Bach-Kantaten

Die Fans müssen weiter warten: Die J. S.-Bach-Stiftung musiziert am Freitag in der leeren Olma-Halle

Wegen Corona hat das Kantatenprojekt der St. Galler J. S.-Bach-Stiftung 2020 ein Sabbatjahr einlegen müssen. Für die Aufführungen ist man für 2021 von der evangelischen Kirche Trogen in die Olma-Halle ausgewichen. Übermorgen startet hier das neue Kantatenjahr. Weiterhin ohne Publikum.

Martin Preisser
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Ein Bild aus besseren Tagen: Rudolf Lutz dirigierte im Dezember 2017 in der evangelischen Kirche Trogen J. S. Bachs «Weihnachtsoratorium».

Ein Bild aus besseren Tagen: Rudolf Lutz dirigierte im Dezember 2017 in der evangelischen Kirche Trogen J. S. Bachs «Weihnachtsoratorium».

Bild: Hanspeter Schiess

Es wird ein Geisterkonzert, wenn Chor, Orchester und Solisten der St. Galler J. S. Bach-Stiftung unter ihrem Dirigenten Rudolf Lutz am Freitag nach der Corona-Zwangspause im letzten Jahr ihre seit 2006 monatlich durchgeführten Kantatenaufführungen fortsetzen. «Wir wollen unbedingt in die Produktion der der Kantaten zurück, das ist der Stiftungsauftrag und Stiftungszweck», unterstreicht es Xoan Castineira, Geschäftsführer der Bach-Stiftung. Das Jahr 2020 sei anspruchsvoll in jeder Hinsicht gewesen, sagt der gebürtige Spanier und freut sich über Spenden und Zuwendungen an die Stiftung «wie noch nie». Die riesige Fangemeinde überall auf der Welt habe der Bach-Stiftung in einem Jahr ohne Live-Konzerte enorm den Rücken gestärkt.

Ein Markenzeichen der Kantatenaufführungen ist - als äusserer Rahmen - die helle, optimistische Atmosphäre der evangelischen Kirche in Trogen. Auf dieses Ambiente müssen die vielen Fans (eine besonders grosse Fangemeinde gibt es in Lateinamerika) im Moment verzichten. Die Bach-Stiftung ist für 2021 in die Olma-Halle gezogen. Hier können die Hygienekonzepte besser umgesetzt werden. «Sie werden alle aus Saba kommen» heisst die Bach-Kantate BWV 65. Gemeint sind die heiligen drei Könige. Auch sie hätten gegenwärtig in der Olma-Halle keinen Zutritt. Das Konzert, bei dem die Orchestermitglieder Masken tragen, findet ohne Publikum statt. Der für diese Kantate recht grosse Chor von rund zwanzig Mitgliedern steht mit weitem Abstand und sei quasi eine «Truppe von Einzelsängern», wie es in der Konzertankündigung des Bach-Stiftung heisst.

Freut sich über den enormen Zuspruch weltweit: Der Geschäftsführer der St. Galler J. S.-Bach-Stiftung Xoan Castineira.

Freut sich über den enormen Zuspruch weltweit: Der Geschäftsführer der St. Galler J. S.-Bach-Stiftung Xoan Castineira.

Bild: Severin Bigler

Für die Bach-Stiftung, die für ihre Live-Videos, für ihre CDs und Streaming-Aktionen auf höchste, in der internationalen Bach-Fachwelt längst anerkannte Perfektion setzt, sind die Olma-Räumlichkeiten ein Experiment und eine Herausforderung. Das erste Olma-Konzert wird wie alle anderen auch auf CD erscheinen und ist ab Freitag in Direktübertragung und bis Sonntag online zu sehen. Der Theologe Arend Hoyer wird als Referent über das Thema «Was Musik andächtig macht» sprechen.

Aufgenommen wird der Anlass wiederum durch die Profis von Gallus Media St. Gallen, die Erfahrungen mit der Halle haben. Da gilt es beispielsweise auch, die wegen Corona genauen Lüftungs- und Raumklima-Auflagen zu berücksichtigen, ohne dass diese die Tonaufnahmen stören. Die treuen Hörer wie die Bach-Stiftung selbst hoffen auf eine baldige Rückkehr zu einer gewissen Normalität. Sollte das Publikum in Zukunft wieder zugelassen sein, hat die Olma-Halle für die Bach-Stiftung, die seit einem Jahr auf die Einnahmen aus Eintritten verzichten muss, auch einen Vorteil: Es könnten hier viel mehr Tickets verkauft werden als in der von der Platzzahl beschränkten Kirche Trogen.

Für die Teilnahme am Live-Streaming (Freitag, 15. Januar, ab 17.30 Uhr) muss man unter info@bachstiftung.ch einen Zugangscode anfordern. www.bachstiftung.ch; www.bachipedia.org