25 Jahre auf Sendung
Patricia Boser erklärt ihr Erfolgsgeheimnis: «Mein Interesse ist nie gekünstelt»

Die Kultsendung «Lifestyle» auf TeleZüri mit Patricia Boser feiert kommende Woche das 25-jährige Jubiläum. Zeit für ein intimes Gespräch mit der Schweizer Moderatorinnenikone.

Rahel Koerfgen
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«Ich mache das, solange es Spass macht, und das ist jetzt zu 100 Prozent der Fall»: Patricia Boser denkt nicht ans Aufhören.

«Ich mache das, solange es Spass macht, und das ist jetzt zu 100 Prozent der Fall»: Patricia Boser denkt nicht ans Aufhören.

Bild: Andrea Camen

Das Konzept funktioniert noch immer: In der Sendung «Lifestyle» besucht Patricia Boser Prominente in ihrem Zuhause und fühlt ihnen auf den Zahn. Vor 25 Jahren wurde der Pilot auf TeleZüri mit Géraldine Knie ausgestrahlt. Grund genug, die Korken knallen zu lassen: Am 7. Mai steht die 53-jährige Moderatorin im Mittelpunkt einer grossen Jubiläumssendung. Wir haben ihr bereits im Vorfeld ein paar Erinnerungen entlockt.

Ein Vierteljahrhundert «Lifestyle» – was löst dieses Jubiläum für ein Gefühl in Ihnen aus?

Patricia Boser: In erster Linie: Freude. Es berührt mich, dass mir mittlerweile drei Generationen zusehen. Es ist schon der Wahnsinn, mehr als 1200 Sendungen sind es jetzt. Das schreit fast nach einem Buch.

Wenn jemand seine Memoiren niederschreiben sollte, dann Sie.

Ernsthaft habe ich mir das noch nie überlegt, aber ich schliesse ein Buchprojekt definitiv nicht aus. In unserem Haus in Südfrankreich liesse es sich gut schreiben, mit Blick auf den Leuchtturm.

Klingt doch gut!

Die Frage ist nur: Interessiert das überhaupt jemanden?

Sicher, Sie sind ja selber ein Promi. Ist das mit ein Grund, warum Ihre Gäste so offen sind in der Sendung, frisch von der Leber weg plaudern?

Also, es findet schon jeweils ein Vorgespräch statt. Da spüre ich, wie weit ich gehen darf. Aber ja, sie sehen mich ein bisschen als eine von ihnen an, das macht sie sicher gesprächiger. Sie spüren aber auch, dass ich Menschen wahnsinnig gerne mag. Mein Interesse ist nie gekünstelt.

Zur Person

Patricia Boser – TV-Legende
Bild: Diana Kottmann

Patricia Boser – TV-Legende

Die 53-jährige Zürcherin startete ihre Karriere als Moderatorin bei Radio 24. Bekannt wurde sie durch die Sendungen ZüriDate und später Lifestyle. Letztere wird noch heute auf Tele Züri und weiteren Sendern ausgestrahlt. Daneben arbeitet sie als Gastgeberin in den Restaurants des Unternehmers Michel Péclard.

Sind Geheimnisse sicher bei Ihnen?

Und wie. Meine Gäste vertrauen mir oft Dinge an, wenn die Kamera aus ist. Vertrauen ist wichtig in diesem Geschäft. Wenn du das einmal missbrauchst, spricht sich das schnell rum, dann kommt niemand mehr in die Sendung.

Kam es trotzdem mal zu Unstimmigkeiten? Gar zum Abbruch eines Drehs?

Das nicht, aber kurzfristige Absagen gab es. Und Situationen, in denen ich mich geekelt habe bei gewissen Leuten zu Hause, da ging ich nicht mal aufs WC. Namen nenne ich natürlich nicht.

Ganz am Anfang stand die Pilotsendung am 3. Mai 1996 mit Géraldine Knie. Wie erging es Ihnen?

Ein Riesendruck war das! Weil ich bereits das «Züri Date» moderiert hatte, kam intern schnell die Frage, warum jetzt schon wieder «die Boser» eine Sendung bekommt – der damalige Chef Roger Schawinski bestand darauf. Umso mehr musste ich mich beweisen. Nicht jeder hat mir das gegönnt, da gab es einige Moderatorinnen, die hätten alles getan für so ein Format.

Sie hatten seither mehr als 1000 Gäste in Ihrer Sendung. Welches Treffen ging Ihnen unter die Haut?

