Fashion Made in Switzerland: 150 Meter Reissverschluss für ein Kleid

Gucci-Schuhe mit 1-Yen-Münzen und ein modisches Spiel mit den Geschlechtern. An der Mode Suisse Edition in Zürich wurden zehn Schweizer Labels inszeniert.

Edith Arnold
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Wurstketten hängen am Kleiderständer von «Collective Swallow». Die Metzgete habe sie inspiriert, sagt Anaïs Marti. Wenig später eröffnet ihre Kollektion die 15. Ausgabe der Mode Suisse in Zürich. Zu Fanfaren und London-Underground-Dance-Rhythmen werden abricot-, kürbis- und fleischfarbene Entwürfe serviert. Die «übercoolen» Trenchcoats oder Sweatshirt-Kleider könnte man sich sofort draussen auf der Strasse vorstellen.

Zweimal pro Jahr zeigt die Mode Suisse um Yannick Aellen eine Selektion junger Schweizer Labels. Zum Konzept gehört die Kombination von Showroom, Show und Direktverkauf. In den unteren Zonen des Migros-Museums für Gegenwartskunst wurden die Kollektionen ausgestellt, in den oberen über den Laufsteg geschickt. Es zirkulierte eine bunte Mode- und Designszene.

Bei «Head» irritieren XXL-Hüte und Kopfstrümpfe. Doch die zwei Vorzeigedesigner der Hochschule für Kunst und Design aus Genf ergänzen sich gut. Quynh Bui zeigt dekonstruktive Silhouetten in schönem Denimblau oder Leuchtorange. Dagegen wirken Bryan Colòs Entwürfe wie fluchtartig übereinandergeworfen.

Ein skulpturales Highlight nach dem anderen bietet Giancarlo Bello mit dem Label «Amorphose». Der Designer aus Lugano ist erstmals an der Mode Suisse. Mit tüllartigem Schutzschild zu Oberteil und Hose, alles ganz in Rot, lässt er die dunkelhäutige Toni Dreher über den Catwalk laufen. Rüschen und Wellen inszeniert er immer anders: Seitlich bei einem Zweiteiler aus schwarz-roten Karos aus Stoff, am Rücken eines schwarzen Outfits aus Reissverschlüssen. 150 Meter hat er allein für dieses Stück verarbeitet. Und wegen des Klangs hat er silbrige Gucci-Schuhe mit 348 1-Yen-Münzen versehen, was gerade mal schlappen 3.20 Franken entspricht. Sie sind unverkäuflich. Dafür wären Hosen und Oberteil aus Leder mit seitlichem Reissverschluss für ein Schnäppchen zu haben, wie sich später im Showroom herausstellt.

Gegen heteronormatives Rollenbild

Das Basler Label «After Work Studio» ist, was es suggeriert: elegant, sportlich, wettertauglich, mit erfrischendem Gelb oder abenteuerlichem Rot zu Nude in Kombination mit rasselndem Silberschmuck. Für positive Stimmung sorgt die Kollektion von «Jacqueline Loekito» aus Basel. Sie besteht aus rosa-rotem Strick, Pelz oder Stoff in unterschiedlichsten Silhouetten. Es geht mitunter ums Auflösen von «heteronormativen Vorurteilen».

Auch die Exponate von «Forbidden Denimeries» aus Genf spielen mit Geschlechtern: Zu den Musen von Mikael Vilchez gehören Tänzerin Pina Bausch und Sängerin Jennifer Lopez. Den weiblichen Spirit übersetzt der «preisgekrönte» Mode-Suisse-Newcomer in berauschende Denim-Variationen für Männer. Wobei Teile wie «Diva Plavalaguna» auch weibliche Kaufgelüste wecken. Nach der Show posieren zwei Models im Showroom in aktuellen «Männerkleidern».

An der Mode Suisse konnten über tausend Besucherinnen und Besucher hautnah inspiriertes Design aus der Schweiz erleben. Hoffentlich machen sich die fairen Preise für die Designer bezahlt.