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Eine Ausstellung zur Ernährung zwischen Ekel und Genuss

Wie sieht unser Essen in der Zukunft aus? Kommt es aus dem 3D-Drucker, besteht es aus Algen mit Speckgeschmack? Eine sehenswerte Ausstellung in Winterthur lotet die Grenzen des Zumut- und Machbaren aus.
Laura Widmer
Fleisch ohne Blut vom Metzger tranchiert: Eine Vision der Designerin Hanan Alkouh. (Bild: Tom Mannion)

Fleisch ohne Blut vom Metzger tranchiert: Eine Vision der Designerin Hanan Alkouh. (Bild: Tom Mannion)

Auf dem Tisch aus Edelstahl liegen grosse Brocken Fleisch. «Bitte nicht essen», warnt ein Schild. Direkt dahinter ist ein Metzger zu sehen, wie er das Fleisch zerteilt, und fein säuberlich in handlichere Teile schneidet. Eine Szene, an die man nicht gerne denkt, wenn das Steak im Restaurant auf dem Teller liegt. Doch das Fleisch in dieser Metzgerei blutet nicht. Es kommt auch nicht von einem geschlachteten Tier: Es besteht es aus Dulse, einer roten Seealge. Die Seealge gilt als Superfood, das wertvolle Mineralstoffe und Vitamine in sich trägt. Gebraten schmeckt die Alge wie Speck.

Grund genug für die Designerin Hanan Alkouh mit der Alge zu experimentieren. Mit ihrem Werk «Sea-Meat Seeweed» zeigt sie in der Ausstellung «Food Revolution 5.0» im Gewerbemuseum Winterthur, wie eine Welt ohne Fleisch aussehen könnte. Sie adaptiert die Kultur des Fleisches für eine fleischlose Welt.

Umdenken in der Produktion

Unsere globalisierte Nahrungsmittelproduktion ist nicht nachhaltig. Welche Ansätze gibt es, um dies zu verbessern? Wie wird die Versorgung der Menschheit im Zeichen von Klimawandel, stetig wachsender Weltbevölkerung und zunehmender Verstädterung sichergestellt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich «Food Revolution 5.0» im Gewerbemuseum Winterthur. Die Ausstellung war im vergangenen Jahr bereits in Hamburg und Berlin zu sehen. In Winterthur wurde sie um Projekte von Schweizer Designern ergänzt. Die Ausstellung folgt dem Kreislauf der Nahrungskette, und ist in die Bereiche Farm, Markt, Küche und Tisch unterteilt. Ergänzt werden die Designobjekte durch Infografiken zu Nahrungsmittelproduktion und Konsum.

Das Spannungsfeld in der Ausstellung ist gross zwischen spekulativen Zukunftsvisionen und praktischen Optimierungen für den täglichen Umgang mit Nahrungsmitteln.

Darunter auch so absurd anmutende Visionen wie «Second Lifestock», eine virtuelle Realität für Hühner in Legebatterien. Videospiele erlauben Menschen, sich frei in virtuellen Räumen zu bewegen. «Second Lifestock» spinnt den Gedanken weiter und zeigt auf, wie sie auch Hühnern ein «artgerechtes» Leben ermöglichen könnte. Die Hühner tragen im Video des Austin Stewart Virtual-Reality-Brillen und laufen auf Kugeln, um ihrem Bewegungsdrang gerecht zu werden. Das Projekt parodiert die neuen technischen Möglichkeiten und hinterfragt die ethischen Konsequenzen unserer Tierhaltung.

Ebenfalls ins Reich der Fiktionen gehört «In vitro me» von Chloé Rutzerveld. Ihre Vision: Ein über dem Herz getragenes Amulett dient als Brutkasten für Fleisch aus unseren Zellen. Die kühne Idee knüpft an die Debatte um In-Vitro-Fleisch an. Fleisch aus dem Reagenzglas, gezüchtet aus Stammzellen. Die Künstlerin konfrontiert Besucher mit ihrer eigenen Bequemlichkeit: Wie weit würde man gehen, um weiterhin Fleisch essen zu können?

«Edible Growth», Essen aus dem 3D-Drucker. Bild: Chloé Rutzerveld

«Edible Growth», Essen aus dem 3D-Drucker. Bild: Chloé Rutzerveld

Ebenfalls von Rutzerveld ist «Edible Growth». 3D-Drucker produzieren verschiedene Schichten, die einen essbaren Nährboden, Saatkörner, Sporen und Hefe enthalten. Innerhalb von fünf Tagen nach dem Druck wachsen dank Fotosynthese und Fermentation Pilze und Sprossen heran. So entsteht ein essbares Pilz-Kresse-Brötchen.

Der Teller macht den Appetit gross oder klein

In der Küchenabteilung der Ausstellung wird unter anderem der Frage nachgegangen wie sich das Design unseres Geschirrs, unserer Gabeln auf den Appetit und unsere Art zu essen niederschlägt. Und auch in der Küche hält der technologische Fortschritt Einzug. Smarte Geräte kennen die Bedürfnisse ihrer Besitzer und erleichtern den Alltag. Nach solchen Haushaltsgeräten sucht man im Gewerbemuseum jedoch vergeblich.

Mit Absicht, sagt die Kuratorin der Ausstellung Claudia Banz: «Die Technologisierung entfernt uns noch weiter von unseren Nahrungsmitteln, als wir es ohnehin schon sind.» Die Küche sei künftig kein abgetrennter Bereich mehr, sondern wird in die Wohnräume integriert. Auch die Ausrüstung sei eine andere. Geht es nach den gezeigten Designern, züchten wir zu Hause Maden zum Verzehr oder essen nur noch Würfel, in denen die wichtigsten Nährstoffe enthalten sind. Ob man sich fortan nur von Würfeln oder Algen ernähren möchte, ist aber zu bezweifeln.

Vernissage 1.12., Ausstellung bis 28.4.2019, diverse Begleitveranstaltungen. gewerbemuseum.ch

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