Rotgerber verarbeiteten Rinderhäute zu strapazierfähigen, kräftigen Ledern etwa für Schuhsohlen, Stiefel oder Sättel. Rotgerber deswegen, weil mit Eichenlohe gegerbtes Leder rot bis braun ist. Auch der Lohgerber wird je nach Gegend Löher – oder Loher – genannt. Die Nachfrage nach Eichenlohe nahm ab, als am Ende des 19. Jahrhunderts Gerbstoffe importiert wurden.

250 anerkannte Berufe in der Schweiz

Der rasche technologische Wandel dürfte in naher Zukunft zu tiefgreifenden Veränderungen im Arbeitsmarkt führen. 25 von 100 Beschäftigten arbeiten ­heute in Berufen, die grösstenteils oder ganz von Computern oder Maschinen erledigt werden können. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Betroffen sind nicht nur Arbeiter am Fliessband, sondern auch Bäcker, Buchhalter, Bank- und Versicherungsangestellte. Allerdings entstehen verbunden mit der Digitalisierung und dem immer häufigeren Einsatz von Robotern ja auch stets neue Berufe. Entscheidend ist die Bilanz: Wie viele Berufe verschwinden, wie viele entstehen neu?

Die Nürnberger Forscher gehen davon aus, dass sich die beiden Entwicklungen ungefähr die Waage halten.Kommt hinzu, dass handwerkliche Tätigkeiten eine Renaissance erleben, die fast oder ganz verschwunden waren – dies als Gegentrend zur industrialisierten Massenproduktion: Bier brauen, Papier schöpfen, töpfern, Massschuhe herstellen. Und gefragt ist plötzlich auch wieder handwerklich hergestelltes Brot aus der Kleinbäckerei. Massgebend ist nicht nur die Nachfrage, sondern sind auch Leute, die sich alte Fertigkeiten wieder aneignen. Aber auch unabhängig von der Digitalisierung verschwinden Berufe und entstehen neue. In der Schweiz gibt es rund 250 anerkannte Berufe; die Liste wird regelmässig aktualisiert.

Gemäss Angaben des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation sind in den letzten Jahren beispielsweise folgende berufliche Grundbildungen für Männer und Frauen aufgehoben worden: Tiefdruckgraveur, Zementmaschinist, Fotolaborant, Etuimacher, Chemist. Neu kamen etwa hinzu: Systemgastronomie-Fachfrau, Entwässerungstechnologin, Hörsystemakustikerin, Medizinal­produkte-Technologe, Chemie- und Pharmapraktiker. Erarbeitet werden die neuen Berufsbilder von der jeweiligen Branche in Kooperation mit Behörden von Bund und Kantonen. Wichtiges Kriterium: Die neue Grundbildung muss sich an tatsächlich nachgefragten beruflichen Qualifikationen orientieren und an den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts und der Gesellschaft. (ub)

Rudi Palla: Die Welt der verschwundenen Berufe, Insel Verlag, 294 S., Fr. 27.–

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