Trance
«Dihei staye, zu Berset praye»: Das Frauenfelder-Appenzeller Duo Capslock Superstar legt ein Album unter Einfluss von Corona vor

«Megamix», das erste Album des Duos Capslock Superstar, entstand im Lockdown im Frühling. Musikalisch taumelt es zwischen Trance-Synthesizern, Après-Ski-Geballere und melancholischen Sphären. Dazu verbreitet Sängerin Jessica Jurassica Spoken-Word-Poesie und Autotune-Geheul.

Roger Berhalter
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«Job weg, Kultur weg, Clubs weg, Social life weg»: DJ Netlog (mit Gitarre) und Jessica Jurassica sind Capslock Superstar.

«Job weg, Kultur weg, Clubs weg, Social life weg»: DJ Netlog (mit Gitarre) und Jessica Jurassica sind Capslock Superstar.

Bild: Markus Schneitler/PD

Was soll man tun, wenn man von einem Tag auf den anderen arbeitslos geworden ist, weil man nichts Systemrelevantes, sondern nur irgendetwas mit Kultur macht? Diese Frage stand am Anfang des Projekts Capslock Superstar. Heute, pünktlich zum Heiligabend, aber ganz und gar nicht passend zum besinnlichen Fest, erscheint das erste, laute Album des Duos: «Megamix».

Hinter Capslock Superstar stecken keine Unbekannten. Texte und Stimme kommen von Jessica Jurassica, der anonymen Sturmmasken-Autorin aus dem Appenzellerland.

Jessica Jurassica.

Jessica Jurassica.

Bild: PD

Die Musik hat der Frauenfelder Künstler David Nägeli produziert, der hier als DJ Netlog in Erscheinung tritt.

David Nägeli alias DJ Netlog.

David Nägeli alias DJ Netlog.

Bild: PD

Neun Songs aus dem Lockdown

«Megamix» vereint in 36 Minuten neun Songs. Geschrieben wurden sie alle in Hugelshofen im Thurgauer Hinterland. Der Legende nach wurde Capslock Superstar genau dann gegründet, als der Bundesrat im Frühling den ersten Lockdown verkündete.

«Job weg, Kultur weg, Clubs weg, Social life weg», reimt Jessica Jurassica, und es sind nicht die einzigen Zeilen zur Pandemie. «Megamix» dürfte unter Einfluss verschiedener Substanzen entstanden sein, ganz sicher aber unter dem Einfluss von Corona. «Bleiben Sie zu Hause!», der Appell des Bundesrats, wird bei Capslock Superstar zu «Dihei staye, zu Berset praye.»

Jessica Jurassica wechselt dabei souverän von Spoken-Word-Poesie zu zeitgenössisch verzerrtem Autotune-Geheul. «Moonlight, Freiheit, Instagrind»: Unterschiedlichstes bringt sie zusammen.

Musikalisch taumelt «Megamix» zwischen Trance-Synthesizern, Après-Ski-Geballere und melancholischen Sphären. So laut sollen die Beats stampfen, «dass die Festungsmauern dieses selbstherrlichen und menschenverachtenden Kontinents erzittern», heisst es im Text zum Album. Gemeint ist Europa.

Das Schlimmste kommt erst noch

Im letzten Stück «Anthropozän» gehen Capslock Superstar noch einen Schritt weiter und Richtung Klimawandel. Jessica Jurassica fantasiert davon, wie sie mit dem letzten Tropfen Kerosin ans Ende der Welt fliegt. Das verheisst nichts Gutes: Corona war ein Klacks, die wahre Katastrophe kommt erst noch.

Album erhältlich unter www.capslocksuperstar.eu