Benefizkonzert
Der ungarische Meisterpianist hilft der Gaiser Konzertagentur

Auch Weltstars spielen gratis, um anderen Musikern wieder Auftritte zu ermöglichen. Sir Andras Schiff hat letzten November in Zürich grosszügig zwei Konzerte ohne Gage gespielt. Am Sonntag wird das zweite Konzert im Stream nochmals gezeigt. Und man darf spenden. Die Konzertagentur Hochuli in Gais kann damit neue Aktionen planen.

Martin Preisser
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Sir Andras Schiff bei seinem Auftritt am Lucerne Festival 2017.

Sir Andras Schiff bei seinem Auftritt am Lucerne Festival 2017.

Bild: Manuela Jans

Solche Initiativen resultieren auch aus einer langen guten Zusammenarbeit zwischen Künstler und Agentur: Seit vielen Jahren vertritt die Konzertagentur von Jürg Hochuli in Gais exklusiv den Weltklassepianisten Sir Andras Schiff. Vor fünfzig Zuschauern hat der ungarische Starmusiker am 30. November in St. Peter Zürich zwei Rezitals gespielt. Auf sein Honorar hat er verzichtet.

Es fliesst, genau wie der Reinerlös der Konzertagentur, in eine Konzertreihe unter dem Titel «Wir machen Konzert!», die es freischaffenden Musikerinnen und Musikern ermöglicht, in Coronazeiten und unter Coronabedingungen weiterhin ihrem Beruf nachzugehen. Der zweite des Teil des Schiff-Rezitals ist am Sonntag als einmaliger Livestream nochmals zu erleben. Mit Spenden für das virtuelle Erlebnis kann man die Konzertreihe «Wir machen Konzert!» zusätzlich unterstützen.

Ein Klavierabend, der Corona vergessen lässt

Sir Andras Schiff spielt ein wunderbares Programm, mit seiner interpretatorischen Klugheit, mit seinem pianistischen Feinsinn und mit der ihm eigenen intensiven Verinnerlichung. Im Livestream sind von Bach eine dreistimmige Invention, von Mozart das Adagio h-Moll, und von Beethoven die beiden Sonaten in der Tonart As-Dur op. 26 und op. 110 zu hören. Von Schubert gibt es zusätzlich ein Impromptu. Ganz sicher ein Klavierabend, der einen die Coronabelastungen eine schöne Zeit lang vergessen lassen dürfte.

Belastend ist die Situation ganz besonders gerade auch für die Konzertagentur von Jürg Hochuli und seine beiden langjährigen Mitarbeiterinnen Henriette Joppien und Erla Scholz. Alle Veranstaltungen sind abgesagt. Hochulis «Neue Konzertreihe Zürich» hofft auf einen Wiederbeginn mit der Nachwuchspianistin Alexandra Dovgan Ende März.

Jürg Hochuli

Jürg Hochuli

Bild: Urs Bucher

Auch die Kulturreisen, ein weiteres Standbein der Konzertagentur, sind gestrichen. Da fallen Reisen aus wie etwa im März zu einem Haydn-Gipfel auf Schloss Elmau. Hier hätte es eine Wiederbegegnung mit Alfred Brendel und Sir Andras Schiff gegeben. Die Ittinger Pfingstkonzerte und die Konzerte in der Klosterkirche Münsterlingen an Auffahrt liegen fertig geplant in der Schublade. Ebenso die Streichquartett-Reihe in der Zürcher Kirche St. Peter, die im Mai in eine weitere Saison gehen soll.

«Besser mit als ohne Konzerte untergehen»

Mit der aktuellen Benefiz- und Spendenaktion will die Konzertagentur Hochuli, die für ihre Arbeit keinerlei Gelder der öffentlichen Hand bezieht, ein «Lebenszeichen» geben, wie Jürg Hochuli sagt. Und in einer Zeit zwischen Bangen, Hoffen und anstrengender Ungewissheit zeigen: «Wir sind da!». Über die Reihe «Wir machen Konzert!», hoffentlich bald wieder vor wenigstens fünfzig Zuschauern, sagt Jürg Hochuli: «Es ist besser mit Konzerten unterzugehen als ohne.»

Seine Mitarbeiterin Henriette Joppien schaut aber auch optimistisch nach vorn: «Ich hoffe, dass es weitergeht. Online ersetzt eben nie live. Aber es werden neue Formen der Kreativität gefragt sein.» Ihre Kollegin Erla Scholz doppelt nach: Nur Livekonzerte ermöglichten diese besondere Atmosphäre im Konzertsaal, die über das reine Hören und Sehen hinausgehe, sagte sie der «Neuen Zürcher Zeitung» im Dezember. Das Feuilleton hat den Aktivitäten der Konzertagentur aus Gais einen langen Artikel gewidmet.

«Kultur ist die Seele eines Volkes. Wenn die Kultur tot ist, dann ist auch die Seele tot.»

So hat es Erla Scholz in diesem Artikel auf den Punkt gebracht. Auf Honorar zu verzichten, um Kolleginnen und Kollegen zu helfen, das möchten auch andere Musikerinnen und Musiker. Die in der Schweiz lebende Geigern Patricia Kopatchinskaja hat der Agentur in diesen Tagen ebenfalls für ein Gratiskonzert zugesagt.

Einmaliger Livestream, gratis und mit Spendenmöglichkeit: Sonntag, 24. Januar 2021, 17 Uhr; www.hochuli-konzert.ch/livestream