Da gibt es viele. Aber als Theaterenthusiastin war es mit Schauspielikone Walter Roderer etwas ganz Besonderes. Seine Bedingung für eine «Lifestyle»-Teilnahme war, dass wir zusammen seinen Christbaum schmücken. Ein magischer Moment ohne Kameras.

Sie haben praktisch der ganzen Schweizer Promiriege in den Kühlschrank geschaut. Gibt es jemanden, der noch fehlt, den Sie sich schon lange als Gast wünschen?

Roger Federer und seine Mirka hätte ich wahnsinnig gerne, wie halt alle Journalisten. Ich verstehe, wenn eine Homestory nicht möglich ist. Dafür gibt es dann noch meinen Sommertalk.

Sie mischen nicht nur am TV, sondern auch bei der Social-Media-Plattform Instagram kräftig mit. Mit bald 16'000 Followern kann man Sie durchaus als Influencerin bezeichnen...

Ja, es macht mir einfach grossen Spass – und es ist mittlerweile ein wichtiges Standbein für mich. Auf Instagram gewähre ich regelmässig Einblicke in meinen Alltag; so kann ich meiner Community noch näher sein. Mein 17-jähriger Sohn steht mir dabei immer wieder zur Seite, er hat da ein gutes Händchen.

Instagram gilt auch als Fake-Welt, da werden Filter über Filter gelegt, Falten wegretuschiert, Gesichter bis zur Unkenntlichkeit verändert...

Ich versuche, so wenig Filter wie möglich zu nutzen respektive mit einem Filter bestimmte Bildelemente hervorzuheben. Ich zeige mich immer so, wie ich bin, stehe auch zu meinen Lachfalten – Authentizität ist mir sehr wichtig.

Wie steht Ihr Sohn zu «Lifestyle»?

Er begleitete mich in der Vergangenheit immer wieder an Drehs und Anlässe, unterstützt mich heute noch bei der Vorbereitung, motiviert mich. Wir sind ein richtiges Dream-Team.

Könnte es sein, dass er dereinst in Ihre Fussstapfen tritt?

Das weniger, aber er würde sehr gerne was gemeinsam mit mir machen, einen Podcast oder eine Radiosendung. Seine Stimme klingt super.

Ihre Sendung ist Kult. Was schauen Sie sich am liebsten im TV an?

Im Moment steht die Serie «The Blacklist» auf Netflix ganz hoch bei mir im Kurs. Die macht süchtig, ich bin ein grosser Krimi-Fan, das Ermittler-Gen steckt in mir. Deshalb schaue ich am Sonntag auch den Tatort. Das weckt Kindheitserinnerungen, wir haben das stets mit den Eltern angesehen, Schimanski habe ich geliebt! Heute mag ich den Schweizer Tatort mit Rachel Braunschweig. Was für eine Frau, wow! Und ich habe gehört, sie sei sehr lustig.

Sie war noch nicht in Ihrer Sendung?

Nein, aber sie steht schon lange auf meiner Wunschliste. Ich habe sie nun via einen gemeinsamen Visagisten angefragt. Hoffentlich klappt’s!

Das klingt nach einem Fan-Moment.

Sicher, das gibt es immer wieder mal.

Wie gehen Sie mit Lampenfieber um?

Ich lasse es geschehen, es gehört zu diesem Geschäft, dieses Prickelnde, dieses «Jetzt gilt’s». Richtig nervös bin ich jedoch, wenn ich selber interviewt werde. Dann fühle ich mich ausgeliefert.

Das wird in der Jubiläumssendung kommende Woche der Fall sein, wenn Moderator Marco Fritsche zu Ihnen nach Hause kommt. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Ich gehe davon aus, dass er meinen Kühlschrank inspizieren wird – ich werde also dafür sorgen, dass dieser voll ist.

25 Jahre «Lifestyle»: Machen Sie sich anlässlich dieses Jubiläums Gedanken übers Aufhören?

Im Gegenteil! Ich mache das, solange es Spass macht, und das ist jetzt zu 100 Prozent der Fall. So eine Sendung ist wie ein eigenes Baby. Solange die Einschaltquoten stimmen, die Sponsoren glücklich sind und ich mit so viel Leidenschaft dabei bin, sehe ich keinen Grund dazu.

Unter diesem Link können Sie die allererste «Lifestyle»-Sendung mit Patricia Boser und ihrem Gast Géraldine Knie nochmals miterleben: www.telezueri.ch