Zwischen Gaga und Dada

Er ist Dichter und Erotomane, Philosoph und Performer, der Egnacher Christian Uetz. Kürzlich trat er an einer Dada-Performance in Zürich auf.

Dieter Langhart
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Alles auswendig: Christian Uetz am Literaturfestival Leukerbad 2015. (Bild: Dieter Langhart)

Alles auswendig: Christian Uetz am Literaturfestival Leukerbad 2015. (Bild: Dieter Langhart)

Christian Uetz ist ein Phänomen. Keiner schreibt so drastisch, keiner «liest» schneller als er. Auswendig. Alles. Auch die komplexesten Sätze. Uetz' Auftritte bei Poetry Slams sind legendär, seine Lesungen sind Performances und fallen auf an Orten, wo sonst brav und sittsam gelesen wird. Etwa in Leukerbad, wo Christian Uetz einige Male aufgetreten ist, zuletzt vergangenen Juli.

Zwischen Lust und Schmerz

Was treibt diesen Dichter an?! Das Wort, der Klang, der Eros. Lust und Schmerz, Liebe und Qual, Sprache und Rausch sind bei Christian Uetz ein und dasselbe – in seinem ersten Roman «Nur Du, und nur ich» steckt «Lichtsex mal Energie im Augenblitzquadrat». Uetz liebt das Absolute, das Obsessive, er säuselt und provoziert, und das Sterben müsste «ekstatisch, orgasmisch, im Tanz» sein, wie er bekannt hat. Uetz tanze an den Rändern der Sprache, hat Roman Bucheli einmal geschrieben; einen «umstrittenen Autor zwischen Gaga und Dada» nannte ihn Bruno Rauch.

Asketisch sieht Christian Uetz aus: ein gertenschlanker Körper, das Haar millimeterkurz, stechend der Blick, das Gesicht vom Lachen oder Weltschmerz verzerrt. Und verblüfft bis verzweifelt die Hörer. Denn Christian Uetz' Texte sind schon auf Papier keine leichte Kost, aber völlig ausgeliefert ist ihnen, wer nur seinen Ohren trauen kann. Seit seiner ersten Lesung, 1991 im «Löwen» Sommeri, hat er nie vom Blatt gelesen. Denn sonst würde er lügen, sagt er.

Altgriechisch statt Querflöte

Er wird 1963 als Sohn eines Käsers und einer Bauerntochter in Egnach geboren, wird Lehrer, versucht sich an der Querflöte, verbeisst sich dann in Philosophie und Altgriechisch, liebt Heidegger ebenso wie Hölderlin, Nietzsches «Zarathustra» ist sein Lieblingsbuch. Die ersten Bände erscheinen bei Waldgut in Frauenfeld, 2005 erhält Uetz den Thurgauer Kulturpreis.

Im November 2004 ist Uetz mit Beiträgen im Dada-Heft der Literaturzeitschrift «orte» vertreten. Und im Dezember 2015 tritt er im Zürcher Theater Rigiblick mit vier anderen «Dadaistinnen der Gegenwart» bei einer Performance zum Auftakt von 100 Jahre Dada Zürich auf.

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