Zwerge, Riesen, Nixen

LESBAR WAGNER Mit wehenden Haaren tanzen drei Nixen um die goldene Spitze des Felsens tief im Rhein. Woglinde, Wellgunde und Flosshilde heissen sie; in Richard Wagners Oper «Das Rheingold» spielen die Rheintöchter zu herrlicher Wassermusik in den Wellen.

Drucken
Teilen

LESBAR WAGNER

Mit wehenden Haaren tanzen drei Nixen um die goldene Spitze des Felsens tief im Rhein. Woglinde, Wellgunde und Flosshilde heissen sie; in Richard Wagners Oper «Das Rheingold» spielen die Rheintöchter zu herrlicher Wassermusik in den Wellen. Götter, Riesen, Zwerge und Nixen bevölkern den ersten Teil des insgesamt vierzehn Stunden dauernden «Ring des Nibelungen». So lange halten es Menschen unter zwanzig im Normalfall nicht im Theater aus. Die Geschichte aber, märchenhaft anmutend, lässt sich Kindern durchaus gut erzählen – zumal mit einem prachtvoll illustrierten Bilderbuch in der Hand. Der Text von Rudolf Herfurtner mag auch manchem Erwachsenen klug durchs mythische Gewirr helfen; die Bilder von Anette Bley führen in eine Sagenwelt, wie sie kein Regisseur ins Bayreuther Festspielhaus zaubern kann. Weil aber Oper ohne Musik nicht einmal die halbe Kunst ist, gibt es dazu noch eine CD mit Hörbeispielen (Teile eines Livemitschnitts aus der Staatsoper Stuttgart), die man beim Lesen an markierten Stellen zuspielen kann: wohldosiertes Training für lange Opernabende.

Rudolf Herfurtner, Anette Bley: Das Rheingold. Ab 6. 32 S. und 1 CD, Fr. 28.50

Wer Wagner war

Ist Richard Wagners Musik ein Fall für betuchte Senioren, die nach Bayreuth pilgern? Mit Public Viewing und Oper im Kino versuchen die Bayreuther Festspiele seit ein paar Jahren, auch junges Publikum anzusprechen – und alle, die kein Ticket fürs Festspielhaus bekommen haben. Axel Brüggemann, Musikjournalist und Moderator der internationalen Kinoübertragungen aus Bayreuth, wendet sich jetzt mit einer Wagner-Biographie an Jugendliche ab 14. Er setzt dabei freilich solide Kenntnisse voraus – wer ein Musikinstrument spielt, klassische Musik hört und gern in Konzerte geht, hat eindeutig mehr von der Lektüre. Denn Brüggemann beschränkt sich nicht auf den Lebensweg des revolutionären Musikers. Vielmehr läuft Wagners Werk immer mit und reichert die zeit- und lebensgeschichtlichen Ausführungen sinnlich an – etwa der Tristanakkord, der hier zum «Vorspiel» der Biographie wird.

Axel Brüggemann: Genie und Wahn. Die Lebensgeschichte des Richard Wagner. Ab 14. Beltz & Gelberg, 240 S., Fr. 24.50

Bettina Kugler