Interview
Bühne Thurtal stemmt grosse Produktion: Ohne Crowdfunding kommt Zwinglis Frau nicht auf die Bühne

Die Bühne Thurtal plant im Sommer ein aufwendiges Freilufttheater im historischen Ambiente des Thurgauer Klosters Fischingen. Ein Crowdfunding finanziert nun die Kostüme.

Rolf App
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Simon Keller, Schauspieler, Regisseur, Autor

Simon Keller, Schauspieler, Regisseur, Autor

Bild:PD

Das Kloster Fischingen wird vom 25.Juli bis zum 21.August zum Schauplatz eines Freilichtspiels, das von Anna Reinhart handelt, der Frau des Reformators Ulrich Zwingli. Das Stück schreibt und inszeniert Simon Keller, seit vergangenem Jahr künstlerischer Leiter der Bühne Thurtal.

Im Sommer führen Sie im Kloster Fischingen «Zwinglis Frau» auf. Das Freilichtspiel ist mit 714000 Franken budgetiert. Warum wird das so teuer?

Simon Keller: Zu den Kosten tragen mehrere Faktoren bei. Es fallen zum einen hohe Ausgaben für die Technik, für Tribünenbau und die Bühne an, für die wir einen Teil der mittelalterlichen Stadt Zürich nachbauen. Zum andern werden auch die Personalkosten höher ausfallen als bei anderen Produktionen. Denn wir werden mit Monika Romer als Anna Reinhart und Samuel Tobias Klauser als Ulrich Zwingli zwei ausgebildete Schauspieler in den Hauptrollen haben, die das Stück tragen. Hinzu kommen ein Liveorchester und knapp sechzig Darsteller.

Einen Teil der Aufwendungen für Bühne, Requisiten und Kostüme haben Sie mittels Crowdfunding finanziert. Zusammen gekommen sind dabei 15960 Franken. Was hätten Sie denn gemacht, wenn das nicht geklappt hätte?

Dann hätten wir uns einen Plan B überlegen müssen – wobei die Produktion selber nie in Frage gestanden hat.

Sie leiten die Bühne Thurtal, schreiben das Stück und führen Regie bei «Zwinglis Frau». Was haben Sie vor?

Ich versuche, eine Mischung zu finden zwischen historischer Erzählung und Unterhaltung. Im Stück steckt viel Fiktion, denn man weiss nicht viel über diese Anna Reinhart. Der Leutpriester Zwingli war mit der verwitweten Zürcher Wirtstochter verheiratet, und sie hatten Kinder. Wir erzählen Zwinglis Geschichte aus der bisher kaum beachteten Perspektive dieser Frau; mein Ziel ist ein schönes, unterhaltendes Stück, das aber viel historischen Hintergrund bietet.

Die Bühne Thurtal hat ihren Sitz neuerdings in Herisau. Warum denn das?

Aus Zufall. Wir haben ein Büro mit Probenraum gesucht, und die Gemeinde Herisau hat Industriegebäude ausgeschrieben. Für uns passt das perfekt – und bringt überdies den Vorteil mit sich, dass wir so die Kulturlandschaft Ausserrhoden näher kennen lernen. Wären wir in Wil geblieben, dann wäre dies nicht passiert.

«Zwinglis Frau» ist nicht Ihre einzige Produktion in diesem Jahr. Was haben Sie sonst noch vor?

Am 14.März hat unser Dinner-Theater «Verdammte Baustellen» Premiere, eine ziemlich freche Komödie, welche die Frage behandelt, was ein moderner Mann soll, darf, kann und muss. Im Winter wird dann in der Tonhalle Wil das Kinderstück «Sams – eine Woche voller Samstage» folgen.