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Zwischen Nostalgie und Neugierde

Das britische Duo Pet Shop Boys denkt trotz anderslautender Spekulationen nicht ans Aufhören. Sein 13. Album heisst «Super» und ist facettenreich, frisch und kraftvoll – und zeugt von der musikalischen Neugierde der Interpreten.
Michael Gasser
Kein Gedanke ans Aufhören: Neil Tennant und Chris Lowe. (Bild: Joseph Sinclair)

Kein Gedanke ans Aufhören: Neil Tennant und Chris Lowe. (Bild: Joseph Sinclair)

Das letzte Album der Pet Shop Boys, «Electric» (2013), erschien vielen als Schwanengesang. Jetzt zeichnet sich ab, dass das britische Duo gar nicht ans Aufhören denkt. Auf ihrem neusten Wurf «Super» verleihen Neil Tennant und Chris Lowe ihrer ungebrochenen Liebe zur Tanzfläche kraftvollen Ausdruck.

Kurz vor der Veröffentlichung ihres 13. Albums ist den Pet Shop Boys der Einzug in die akademische Welt geglückt: Das Edinburgh College of Art widmete ihnen vergangene Woche ein zweitägiges Symposium, bei dem insbesondere ihr Musikkatalog und dessen Wirkung unter die Lupe genommen wurde – dies mit Referaten wie «Disco-Pastiche und die Heimsuchung durch Aids». Das sind Weihen, die vor allem eins nahe legen: Das 1981 gegründete Duo hat in den letzten Jahrzehnten nicht nur den Pop, sondern auch die britische Kultur beeinflusst.

Liebe zur Dance Music

Dank über 50 Millionen verkaufter Platten und Hits wie «West End Girls» oder «It's A Sin» verfügen Frontmann Neil Tennant (61) und sein getreuer Keyboardbastler Chris Lowe (56) über genügend finanzielle Mittel, um sowohl Aufnahmestudios in London als auch in Berlin zu besitzen. Das letztere haben die beiden zur Klausur und zum Schreiben von insgesamt 25 Songs genutzt – 11 davon sind jetzt auf der neuen Platte gelandet. Der Synthie-Pop der Pet Shop Boys, die vor allem dank ihrer gemeinsamen Liebe zu Dance Music zusammenfanden, hat sich von seinen Ursprüngen nie allzu weit entfernt – und ist aktuell betont schnörkellos. Während das erste Stück, «Happiness», mit seinen treibenden Rhythmen viel Beweglichkeit signalisiert und direkt auf den Tanzboden abzielt, entpuppt sich «Undertow» als Club-Hymne, die auch dem Repertoire von Madonna entstammen könnte.

Überschätzte Rockmusik

Neil Tennant singt weiterhin wie ein leicht arrogant wirkender Dandy, der aber bloss besänftigen möchte und für alle und jeden ein paar tröstende Worte bereithält – selbst für die Schurken dieser Welt: So in «The Dictator Decides», das zwischen Militärmusik und melancholischen Momenten pendelt und sich um den immer dringlicheren Freiheitswunsch eines zweifelnden Alleinherrschers dreht. Im gutgelaunten «The Pop Kids» hingegen lassen die Pet Shop Boys ihre eigene Geschichte Revue passieren: «Wir wussten, dass Rockmusik überschätzt wird», räsoniert Tennant in nasaler Tonalität – und verweist ironisch, jedoch nicht ohne Ernsthaftigkeit auf sein eigenes mondänes Wesen.

In einem Interview auf ihrer Webseite behaupten die Pet Shop Boys allerdings, der Track handle nicht von ihnen, sondern von einem befreundeten Paar, das den Pop über alles geliebt habe. So viel Verneblungstaktik muss sein. Kennengelernt haben sich die Pet Shop Boys in einem Elektrogeschäft, wo man alsbald zum Smalltalk über Instrumentenkabel ansetzte und flugs beschloss, gemeinsame Sache zu machen. Anfänglich wurden Tennant, ein Musikjournalist, und Architekturstudent Lowe für ihre Versuche auf dem Gebiet des Disco-Pops belächelt, doch rasch schon standen die Plattenfirmen Schlange, um das Duo unter Vertrag zu nehmen. Völlig zu Recht, wie sich herausstellen sollte. Kaum hatten die Pet Shop Boys ihre ersten Erfolge erzielt, kollaborierten sie mit anderen Künstlern wie Dusty Springfield, Liza Minelli oder dem kürzlich verstorbenen David Bowie.

Theatralische Extravaganz

Die Band war seit je darauf aus, ihren Horizont zu erweitern. Man setzte zu Ausflügen in die Theaterwelt und in die Filmmusik an (unter anderem mit einem neu erarbeiteten Soundtrack zu Sergei Eisensteins Stummfilmklassiker «Panzerkreuzer Potemkin») und verfasste ein Ballettstück. Auf der Bühne begnügten sich die Pet Shop Boys nie damit, einfach ihr Repertoire zum Besten zu geben. Ihre Auftritte haben den Anspruch, choreographiert und ausschweifend zu sein und theatralische Extravaganz zu bieten. Mit «Super» machen Tennant und Lowe klar, dass sie trotz grauer Haare nicht daran denken, sich weder von weiteren Konzertreisen noch von der Tanzfläche zu verabschieden.

Purer Eskapismus

Obschon mit «Sad Robot World», das mit seinen peitschenden Beats an Kraftwerk erinnert, oder mit dem von Techno-Pop und Tanzfieber angetriebenen «Burn» nicht zuletzt nostalgische Gefühle bedient werden, muten die Tracks auf «Super» nie verstaubt an. Die zwei verhehlen zu keinem Zeitpunkt, dass ihre Musik purer Eskapismus ist. Weil dieser jedoch ausschliesslich augenzwinkernd daherkommt, bewahrt sich der Sound seine Neugierde und erweist sich als ebenso frisch wie kraftvoll. Das facettenreiche Album verdeutlicht: Die Pet Shop Boys haben weiterhin Spass an ihrem Tun – und das wirkt ansteckend, unweigerlich.

Pet Shop Boys: «Super» (x2 Recordings/Limmat Records).

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